von lif 08.05.2026 12:57 Uhr

Behinderte Kinder sollen Recht auf mehr Schuljahre bekommen

Der österreichische Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat Maßnahmen für mehr Inklusion an Schulen versprochen. Der oft geforderte Rechtsanspruch behinderter Kinder auf ein 11. und 12. Schuljahr soll 2027/28 kommen, zeigte er sich zuversichtlich. Experten, Eltern- und Behindertenvertreter haben bei der Veranstaltung im Parlament für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung geworben, draußen wurde gegen den Status quo protestiert.

APA/THEMENBILD

In Österreich gab es laut Statistik Austria im vergangenen Schuljahr rund 31.400 Kinder und Jugendliche, denen wegen einer körperlichen oder psychischen Behinderung ein Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde. Das sind im Österreich-Schnitt fünf Prozent der Pflichtschüler (Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schule). Zusätzliche Ressourcen zur Förderung durch spezielles Lehrmaterial oder Lehrpersonal gibt es im Finanzausgleich allerdings nur für 2,7 Prozent. Mehr als ein Drittel der Kinder mit Behinderung wird derzeit in separaten Sonderschulklassen unterrichtet, in einigen Bundesländern wie Wien oder Niederösterreich ist es die Hälfte.

Inklusion als Menschenrecht

Jahrzehntelang habe bei der schulischen Inklusion „Stillstand“ geherrscht, kritisierte Wiederkehr. Nun soll „sobald wie möglich“ ein Reformpaket im Parlament beschlossen werden. Eltern dürften nicht mehr in eine Bittstellerrolle kommen, wenn Kinder mit Behinderung nach dem 10. Schuljahr freiwillig weiter eine Bildungseinrichtung besuchen wollen, warb Wiederkehr für einen Rechtsanspruch. Bei der Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden sollen außerdem klare Verantwortlichkeiten geschaffen werden, damit Eltern behinderter Kinder ohne „Spießrutenlauf“ an Unterstützung kommen. Inklusion sei kein „Nice to have“, sondern ein Menschenrecht, wurde von Wiederkehr wie von den anwesenden Experten betont. Österreich habe sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention zu einem Bildungssystem verpflichtet, das auch Menschen mit Behinderung offensteht. Es sei auch keine „Sozialromantik“, allen Kindern gute Bildung zu ermöglichen, sondern eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und „die Fachkräfte von morgen“.

APA/UT24

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