Wenn die Eiskugel zum Luxus wird

Dass das Eis ein ernstes Thema geworden ist, zeigt eine kleine Premiere. Seit Januar 2025 beobachtet das italienische Statistikamt ISTAT den Preis der Eistüte im sogenannten Warenkorb, mit dem es die Inflation und damit die Lebenshaltungskosten misst. Die Eiskugel ist damit offiziell zu einem Gradmesser für die Teuerung geworden, ähnlich wie Benzin oder Miete.
Für Südtirol besonders interessant ist eine Erhebung der Verbraucherorganisation Altroconsumo. Demnach gehört Bozen zu den teuersten Eis-Städten Italiens. Mit durchschnittlich 7,19 Euro pro Kilo liegt Bozen auf dem dritten Platz, hinter Florenz mit 8,05 Euro und Forlì mit 7,68 Euro. Am günstigsten ist das Eis demnach in der Provinz Macerata mit 4,55 Euro pro Kilo.
Der lange Weg nach oben
Wer das Gefühl hat, dass Eis früher viel billiger war, liegt richtig. Laut dem Verbraucherverband Federconsumatori ist der Eispreis seit 2002 um 138 Prozent gestiegen. Beim verpackten Stieleis ging es von 0,90 Euro im Jahr 2002 auf 2,80 Euro heute. Auch in jüngerer Zeit ging es deutlich bergauf: Gegenüber 2021 liegt das Plus zwischen 30 und 42 Prozent, allein 2025 stieg der Preis um rund neun Prozent. Heute zahlt man in Italien für eine Tüte im Schnitt drei bis vier Euro, in Touristenorten auch über fünf Euro, mit Bedienung am Tisch noch mehr.Â
Günstiger nördlich des Brenners
Im Vergleich zum Ausland ist Italien beim Eis nicht das teuerste Land. Der Verband der italienischen Speiseeishersteller Uniteis weist darauf hin, dass die Preise in Deutschland niedriger liegen. Dort kostet eine Kugel im Schnitt 1,80 bis 2,50 Euro, während man in Italien oder Spanien oft drei Euro zahlt. Zum Schmunzeln bringt der Rückblick: In den 1980er Jahren kostete eine Kugel in Deutschland noch 70 oder 80 Pfennig, damals war aber auch der Liter Benzin nur etwa halb so teuer wie heute.Â
Warum das Eis teurer wird
Hinter den höheren Preisen stehen handfeste Gründe. Vor allem die Zutaten sind teurer geworden. Kakao verzeichnete außergewöhnliche Preissprünge, Milch bleibt teuer und bei Pistazien und Haselnüssen gab es Aufschläge von bis zu 50 Prozent. Dazu kommen die gestiegenen Kosten für Energie, Miete und Personal. Erschwerend wirkt, dass die Eissaison nur wenige Monate dauert, während viele Eisdielen im Winter leer stehen und das ganze Jahr finanziert werden muss.
Weniger fürs gleiche Geld
Nicht immer zeigt sich die Teuerung direkt am Preisschild. Ein Phänomen, das viele Kunden nicht bemerken, ist die sogenannte Shrinkflation. Die Kugeln werden oft kleiner, in den Bechern landet weniger Eis und die Packungen schrumpfen, während der Preis gleich bleibt. Hinzu kommt die Frage der Qualität, denn der Name einer Sorte sagt noch nichts über die Zutat aus. Eine Pistaziensorte kann aus echter Pistazie oder aus Aromen und Fertigmischungen hergestellt sein.Â
Trotz aller Aufschläge bleibt das Eis ein fester Bestandteil des Sommers. Wie ein Eismacher es zusammenfasst: Egal wie hoch die Preise seien, die Leute würden immer ihr Eis essen.






