Modena: Zwei Opfer in Lebensgefahr

Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie ein Auto mit hoher Geschwindigkeit durch eine verkehrsberuhigte Zone fährt und gezielt auf Passanten zusteuert. Am Steuer saß laut Polizei ein 31-jähriger Italiener marokkanischer Herkunft, der in Modena lebt.
Der Mann habe zunächst mehrere Fußgänger und einen Radfahrer erfasst, dann die Straßenseite gewechselt und weitere Menschen angefahren, bevor das Fahrzeug in die Schaufensterscheibe eines Kleidergeschäfts prallte.
Augenzeugen schilderten chaotische Szenen
Augenzeugen schilderten chaotische Szenen. „Überall sah man Blut, Schuhe und Taschen“, sagte ein Zeuge. Nach dem Aufprall versuchte der Fahrer zu fliehen. Mehrere Passanten verfolgten ihn und hielten ihn in einer Seitenstraße fest. Dabei zog der Mann ein Messer und verletzte einen der Verfolger am Kopf; ein weiterer Stich verfehlte nach Angaben von Zeugen nur knapp das Herz des Mannes. „Die Personen, die den Fahrer festgehalten haben, haben großen Mut gezeigt, ihnen gilt mein Dank“, lobte Bürgermeister Mezzetti.
Die Polizei erklärte am Samstagabend, Alkohol- oder Drogentests seien negativ ausgefallen. Medienberichten zufolge war der Verdächtige bis 2024 wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen. Hinweise auf Verbindungen zu terroristischen Gruppen oder eine islamistische Radikalisierung gebe es bisher nicht.
Die Ermittler prüfen dennoch ein mögliches terroristisches Motiv. Die Vorgehensweise erinnere an frühere Anschläge mit Fahrzeugen, etwa in Nizza oder auf Weihnachtsmärkte in Deutschland, hieß es aus Ermittlerkreisen. Der 31-Jährige wurde festgenommen.
„Wir haben das Auto kommen sehen, es steuerte direkt auf den Gehweg zu. Plötzlich beschleunigte es stark. Es fuhr mindestens 100 Kilometer pro Stunde, wir sahen Menschen, die durch die Luft geschleudert werden“, berichtete ein Zeuge. Ein weiterer Mann, der sich an jener Stelle befand, an der das Auto in die Menschengruppe fuhr, sagte gegenüber lokalen Medien, er habe sich nur retten können, weil er sich im letzten Moment in ein Geschäft flüchtete. „Dann gelang es jemandem, die Fahrertür von außen zu öffnen. Der Fahrer stieß ihn weg und rannte davon“, schilderte der Mann.
Meloni drückte Verletzten ihre Anteilnahme aus
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte den Verletzten ihre Anteilnahme aus. Sie sagte einen am Sonntag geplanten Besuch auf Zypern ab, um zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella nach Modena zu reisen. Dort sollen die beiden Politiker die Verletzten im Krankenhaus besuchen, wie italienische Medien berichteten.
„Was in Modena geschehen ist, ist äußerst schwerwiegend“, schrieb Meloni in sozialen Netzwerken. Sie sprach den Verletzten und deren Familien ihre Nähe aus und dankte zugleich den Bürgern, die „mutig eingegriffen haben, um den Verantwortlichen zu stoppen“, sowie den Sicherheitskräften für ihren Einsatz. Meloni erklärte zudem, sie habe mit dem Bürgermeister von Modena telefoniert und stehe in ständigem Kontakt mit den Behörden, um die Entwicklung der Lage zu verfolgen. Sie äußerte die Erwartung, dass der Täter „vollumfänglich für seine Taten zur Verantwortung gezogen“ werde.
Andere Länder kondolierten Italien. „Ich bin erschüttert über den feigen Anschlag in Modena, bei dem Zivilisten angefahren und mit Messern angegriffen wurden“, schrieb der israelische Außenminister Gideon Saar auf der Plattform X. „Ich möchte der italienischen Regierung und den Familien der Opfer in diesem schwierigen Moment meine Solidarität ausdrücken und allen Betroffenen dieses schrecklichen Ereignisses eine schnelle Genesung wünschen“, fügte er hinzu.
„Ich bin tief erschüttert über den schweren Vorfall, der sich heute in Modena ereignet hat. Meine Gedanken sind bei den Verletzten, von denen sich einige in ernstem Zustand befinden. Ich danke den Sicherheitskräften, die schnell und mutig eingegriffen haben“, schrieb die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola auf X.
Frühere Vorfälle in Deutschland und Frankreich
Die Tat erinnert an frühere Vorfälle in Deutschland und Frankreich. Der jüngste Fall ereignete sich am 4. Mai in Leipzig mit zwei Toten und mehr als 20 Verletzten.
Zu den schwerwiegendsten Anschlägen zählen weiterhin die Attacke von Nizza im Jahr 2016 mit 86 Todesopfern, sowie der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem ein Lastwagen in die Menschenmenge fuhr und 13 Menschen starben. Hinzu kommen weitere Fälle in Europa, darunter die Anschläge von 2017 in Barcelona und London.
apa






