Südtiroler Fotograf zeigt die unbequeme Wahrheit über den Tourismus

Initiiert wurde die Präsentation vom Leiter der Galerie, Dino Rekanovic, der auf Haspingers Arbeiten aufmerksam geworden war und sie nach Wien holte. Für den Südtiroler Fotografen ist es eine weitere Station eines Projekts, das sich seit Jahren mit der Beziehung zwischen Mensch, Landschaft und Tourismus beschäftigt.
Zwischen alpiner Ruhe und touristischer Überformung
Ausgangspunkt des Projekts war eine persönliche Erfahrung im Februar 2016 auf der Bonner Hütte oberhalb von Toblach. Haspinger beschreibt dort einen Abend zwischen Stille und Naturidylle – und gleichzeitig die sichtbaren Eingriffe der Tourismusindustrie im Tal: Skigebiete, künstlich beleuchtete Pisten, technische Beschneiung und ein dichtes Netz aus Infrastruktur.
Dieser Kontrast zwischen scheinbarer Naturidylle und industriell geprägter Nutzung der Alpen führte zu zentralen Fragen, die sich durch das gesamte Werk ziehen: Wer profitiert vom alpinen Tourismus? Wie nachhaltig ist die Entwicklung? Und wie sehr wird die Landschaft durch Inszenierung und Infrastruktur geprägt?
Haspinger, der mehrere Jahre als Naturparkbetreuer in den Naturparks „Fanes-Sennes-Prags“ und „Drei Zinnen“ tätig war, beschreibt diese Zeit als prägend für seine fotografische Arbeit. In dieser Funktion habe er nicht nur ökologische Zusammenhänge kennengelernt, sondern auch die Konflikte zwischen Tourismus, Landwirtschaft und Bevölkerung unmittelbar erlebt.
„Omnipräsente Möblierung der Landschaft“
In seinem fotografischen Ansatz dokumentiert Haspinger gezielt künstliche Eingriffe in der alpinen Landschaft – von Freizeit- und Erlebnisanlagen bis hin zu touristischer Infrastruktur, die in naturbelassener Umgebung platziert wird. Diese nennt er eine „omnipräsente Möblierung der Landschaft“.
Viele der Motive stammen aus Tourismusbroschüren, Social Media oder gezielten Recherchen nach Ausflugszielen. Dabei steht nicht nur der Blick von außen im Fokus: Auch Einheimische nutzen die Angebote, was die Grenze zwischen touristischer Inszenierung und regionaler Alltagsnutzung zusätzlich verwischt.
Haspinger arbeitet dabei bewusst ohne ästhetische Verklärung. Seine Bilder sollen dokumentieren, nicht idealisieren. Gerade dadurch entsteht eine nüchterne, teilweise irritierende Wirkung, die den Blick auf das Verhältnis zwischen Natur und menschlicher Nutzung schärft.
Tourismus als wirtschaftliche Realität und gesellschaftlicher Konflikt
Neben der künstlerischen Ebene verweist das Projekt auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Südtirol. Zehntausende Arbeitsplätze hängen direkt vom Sektor ab, während die touristische Nachfrage kontinuierlich steigt. Gleichzeitig wird die Belastung der Landschaft und der lokalen Bevölkerung zunehmend diskutiert.
Haspingers Arbeit bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und ökologischer Verantwortung – ohne einfache Antworten zu liefern.
Haspinger im UT24 Interview:
Gab es einen Moment, an dem Sie beim Fotografieren das Gefühl hatten: Jetzt kippt das Verhältnis zwischen Natur und Tourismus?
Nein das Gefühl, dass das Verhältnis Natur und Tourismus kippen würde hatte ich nicht. Aber es gab Situationen, die weniger für die Natur sondern für die Touristen grenzwertig waren. Ich konnte beobachten wie Wegsperrungen wegen Steinschlag-Gefahr ignoriert wurden oder Im Frühling sich Menschen auf den nur mehr teilweise zugefrorenen See wagten. Bauern konnten nicht mehr auf die Felder weil die Zugänge mit parkenden Autos versperrt waren und vieles mehr.
Wo liegt für Sie der größte ungelöste Konflikt im Südtiroler Tourismus?
Ich denke Südtirol sollte sich alleine auf die schöne Natur stützen. Die Menschen die zu uns kommen sollen sich vollends auf diese wunderbare Landschaft einlassen können.Ablenkung durch Installationen und Eventisierung sind daher fehl am Platz. Unesco Welterbe zu sein sollte mehr als ausreichend sein.Durch diese Reduktion werten wir unsere Landschaft auf und begegnen ihr mit dem nötigen Respekt. Unsere Besucher werden das spüren und es dankend annehmen.
Was war das absurdeste Objekt oder Motiv, das Sie im Rahmen des Projekts gefunden haben?
Das ist eine schwierige Frage, da mich alle meine Motive auf ihre eigene Art angesprochen haben.
Vielen Dank für das kurze Interview!
Weitere Projekte in Südtirol
Parallel zur Ausstellung in Wien ist Haspinger auch in weitere Projekte eingebunden. Im Rahmen des Analogue Photo Festivals, das inzwischen bereits abgeschlossen ist, ist aktuell dennoch die Ausstellung „Fuoristagione“ zu sehen, an der er auch im Organisationsteam mitwirkt. Ein Teil der Präsentation wird im AMA Stay in Südtirol gezeigt.
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