Vinschgau und Graubünden suchen Fachkräfte

Zahlreiche Grenzpendler nutzten die traditionelle Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Gerlinde Warger von der Grenzpendlergruppe sowie Rosemarie Mayer vom Verein „Südtiroler in der Welt“.
Unter den Gästen befanden sich unter anderem Landtagsabgeordneter Sepp Noggler, Kammerabgeordnete Renate Gebhard, mehrere Bürgermeister des Obervinschgaus sowie Vertreter von Wirtschaft und Verbänden.
Renate Gebhard berichtete über aktuelle Regelungen für Grenzpendler. Demnach können Beschäftigte künftig bis zu 25 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice leisten, ohne ihren Status als Grenzpendler zu verlieren. Diese Regelung sei mittlerweile gesetzlich verankert und müsse nicht mehr jährlich verlängert werden.
Im Mittelpunkt der Tagung stand jedoch vor allem der zunehmende Fachkräftemangel auf beiden Seiten der Grenze. Maurus Blumenthal, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, betonte die große Bedeutung der rund 1.200 Grenzpendler aus dem Obervinschgau für die Wirtschaft Graubündens. Auch dort machen sich demografischer Wandel, Abwanderung und die schwierige Erreichbarkeit vieler Regionen bemerkbar.
Gleichzeitig wächst auch die Wirtschaft im Vinschgau und sucht dringend qualifizierte Mitarbeiter. Unternehmer Thomas Moriggl erklärte, seit dem Inkrafttreten des neuen Doppelbesteuerungsabkommens Anfang 2024 sei bereits eine leichte Trendwende erkennbar. Es gebe erste Rückkehrer aus der Schweiz. Südtirolische Betriebe würden unter anderem mit kürzeren Arbeitswegen, zusätzlichen Sozialleistungen und familienfreundlicheren Rahmenbedingungen punkten.
Als große Herausforderung bezeichnete Moriggl den Mangel an leistbarem Wohnraum. Zudem würden Digitalisierung, künstliche Intelligenz sowie geopolitische Entwicklungen die Arbeitswelt in den kommenden Jahren stark verändern.
Auf die Vorteile für die Gemeinden verwies der Prader Bürgermeister Rafael Alber. Die finanziellen Ausgleichszahlungen aus Rom, die auf Basis der Zahl der Grenzpendler berechnet werden, fließen in verschiedene Projekte im Obervinschgau. So wurden etwa Trinkwasserleitungen, Schulsanierungen und Infrastrukturmaßnahmen mitfinanziert.
Einigkeit herrschte darüber, dass sowohl der Vinschgau als auch Graubünden wirtschaftlich gut aufgestellt sind. Ob Arbeitnehmer diesseits oder jenseits der Grenze tätig sind, bleibe letztlich eine persönliche Entscheidung mit jeweiligen Vor- und Nachteilen. Die Veranstalter kündigten an, sich auch künftig für die Anliegen der Grenzpendler einzusetzen.






