Erst kaufen, dann zahlen und plötzlich überschuldet

BNPL ermöglicht es, ein Produkt sofort zu kaufen und häufig in Raten und ohne Zinsen erst später zu bezahlen. Ein Bericht der Banca d’Italia bestätigt nun, dass die Nutzung dieser Zahlungsmethode rasant zunimmt: Während 2022 erst rund vier Prozent der Haushalte in Italien BNPL genutzt haben, sind es im Jahr 2025 bereits etwa 30 Prozent. Rund zwei Drittel greifen allerdings nur gelegentlich darauf zurück.
Besonders verbreitet ist BNPL bei Haushalten mit einem jungen Haushaltsvorstand, zunehmend aber auch bei finanziell vulnerableren Gruppen. Der Bericht zeigt: BNPL wird verstärkt von Haushalten mit mittleren bis niedrigen Einkommen, geringer Vermögensausstattung und bestehenden Konsumkrediten in Anspruch genommen und teilweise von Personen, die bereits bei anderen Zahlungen in Verzug sind. Auch die Daten der Anbieter selbst sind aussagekräftig: Im Jahr 2023 lag der Anteil notleidender Kredite im BNPL-Bereich bei rund fünf Prozent, im gesamten Konsumkreditbereich hingegen nur bei 3,5 Prozent.
Die „unsichtbare“ Verschuldung
Viele Nutzer nehmen gar nicht wahr, dass sie tatsächlich einen Kredit aufnehmen. Der Prozess läuft schnell und digital, die Bonitätsprüfung ist oft vereinfacht. Das verleitet zu Spontankäufen und dazu, mehrere Zahlungsaufschübe gleichzeitig in Anspruch zu nehmen. Einzeln wirken die Raten überschaubar, aber in Summe können sie zur erheblichen finanziellen Belastung werden. Hinzu kommen hohe Zusatzkosten bei verspäteter Zahlung und eine komplexere Abwicklung von Reklamationen, da neben dem Verkäufer auch die BNPL-Plattform involviert ist.
Neue EU-Regeln ab November 2026
Eine wichtige Änderung steht ab dem 20. November 2026 an. Die neue europäische Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) tritt in Kraft. Laut Banca d’Italia wird ein Großteil der BNPL-Angebote künftig unter diese Regelung fallen. Damit kommen klarere vorvertragliche und vertragliche Informationen, strengere Prüfungen der Kreditwürdigkeit sowie stärkere Schutzmechanismen für Verbraucher.
Tipps von EVZ und VZS
Das EVZ und die VZS raten zu einem bewussten und vorsichtigen Umgang mit BNPL. Wichtig sei vor allem:
- das eigene Budget realistisch einzuschätzen und nicht mehrere Ratenkäufe gleichzeitig einzugehen,
- die Vertragsbedingungen sorgfältig zu prüfen. Vor allem hinsichtlich Gebühren und Folgen bei Zahlungsverzug,
- nur notwendige Käufe zu tätigen und sich nicht von scheinbar günstigen Angeboten verleiten zu lassen,
- ausschließlich seriöse und bekannte Plattformen zu nutzen,
- bei Problemen (Widerruf, Mängel, Lieferprobleme) immer sowohl den Verkäufer als auch die BNPL-Plattform zu kontaktieren.
Hilfe bei Problemen
Bei Schwierigkeiten mit Online-Käufen steht das EVZ zur Seite und bietet kostenlose Unterstützung bei Streitigkeiten mit ausländischen Anbietern mit Sitz in der EU, Island, Norwegen und dem Vereinigten Königreich. Zudem kann über das von der VZS eingerichtete Portal www.onlineschlichter.it ein kostenloses außergerichtliches Schlichtungsverfahren eingeleitet werden.






