von ih 27.05.2026 18:09 Uhr

Gemeinsame Offensive gegen das Verkehrschaos am Brenner

Bayern, Südtirol und Welschtirol wollen beim Thema Brennerverkehr künftig enger zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei eine neue Studie zur Einführung einer variablen Maut für den Güterverkehr auf der Brennerachse. Ziel ist es, den Verkehr besser zu steuern und die chronisch überlastete Brennerautobahn zu entlasten.

Im Mai haben das Land Südtirol, Bayern und Welschtirol eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zur Einführung einer variablen Maut für den Güterverkehr auf der Brennerachse gestartet. Am Arbeitstreffen nahmen von links teil: Monika Steinmetz (StMB), Michael Andergassen (Land Südtirol), Silvia Obwexer (persönliche Referentin des Landeshauptmanns), Paola Lecce (Welschtirol), Enrico Pastore (TRT – Trasporti e Territorio) und Loredana Zani (TRT). - Foto: LPA/Ressort Infrastrukturen und Mobilität.

Die gemeinsame Machbarkeitsstudie wurde bereits im Mai gestartet. Mit einem ersten Treffen der zuständigen Arbeitsgruppe haben die drei Regionen ihre Zusammenarbeit nun konkret aufgenommen. Die Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen.

Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betonte, dass beim sensiblen Thema des alpenquerenden Güterverkehrs nur grenzüberschreitende Lösungen Erfolg haben könnten. Einzelmaßnahmen entlang des gemeinsamen Verkehrskorridors seien dagegen kaum zielführend.

Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter sprach sich klar für gemeinsame Strategien aus. Maßnahmen wie Blockabfertigungen oder Nachtfahrverbote seien langfristig keine Lösung. Stattdessen müsse der Dialog fortgesetzt werden, um einen funktionierenden Brennertransit sicherzustellen.

Kern der geplanten Regelung ist ein variables Mautsystem: Zu Zeiten besonders hoher Verkehrsbelastung – etwa an Wochenenden oder in Stoßzeiten – sollen Lkw-Fahrten deutlich teurer werden. In verkehrsärmeren Zeitfenstern hingegen wäre die Maut günstiger. Dadurch soll der Güterverkehr stärker entzerrt und aus den Spitzenzeiten verlagert werden.

Erste Simulationen zeigen laut den Verantwortlichen bereits, dass höhere Gebühren zu Spitzenzeiten die Zahl der Fahrten in diesen Zeiträumen deutlich senken könnten. Die Studie soll nun klären, wie ein solches Modell technisch und rechtlich umgesetzt werden kann und welche wirtschaftlichen Folgen zu erwarten sind. Untersucht werden außerdem mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Verkehrsfluss und Transportwirtschaft.

Bernreiter verwies dabei auf die enorme Bedeutung des Brenners als eine der wichtigsten Verkehrsachsen Europas. Gleichzeitig sei der Korridor längst zu einem Nadelöhr geworden. Der zunehmende Güterverkehr führe immer häufiger zu Konflikten zwischen Wirtschaft, Bevölkerung und Umweltinteressen. Zusätzlichen Druck erzeugen angekündigte Protestaktionen und Straßensperren entlang der Route.

Unterstützung erhält der Ansatz auch aus Brüssel. Auf europäischer Ebene wird eine variable Maut als möglicher Baustein einer umfassenden Lösung für den Brennerkorridor angesehen. Die Ergebnisse der Studie könnten daher wichtige Grundlagen für weitere politische Entscheidungen liefern.

Nicht Teil der aktuellen Untersuchung ist allerdings das bereits diskutierte digitale Slot-System zur Verkehrssteuerung. Die Überlegungen dazu liegen derzeit auf Eis, da Italien weiterhin gegen die Tiroler Verkehrsbeschränkungen klagt.

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