Neue Daten enthüllen: So stark verändert sich Österreichs Wald

Die schnell wachsende und vielfach wirtschaftlich nutzbare Fichte kommt im Zusammenhang mit den hierzulande bereits signifikant gestiegenen Durchschnittstemperaturen in vielen Regionen eher schlecht zurecht. Der in den vergangenen Jahrzehnten oft in Monokultur gepflanzte Flachwurzler gerät durch zunehmende Extremwetterereignisse – inklusive Windwurf, Trockenheit und Zunahme von Schädlingen wie Borkenkäfern im wärmeren Klima – zunehmend in Bedrängnis. So zeigt der Bericht von Forschenden des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) und der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien, dass der Anteil der von Nadelbäumen dominierten Wälder in Österreich seit den 1990er-Jahren zugunsten von Laub- und Mischwäldern abnimmt.
Fichte mit Minus bei weiterhin großer Dominanz
Konkret weist das Papier für die Jahre 1992 bis 1996 einen Fichten-Anteil von 55,7 Prozent aus, im Zeitraum von 2018 bis 2023 hat sich dieser demnach auf 47,6 Prozent reduziert. Immer noch macht sie aber rund 80 Prozent der Nadelbaumbestände des Landes im Ertragswaldbereich aus. Insgesamt ging die nadelbaumdominierte Waldfläche landesweit von fast 70 Prozent Anfang der 1990er-Jahre auf mittlerweile unter 60 Prozent zurück. Im Gegensatz dazu stieg der Flächenanteil mit überwiegend Laubbäumen von 1992 bis 2023 von 22,3 auf 25,8 Prozent. Angewachsen ist vor allem der Bestand an Rotbuchen und Ahornbäumen. Ertragswaldflächen, die von Blößen, Lücken und Sträuchern geprägt sind, haben deutlich zugenommen und machen nun rund 14 Prozent der Fläche aus.
Insgesamt offenbare sich eine „allmähliche Verschiebung hin zu einer vielfältigeren Waldstruktur“, halten die Autorinnen und Autoren im Bericht fest. Man sehe, dass langfristiges Waldmanagement die heimischen Forste stärkt und vielfältiger werden lässt. Diese Entwicklung stärke auch die Klimaanpassungsfähigkeit der Wälder, sagte Stefanie Linser von der Boku zur APA. Beim Waldnachwuchs werde mittlerweile öfter auf natürliche Prozesse der Erneuerung vertraut als auf gezielte Pflanzung. „Die Flächen mit Naturverjüngung nehmen zu, artenreiche, klimawandelresiliente Baumartenmischungen gewinnen an Bedeutung, Reinbestände gehen zurück“, so die Forscherin. Immer mehr Wälder weisen also statt nur einer dominanten Art inzwischen bis zu fünf Baumsorten auf.
Kaum Plus bei geschützten Flächen
Insgesamt liegt die waldbedeckte Fläche Österreichs aktuell bei rund 48 Prozent – Tendenz steigend. Nur leicht bergauf geht es hingegen bei geschützten Waldflächen. Während sehr streng geschützte Flächen kaum ausgeweitet wurden bzw. stagnieren, gab es immerhin signifikantere Zunahmen bei Gebieten mit weniger strengem Schutz, wie etwa „Natura 2000“-Flächen. Alles in allem ging der Anteil geschützter Wälder von 17 (im Jahr 2008) auf 21 Prozent (2024) der Gesamtwaldfläche hinauf – entsprechend den Vorgaben der „Forest Europe“-Erhebungsrichtlinien. Nach österreichischen Standards liegt rund ein Drittel der heimischen Forste in Schutzgebieten. Die Expertinnen und Experten sehen punkto Ausbau insgesamt noch Luft nach oben.
Positiv sei die Entwicklung, mehr Totholz in den Wäldern zu belassen. Während Mitte der 1990er-Jahre im Durchschnitt rund vier Kubikmeter Totholz pro Hektar im Wald standen, komme man aktuell auf knapp zehn Kubikmeter per Hektar. Auch beim liegenden abgestorbenen Holz gibt es ein Plus. „Totholz gilt als zentraler Indikator für Biodiversität, Waldgesundheit und Kohlenstoffspeicherung, da es über Jahre hinweg Kohlenstoff bindet und vielen Arten Lebensraum sowie Nährstoffe bietet“, heißt es in dem Papier. Insgesamt bieten Österreichs Wälder auch eine erkleckliche Anzahl an Mikrohabitaten für diverse Lebewesen in Form von kleinen Baumhöhlen oder Rindentaschen, wie die Autorinnen und Autoren um Linser und Katharina Lapin vom Institut für Waldbiodiversität und Naturschutz des BFW anführen.
Invasive Arten etwas ausgebreitet, mehr gefährdete Einheimische
Ein „klar negativer Trend“ zeichne sich allerdings in Zusammenhang mit invasiven Arten ab. Im Fall von ursprünglich in einer Region nicht heimischen Pflanzen spricht man von „Neophyten“. Als „invasiv“ gelten sie, wenn sie sich in ihrer neuen Heimat übermäßig ausbreiten und angestammten Arten das Leben schwer machen bzw. sie zurückdrängen. Insgesamt weist der Waldbiodiversitätsbericht eine Zunahme an Waldfläche, auf der nicht heimische Baumarten prominenter vorkommen, von in etwa 36.000 Hektar im Jahr 1990 auf rund 54.000 Hektar im Vorjahr an. Das sei zwar ein leichter, aber kontinuierlicher Anstieg: „Besonders Baumarten wie Robinie und Douglasie sowie krautige Pflanzen wie Goldruten oder Staudenknöterich breiten sich zunehmend aus.“
Ein weiterer Punkt, der Anlass zu Sorge bereitet, ist die steigende Zahl an „waldgebundenen Gefäßpflanzen“, die als gefährdet eingestuft werden. Ihre Zahl erhöhte sich von 200 im Jahr 1986 auf 286 im Jahr 2022. Als vom Aussterben bedroht gilt unter den heimischen Waldbäumen demnach die Flaum-Mehlbeere. „Stark gefährdet“ sind demnach der Europäische Wildapfel, die Schwarzpappel, die Lorbeerweide und der Speierling. „Gefährdet“ sind u.a. mit der Edelkastanie und der Donau-schmalblättrigen Esche auch weithin bekanntere Arten, für die laut den Expertinnen und Experten weiterhin gezielte Schutzmaßnahmen gelten sollten.
apa
Neueste Meldungen






