Rot-Weiß-Rot erobert Kalifornien: Zwischen Fanmarsch, 30-Dollar-Bier und WM-Euphorie

Tausende Österreich-Fans in den USA
Schon Stunden vor dem Anpfiff gegen Jordanien verwandelten die Fans die Straßen rund um das Stadion in Santa Clara in eine rot-weiß-rote Partymeile.
Begleitet von einer entspannten Polizeieskorte marschierten tausende Österreicher gemeinsam zur Arena. Lautstark hallte „Hurra, hurra, Österreich ist da!“ durch die Straßen, während Schals geschwenkt und Fotos gemacht wurden. Die Stimmung war ausgelassen, aber durchwegs friedlich.
Jordanien war zwar ebenfalls bemerkenswert stark vertreten. Für ein Land mit rund elf Millionen Einwohnern reisten erstaunlich viele Fans in die USA. Dennoch gehörte die akustische Hoheit an diesem Tag klar den Österreichern.
Teures Bier und Essen in den Stadien
Im Stadion wartete dann allerdings eine andere Realität auf die Besucher: Amerika ist teuer geworden. Sehr teuer. Für eine Dose Bier mussten Fans umgerechnet rund 30 Dollar auf den Tisch legen. Cocktails bewegten sich in ähnlichen Preisregionen, auch Snacks und Essen wurden schnell zum Luxusgut. Viele Anhänger schüttelten darüber nur den Kopf.
Dass die FIFA bei ihrer XXL-Weltmeisterschaft jede Einnahmequelle ausschöpft, war an vielen Stellen spürbar. Nicht nur die Preise sorgten für Diskussionen. Auch die mittlerweile üblichen Trinkpausen werden von Fernsehsendern zunehmend für zusätzliche Werbeblöcke genutzt. Die Kommerzialisierung des Turniers ist kaum zu übersehen.
Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Als vor dem Anpfiff „I am from Austria“ aus den Stadionlautsprechern erklang, sangen tausende Fans aus voller Kehle mit. Zur Halbzeit folgte „Life is Life“ von Opus, nach dem Schlusspfiff wurde „Sweet Caroline“ angestimmt. Die bekannten Klassiker verwandelten das Levis Stadium in San José zeitweise in eine Mischung aus Fußballstadion und Volksfest.
Spieler und Trainer begeistert
Auch Teamchef Ralf Rangnick zeigte sich beeindruckt: „Die Atmosphäre und die Energie im Stadion haben Spaß gemacht. Die Stimmung war großartig, beide Seiten haben ihre Mannschaften friedlich unterstützt. So würde man sich auch den Vereinsfußball wünschen“, sagte der ÖFB-Teamchef nach dem Spiel.
Mittelfeldmotor Konrad Laimer sprach vielen Fans aus der Seele: „Ich habe es richtig geil gefunden. Die Stimmung war ein Wahnsinn, das Stadion war richtig geil. Du merkst schon, dass das eine Weltmeisterschaft ist, die größte Bühne. Das macht schon sehr, sehr viel Spaß.“
Sportlich gibt's noch Luft nach oben
Dass Österreich beim 3:1-Auftaktsieg gegen Jordanien spielerisch noch Luft nach oben hatte, geriet dabei fast zur Nebensache. Zwar brachte ein Traumtor von Romano Schmid die Führung, doch Jordanien erwies sich als deutlich unangenehmer Gegner als viele erwartet hatten. Erst ein Eigentor und ein später Elfmeter von Marko Arnautovic sorgten für die Entscheidung.
Die drei Punkte sind jedoch das Wichtigste. Nach 28 Jahren WM-Abstinenz zählt für viele Fans ohnehin vor allem eines: endlich wieder dabei zu sein.
Die Euphorie dürfte nun sogar noch größer werden. Mit Argentinien wartet als nächster Gegner der amtierende Weltmeister rund um Superstar Lionel Messi. Kaum jemand wagt eine Prognose zugunsten Österreichs, doch genau darin liegt auch der Reiz dieses Duells.
Anpfiff zur Mittagszeit in Dallas
Die österreichischen Fans jedenfalls lassen sich nicht abschrecken. Die Planungen für den nächsten Fanmarsch in Dallas laufen bereits.
Auch wenn der Anpfiff diesmal schon um die Mittagszeit erfolgt und viele Anhänger daher früh aus den Betten müssen. Der erste Kaffee des Tages könnte dabei durchaus durch eine Bierdose ersetzt werden – sofern man bereit ist, dafür 30 Dollar hinzublättern.
Doch eines haben viele Österreicher von dieser Reise ebenfalls mitgenommen: Eine Weltmeisterschaft in Amerika ist ein einmaliges Erlebnis. Und ein ziemlich teures noch dazu. Doch nach 28 Jahren Wartezeit sind die meisten Fans bereit, diesen Preis zu bezahlen.
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