Pflege am Limit

Denn der Pflegenotstand ist längst Realität. Laut Daten des Landes Südtirol haben im Jahr 2024 knapp 16.000 Menschen das Pflegegeld bezogen – Tendenz steigend.
Berechnungen des Landesstatistikinstituts ASTAT zufolge wird die Zahl der über 75-Jährigen von aktuell rund 58.000 bis zum Jahr 2040 auf über 78.000 ansteigen – ein Plus von mehr als 34 Prozent. Gleichzeitig fehlen schon heute zahlreiche Pflegekräfte in Krankenhäusern und Seniorenheimen.
Hinzu kommt: Immer mehr Pflegekräfte arbeiten nur noch in Teilzeit oder verlassen den Beruf frühzeitig, weil die Belastung über Jahre hinweg zu groß geworden ist. Und das größte Problem: es wird zunehmend schwieriger, offene Stellen nachzubesetzen.
Ein Beruf zwischen Berufung und Belastung
Pflege bedeutet weit mehr als medizinische Versorgung. Es geht um Nähe, Geduld und Menschlichkeit – um Menschen, die nachts an Krankenbetten sitzen, Angehörige trösten oder ältere Menschen im Alltag begleiten. Gerade weil diese Arbeit oft still und im Hintergrund geschieht, wird ihre Bedeutung häufig unterschätzt.
Spätestens seit der Corona-Pandemie wurde sichtbar, wie unverzichtbar Pflegekräfte tatsächlich sind. Doch der damalige Applaus ist längst verhallt. Überstunden, Personalmangel und psychische Belastung gehören vielerorts weiterhin zum Alltag.
Dabei trifft der Fachkräftemangel nicht nur Seniorenheime oder Krankenhäuser. Auch die häusliche Pflege stellt viele Familien zunehmend vor große Herausforderungen. Oft übernehmen Angehörige einen Großteil der Betreuung – zusätzlich zu Beruf und Alltag.
Florence Nightingale – die Frau mit der Lampe
Dass der heutige Aktionstag an Florence Nightingale erinnert, ist kein Zufall. Während des Krimkriegs ging sie nachts mit einer Lampe durch die Lazarette und kümmerte sich um verletzte Soldaten – weshalb sie als „Lady mit der Lampe“ bekannt wurde. Gleichzeitig revolutionierte sie Hygiene und Organisation in Krankenhäusern und legte damit den Grundstein moderner Pflege.
Bis heute gilt Nightingale als Symbol für Mitgefühl, Professionalität und Einsatzbereitschaft – Werte, ohne die moderne Pflege nicht funktionieren würde.
Ein Tag, der zum Nachdenken anregt
Auch Südtirol versucht inzwischen gegenzusteuern – etwa mit neuen Ausbildungsmodellen und zusätzlichen Investitionen in Seniorenheime. Experten warnen jedoch: Ohne mehr Nachwuchs und attraktivere Arbeitsbedingungen dürfte sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Der heutige 12. Mai erinnert deshalb nicht nur an einen wichtigen Beruf. Er erinnert daran, wie verletzlich jede Gesellschaft wird, wenn jene fehlen, die sich um Kranke, Alte und Schwache kümmern.






