von Alexander Wurzer 18.06.2026 16:13 Uhr

Kompatschers Sprachlabor: Opfert die SVP ihr bestes Erfolgsmodell?

Die Debatte um die Deutsche Schule wird von ihren Gegnern gerne mit großen Schlagworten geführt: Mehrsprachigkeit, Modernisierung, Öffnung, Zukunft. Doch es liegen Zahlen auf dem Tisch, die jede ideologische Nebelkerze durchschneiden.

APA (dpa)

Der INVALSI-Bericht 2025 zeigt schwarz auf weiß: Die Deutsche Schule in Südtirol ist kein verstaubtes Relikt, das dringend „weiterentwickelt“ werden müsste. Sie ist ein leistungsstarkes System, das in zentralen Bildungsbereichen der italienischsprachigen Schule im Land deutlich überlegen ist.

Wie im gestrigen Artikel zum Außenpolitischen Ausschuss des österreichischen Nationalrates dargelegt, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher ausgerechnet in dieser Situation, man treibe mehrsprachige Schulen für Mittel- und Oberschulen voran und sei von dieser „Realität“ nicht mehr weit entfernt.

Das ist keine harmlose pädagogische Gedankenspielerei. Es ist das politische Spiel mit einem Erfolgsmodell zu Lasten unserer Kinder.

23 Prozentpunkte Vorsprung in Mathematik

Stellt man die deutsche und die italienische Schule in Südtirol direkt gegenüber, offenbaren sich eklatante Leistungsunterschiede. Besonders deutlich fällt der Vergleich am Ende der Oberschule aus. In Mathematik erreichen in der Deutschen Schule starke 73 Prozent der Schüler zumindest das vorgeschriebene Kompetenzniveau, während die italienischsprachige Schule in Südtirol bei mageren 50 Prozent stehen bleibt. Das ist kein kleiner Unterschied. Das sind 23 Prozentpunkte.

Während die Deutsche Schule damit deutlich über dem italienweiten Referenzwert liegt, bewegt sich die italienische Schule in Südtirol beim Mathematik-Ergebnis nur knapp über dem nationalen Durchschnitt. Wer angesichts solcher Zahlen behauptet, die Deutsche Schule sei ein überholtes Modell, das durch neue gemischtsprachige Strukturen ersetzt oder schrittweise aufgelöst werden müsse, hat eine einfache Frage zu beantworten: Warum soll ein sichtbar leistungsstarkes System umgebaut werden?

Die Antwort darauf bleibt Kompatscher schuldig.

Deutsch als Unterrichtssprache ist kein Hindernis für Mehrsprachigkeit

Noch entlarvender sind die Ergebnisse im Englischen. Gerade jene, die ständig von einer angeblich zu starren Deutschen Schule sprechen, müssten diese Zahlen eigentlich zur Kenntnis nehmen.

Am Ende der Oberschule erreichen in der Deutschen Schule 79 Prozent der Schüler im englischen Leseverständnis das Niveau B2. In der italienischen Schule sind es 67 Prozent. Beim Hörverständnis wird der Abstand noch größer: 88 Prozent der Schüler der Deutschen Schule erreichen B2, gegenüber 68 Prozent in der italienischsprachigen Schule.

Auch am Ende der Mittelschule liegt die Deutsche Schule vorn. Beim englischen Leseverständnis erreichen 91 Prozent der Schüler das Zielniveau A2, in der italienischen Schule sind es 87 Prozent. Beim Hörverständnis beträgt der Abstand sogar neun Prozentpunkte: 94 Prozent gegenüber 85 Prozent.

Die Deutsche Schule beweist damit genau das Gegenteil dessen, was ihre Kritiker immer wieder behaupten: Ein klar muttersprachlich geführtes Schulsystem ist kein Hindernis für Mehrsprachigkeit. Es schafft vielmehr die Grundlage dafür, weitere Sprachen auf hohem Niveau zu erlernen.

Wer Deutsch als stabile Unterrichtssprache sichert, schottet niemanden ab. Er schafft Orientierung, sprachliche Sicherheit und ein solides Fundament. Auf diesem Fundament kann Mehrsprachigkeit wachsen. Ohne dieses Fundament droht sie zur bloßen Sprachmischung zu verkommen.

Kompatscher will ausgerechnet dort experimentieren, wo das System stark ist

Landeshauptmann Kompatscher erklärte im Außenpolitischen Ausschuss des österreichischen Nationalrates, er sehe einen breiten Wunsch nach mehrsprachigem Unterricht. Zugleich sagte er, man treibe mehrsprachige Schulen für Mittel- und Oberstufe voran und sei von dieser Realität nicht mehr weit entfernt.

Damit bestätigt er genau jene Sorge, die viele Eltern, Lehrer und Vertreter des Minderheitenschutzes seit Jahren äußern: Die Deutsche Schule soll nicht offen abgeschafft werden. Sie soll schrittweise verändert, relativiert und mit neuen Strukturen überlagert werden.

  • Man wird nicht sagen: Wir schaffen die Deutsche Schule ab. Man wird sagen: Wir modernisieren sie.
  • Man wird nicht sagen: Wir schwächen die deutsche Unterrichtssprache. Man wird sagen: Wir öffnen sie für mehr Mehrsprachigkeit.
  • Man wird nicht sagen: Wir stellen Artikel 19 infrage. Man wird sagen: Wir passen ihn an die Realität an.

Doch die Konsequenz kann dieselbe sein: Die klare sprachliche Struktur der Deutschen Schule wird schrittweise aufgeweicht. Und damit wird ausgerechnet jenes Fundament beschädigt, auf dem ihre besondere Leistungsfähigkeit beruht.

Ein Erfolgsmodell braucht keine ideologische Umgestaltung

Natürlich ist kein Schulsystem perfekt. Auch die Deutsche Schule hat sicherlich Bereiche, in denen Verbesserungen notwendig sind. Daraus folgt aber nicht, dass man das gesamte System sprachlich umbauen muss.

Die logische Antwort auf Schwächen in einzelnen Fächern lautet: bessere Förderung, zusätzliche Ressourcen, gezielte Unterstützung und hochwertige Ausbildung. Sie lautet nicht: Wir machen aus einer bewährten Deutschen Schule ein pädagogisches Versuchsfeld.

Denn die INVALSI-Zahlen zeigen eines mit aller Deutlichkeit: Dort, wo die Schüler am Ende ihrer Schulzeit stehen, liefert die Deutsche Schule Spitzenwerte. Sie ist in Mathematik erheblich stärker als die italienische Schule und liegt auch im Englischen deutlich vorn.

Das ist kein Argument gegen das Erlernen der italienischen Sprache. Italienisch muss in Südtirol gut, ernsthaft und wirksam vermittelt werden. Das ist selbstverständlich. Aber gute Italienischkenntnisse entstehen nicht dadurch, dass Deutsch als Unterrichtssprache Stück für Stück zurückgedrängt wird.

Mehrsprachigkeit braucht keine Auflösung der Deutschen Schule. Sie braucht eine starke Deutsche Schule, die ihre Schüler sicher in der Muttersprache verankert und ihnen zugleich weitere Sprachen auf hohem Niveau vermittelt.

Die Beweislast liegt bei Kompatscher

Der INVALSI-Bericht beweist genau das, was die Befürworter der muttersprachlichen Schule seit Jahren sagen: Die klare, getrennte Schulstruktur ist der entscheidende Garant für diese Spitzenleistungen. Die nackten Zahlen wischen alle Ausreden vom Tisch und belegen schwarz auf weiß: Die Deutsche Schule ist kein gescheitertes oder reformbedürftiges Auslaufmodell. Sie funktioniert. Sie liefert Ergebnisse. Sie bildet Schüler aus, die im landesweiten und italienweiten Vergleich in zentralen Bereichen unangefochten an der Spitze liegen.

Wer ein solches System verändern will, trägt die Beweislast. Nicht Eltern, Lehrer und Minderheitenschützer müssen erklären, warum sie die Deutsche Schule verteidigen. Kompatscher und jene Kräfte, die mehrsprachige Schulmodelle vorantreiben wollen, müssen erklären, warum sie ausgerechnet das Fundament jenes Systems einreißen wollen, das Südtirols Jugend nachweislich an die Spitze bringt.

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