von ih 02.06.2026 11:40 Uhr

Israel meldet Beschuss aus dem Libanon

Trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Einigung ist Israel laut der Armee vom Libanon aus beschossen worden. Es seien Dienstag früh zwei auf den Norden Israels gerichtete Geschosse abgefangen worden, erklärten Israels Streitkräfte. Libanesische Medien hatten kurz zuvor von neuen israelischen Angriffen im Südlibanon berichtet. Die pro-iranische Hisbollah-Miliz erklärte ihrerseits, sie habe am späten Montagabend im Südlibanon israelische Soldaten angegriffen.

APA/AFP (Themenbild)

Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump erklärt, er habe den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu und die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon zu einer Deeskalation bewegt. Es würden „keine (israelischen) Truppen nach Beirut entsandt, und alle Truppen, die bereits unterwegs sind, wurden bereits zurückbeordert“, schrieb Trump nach einem seinen Angaben zufolge „sehr produktiven“ Telefonat mit Netanyahu.

„Zudem hatte ich über hochrangige Vertreter ein sehr gutes Gespräch mit der Hisbollah“, schrieb Trump weiter. „Sie haben zugestimmt, dass alle Schusswechsel eingestellt werden – dass Israel sie nicht angreifen wird und sie Israel nicht angreifen werden“.

Trump vs. Netanyahu

Trotz der von Trump verkündeten Einigung drohte Netanyahu mit Angriffen auf die libanesische Hauptstadt Beirut, falls die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel fortführen sollte. Zudem werde die israelische Armee „ihre Einsätze im Südlibanon wie geplant fortsetzen“.

Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals „Axios“ warf Trump dem israelischen Regierungschef in dem Telefonat vor, mit seinem Kurs im Libanon die Verhandlungen über eine Beendigung des Iran-Kriegs zu gefährden. Der US-Präsident habe Netanyahu als „verrückt“ beschimpft.

Trump widersprach unterdessen Angaben aus dem Iran, dass die Verhandlungen über ein Ende des Krieges in der Golf-Region von Teheran ausgesetzt worden seien. „Die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran gehen in raschem Tempo weiter“, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.

Der Libanon war Anfang März in den Krieg Israels und der USA gegen den Iran hineingezogen worden. Die von Teheran finanzierte und militärisch wie politisch aus dem Iran unterstützte Hisbollah-Miliz begann mit Angriffen auf israelische Stellungen, Israel attackierte Ziele im Libanon aus der Luft und rückte zudem mit Bodentruppen weiter vor.

Pseudo-Waffenruhe

Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der Hisbollah allerdings nicht anerkannt wurde. Mittlerweile ist die israelische Armee weiter in den Süden des Libanon vorgedrungen als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Ende ihrer Besetzung des Gebiets im Jahr 2000.

Im Bemühen um eine Friedenslösung kommen Vertreter aus Israel und dem Libanon am Dienstag erneut in Washington zusammen. Die Gesprächsrunde im US-Außenministerium ist die vierte seit Verkündung der Feuerpause Mitte April. Bei der letzten Runde Mitte Mai hatten sich beide Seiten auf eine Verlängerung der Waffenruhe um 45 Tage verständigt.

Israel und der Libanon unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Der Iran-Krieg hatte die Spannungen noch verschärft.

Die libanesische Regierung ist keine eigentliche Konfliktpartei in dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah. Sie fordert bei den Gesprächen zunächst vor allem ein Ende der Kampfhandlungen und einen dauerhaften Waffenstillstand. Israel will eine Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen. Eine Normalisierung der Beziehungen hat die libanesische Regierung unter den aktuellen Bedingungen mehrfach ausgeschlossen. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen ab. Sie hat die Gespräche mehrfach als Kapitulation bezeichnet.

apa

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