Markt oder Mausklick: Wie die Menschen einkaufen

Die Antwort ist komplizierter als sie scheint. Laut einer Erhebung des WIFO, des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer Bozen, hat im Jahr 2021 bereits mehr als die Hälfte der Südtiroler Konsumenten, nämlich 56 Prozent, online eingekauft. Das war ein vorläufiger Höhepunkt eines Trends, der durch die Covid Pandemie nochmals deutlich beschleunigt wurde. Und seitdem ist er nicht gestoppt. Doch der stationäre Handel ist noch lange nicht tot. Die Mehrheit der Südtiroler kauft nach wie vor im lokalen Einzelhandel ein, allerdings mit deutlichen Unterschieden je nach Produktbereich. Während fast alle Südtiroler ihre Lebensmittel ausschließlich im Geschäft erwerben, kauft bereits jeder Dritte Elektronikprodukte, Handys und Computer online. Der Wochenmarkt und der Supermarkt um die Ecke sind also noch nicht Geschichte, aber der Laptop hat sich als Einkaufskanal längst etabliert.
Interessant ist dabei, was die Südtiroler selbst über ihr Verhalten denken. Drei Viertel der befragten Konsumenten sind sich der negativen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Einkaufens außerhalb Südtirols bewusst, und schätzen diese mehrheitlich als negativ ein. Trotzdem kaufen viele online, oft bei großen Plattformen außerhalb der Region. Der Grund ist simpel: Preis, Auswahl und Bequemlichkeit. Online Shops von Südtiroler Händlern werden dabei nur selten genutzt.
Dieser Widerspruch zieht sich durch viele Gespräche mit Konsumenten. Man schätzt das lokale Geschäft, den persönlichen Kontakt, die kurzen Wege. Aber wenn dasselbe Produkt online um 20 Euro weniger kostet und am nächsten Tag vor der Tür steht, fällt die Entscheidung oft anders aus. Das ist kein Südtiroler Phänomen. Laut dem Online Konsumenten Report 2025 von DooFinder nennen nur 19 Prozent der Befragten den Preis als Hauptgrund für Online Käufe. Was stattdessen zählt, ist vor allem Bequemlichkeit, große Auswahl und bessere Verfügbarkeit.
Gleichzeitig zeigt sich, dass das Ende des stationären Handels so einfach nicht kommt. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Appinio denken fast die Hälfte der Befragten, dass in Zukunft hybrides Einkaufen, also eine Kombination aus online und offline, bestehen bleibt. Man geht ins Geschäft, um das Produkt anzufassen, und bestellt es dann vielleicht doch online. Oder umgekehrt: Man recherchiert online und kauft lokal. Die Grenzen verschwimmen.
Für den Südtiroler Einzelhandel ist das eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Die befragten Konsumenten wünschen sich vor allem günstigere Preise, aber auch ein verbessertes Angebot. Manche sehen in der Konkurrenz durch den Online Handel sogar einen Anreiz für lokale Händler, ihr Angebot zu verbessern.






