von lif 01.05.2026 17:20 Uhr

Warum kaufen wir Sachen, die wir nicht brauchen?

Man geht mit einer kurzen Einkaufsliste in den Supermarkt und kommt mit einer vollen Tasche heraus. Oder man scrollt abends durch Instagram, klickt auf ein Produkt und eine Stunde später kommt die Bestellbestätigung. Aber was steckt überhaupt hinter diesen Verhaltensweisen und warum passiert es uns immer wieder?

APA/dpa

Die Antwort liegt tief im Gehirn. Laut einer Analyse des Wissenschaftsportals wipub.net spielt beim Impulskauf das Belohnungszentrum im Gehirn die entscheidende Rolle. Sobald wir ein verlockendes Produkt sehen, wird Dopamin freigesetzt, jener Neurotransmitter, der für kurzfristiges Glücksgefühl zuständig ist. Gleichzeitig tritt das vordere Großhirn, also jener Teil, der für rationales Denken verantwortlich ist, kurzzeitig in den Hintergrund. Das Ergebnis davom ist dann: Wir kaufen, bevor wir nachdenken.

Dieses Muster ist kein Einzelfall. Laut einer Studie des IFH Köln aus dem Jahr 2024 lag das Umsatzvolumen von impulsiv und spontan getätigten Käufen in Deutschland bei 204 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 23 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Während sich im Herbst 2023 noch 68 Prozent der Deutschen als rationale und strukturierte Käufer bezeichneten, waren es im Sommer 2024 nur noch 65 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der emotionalen und spontanen Käufer von 32 auf 35 Prozent. 

Das Geschäft mit dem Impuls

Dabei sind Impulskäufe kein reines Online Phänomen. Wie man bereits weiß, ist die Platzierung von Süßigkeiten, Tabak und Alkohol im Kassenbereich eines Supermarkts kein Zufall. Mit dieser Methode werden auf einem Prozent der Verkaufsfläche bis zu sieben Prozent des gesamten Umsatzes gemacht. Farben, Musik, Gerüche und Produktplatzierungen sind im stationären Handel seit Jahrzehnten gezielt eingesetzt, um genau jenes Belohnungssystem im Gehirn anzusprechen.

Online hat sich das Spiel noch weiter verschärft. Laut einer Analyse von Schuppar Consulting haben Smartphones und spezialisierte Apps das Phänomen des Impulskaufs auf ein neues Niveau gehoben. Durch einfache One Click Bestellungen und personalisierte Benachrichtigungen können Verbraucher zu schnellen Käufen animiert werden, oft ohne dass sie die Absicht hatten, überhaupt etwas zu kaufen. Auch Social Media spielt eine wachsende Rolle: Laut Statista tätigte fast ein Drittel der deutschen Online Käufer einen Impulskauf über ein soziales Netzwerk. 

Wer kauft impulsiv und warum?

Interessant ist dabei, wer besonders anfällig für Impulskäufe ist. Laut Forschungsergebnissen, die wipub.net zusammenfasst, neigen vor allem neugierige Menschen und Kinder zu mehr Dopaminausschüttung und damit zu impulsiverem Kaufverhalten. Auch jüngere Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, kaufen laut Schuppar Consulting häufiger impulsiv, besonders online. Und kulturelle Unterschiede spielen ebenfalls eine Rolle. Forschungen zeigen, dass individualistische Kulturen, wie in den USA, stärker zu Impulskäufen neigen als kollektivistische, etwa in Teilen Asiens.

Was bleibt nach dem Kauf? Oft die sogenannte Käuferreue. Man hat etwas erworben, das man nicht wirklich brauchte, und fragt sich im Nachhinein warum. Doch das Wissen darum ändert wenig, solange das Gehirn beim nächsten verlockenden Angebot wieder auf Autopilot schaltet. Händler und Plattformen wissen das genau und nutzen es.

Der Impulskauf ist also kein Zeichen von Schwäche oder Dummheit. Er ist das Ergebnis eines uralten Belohnungssystems, das in einer Welt voller gezielter Kaufanreize täglich auf die Probe gestellt wird. 

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