von mmh 20.05.2026 17:40 Uhr

Skandal um Müllhandel: Ermittlungen gegen Netzwerk im Alpenraum

Im Zusammenhang mit einem mutmaßlich aus Italien ausgehenden, grenzüberschreitend organisierten und illegalen Abfallhandel sind in Nord- und Osttirol ausgestellte Haftbefehle gegen österreichische Beschuldigte nicht vollstreckt worden. Entgegen Darstellungen in italienischen Medien hätten sich die zuständigen Behörden dagegen entschieden, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch der APA mit.

Bild: APA/AFP

Betroffen waren zwei Personen aus Tirol sowie ein Beschuldigter aus Vorarlberg, wie auch die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ berichtete. In Nord- und Osttirol kam es in diesem Zusammenhang lediglich zu Hausdurchsuchungen. Ob es künftig noch zu Festnahmen aufgrund eines von Trient ausgestellten europäischen Haftbefehls kommt, sei derzeit offen, erklärte ein Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Auch in Vorarlberg habe es bislang keine Festnahme gegeben, hieß es von dortiger Seite.

Ermittlungen gegen 19 Personen und mehrere Unternehmen

Insgesamt richten sich die Ermittlungen italienischer Behörden gegen 19 Personen und drei Unternehmen. Zwölf Haftbefehle wurden ausgestellt. Laut „Dolomiten“ wurden fünf dieser Haftbefehle in Südtirol vollstreckt, darunter auch gegen Führungskräfte der Landesagentur für Umwelt in Bozen.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen zudem Fernwärmeanlagen in Vierschach und Laas, wobei die Anlage in Laas beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Neben Beschuldigten aus dem Alpenraum sollen auch deutsche und kroatische Staatsbürger in den mutmaßlichen illegalen Abfallhandel involviert sein.

Verdacht auf illegale Verwertung von Ascherückständen

Im Kern der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trient stehen Ascherückstände aus Biomasseanlagen. Diese sollen laut Anklage als Holzkohle oder sogenanntes Biochar deklariert und unter anderem zur Herstellung von Grillbriketts oder Düngemitteln verwendet worden sein.

Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass dabei auch giftige Materialien verarbeitet wurden. Chemische Analysen hätten erhöhte Werte polyzyklischer Kohlenwasserstoffe sowie Dioxine ergeben.

Vorwürfe gegen Umweltbehörde

Die Staatsanwaltschaft wirft Führungskräften und Mitarbeitern der Umweltagentur der Provinz Bozen vor, das mutmaßliche System unterstützt zu haben. Sie sollen unter anderem Kontrollen verzögert, günstige Auslegungen von Vorschriften erstellt und Verwaltungswege aufgezeigt haben, um Umweltauflagen zu umgehen.

Ohne diese institutionelle Unterstützung, so die Ermittler, hätte das System nationalen und europäischen Kontrollen nicht standhalten können.

Landeshauptmann Arno Kompatscher äußerte sich nach Bekanntwerden der Ermittlungen und erklärte, er kenne die Betroffenen „seit vielen Jahren als sehr gewissenhafte Mitarbeiter des Landes“, die „stets gesetzeskonform und im öffentlichen Interesse gearbeitet haben“.

apa/UT24

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