250 km/h Sturm-Böen und Kosten-Explosion: Das härteste Hütten-Projekt Tirols

„Die Baukosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Und im Hochgebirge ist Bauen in der Regel rund doppelt so teuer wie im Tal“, erklärt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.
Bauen unter extremen Bedingungen
Die Herausforderungen beginnen bereits bei der Planung. Im Hochgebirge gelten besonders hohe Anforderungen an Statik, Windlasten, Logistik und Genehmigungsverfahren. Dazu kommen kurze Bauzeiten, extreme Wetterlagen und schwer erreichbare Standorte.
Ein aktuelles Beispiel ist die Glungezer-Hütte in Tirol. Die Hütte liegt auf 2.610 Metern in den Tuxer Alpen und ist besonders wetterexponiert. Rund um die Hütte können Windböen von bis zu 250 Stundenkilometern auftreten. Wegen der Witterung ist die Bauzeit auf die Monate Juni bis September beschränkt.
Um solche Projekte überhaupt umsetzen zu können, setzt der Alpenverein verstärkt auf Vorfertigung. Bauteile werden im Tal produziert und anschließend gezielt auf den Berg gebracht. Dadurch soll nur tatsächlich benötigtes Material transportiert werden, während Nachlieferungen und Abfälle am Berg möglichst vermieden werden.
Keine neuen Standorte
Der Alpenverein betont, dass grundsätzlich keine neuen Hüttenstandorte erschlossen werden. Der Fokus liege auf der Sanierung bestehender Schutzhütten und auf notwendigen Ersatzbauten. Ziel sei es, die Hütten langfristig zukunftsfit zu machen.
Dazu gehören ein möglichst geringer Energieverbrauch, eigene Energieproduktion, sparsamer Umgang mit Wasser und ressourcenschonende Bauweisen. Bestehende Strukturen sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben – nicht nur aus Nachhaltigkeitsgründen, sondern auch, um den ursprünglichen Charakter der Hütten zu bewahren.
Auch der Klimawandel stellt den Alpenverein vor zusätzliche Probleme. Veränderungen bei Wasserverfügbarkeit und Standortstabilität können den Betrieb besonders hochgelegener Hütten erschweren und Anpassungen an der Infrastruktur notwendig machen.
Glungezer-Hütte wird saniert
Bei der Glungezer-Hütte des Alpenverein Hall in Tirol ist ab 2027 eine umfassende Sanierung geplant. Die ursprünglich 1932 errichtete Hütte soll für den ganzjährigen Betrieb langfristig gesichert werden. Vorausgegangen war ein Architekturwettbewerb, bei dem sich der Tiroler Architekt Armin Neurauter durchsetzen konnte.
„Grund für die Maßnahmen sind erhebliche Mängel der bestehenden Bausubstanz. Ohne Sanierung würden wichtige Bereiche langfristig nicht mehr den betrieblichen, energetischen, bautechnischen und gesetzlichen Anforderungen entsprechen“, erklärt Romed Giner, erster Vorsitzender des Alpenverein Hall in Tirol.
Geplant sind unter anderem die Erneuerung der Schlaflager und Sanitärbereiche sowie angemessene Unterkünfte für Pächter und Personal. Auch die Betriebsorganisation, die Erschließung sowie energetische, statische und geologische Maßnahmen sollen verbessert werden. Die Zahl der Schlafplätze bleibt unverändert bei 48 Betten.
Historischer Charakter bleibt erhalten
Trotz der umfassenden Arbeiten soll der Charakter der Glungezer-Hütte erhalten bleiben. Prägende Elemente wie die historische Prachensky-Stube des Tiroler Architekten Theodor Prachensky aus dem Jahr 1935 sowie die Natursteinfassade sollen möglichst bewahrt werden.
Die Kosten des Umbaus liegen bei rund drei Millionen Euro. Während der gesamten Sommersaison 2027 bleibt die Hütte geschlossen.
Ohne Ehrenamt nicht möglich
Der Alpenverein weist darauf hin, dass der Erhalt der alpinen Infrastruktur ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich wäre. „Nur mit den Ehrenamtlichen wird es möglich bleiben, unsere alpine Infrastruktur als die Grundlage des ‚wanderbaren Österreich‘ für Einheimische wie Touristen und als das effizienteste Instrument der Besucherlenkung zu bewahren“, betont Unterberger.
Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt laut Alpenverein die Gamskarkogel-Hütte in Salzburg. Dort wurden durch 40 Freiwillige und 4.400 ehrenamtliche Arbeitsstunden innerhalb von zehn Wochen rund 75 Tonnen Material verarbeitet. Der Großteil der Arbeiten erfolgte in Eigenregie.
Positiv bewertet der Alpenverein auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Behörden. Für den langfristigen Erhalt der alpinen Infrastruktur brauche es jedoch verlässliche Finanzierungsperspektiven. Nur so könnten Schutzhütten auch in Zukunft erhalten, modernisiert und an neue Herausforderungen angepasst werden.






