von ih 29.04.2026 12:12 Uhr

„Wohl der Kinder muss im Vordergrund stehen!“ – UT24-Interview

In Südtirol stehen viele Familien täglich vor derselben Frage: Kind oder Karriere – und was kann man sich überhaupt leisten? Die Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder vom Team K spricht im UT24-Interview offen darüber, wo es im System hakt. Sie kritisiert fehlende echte Wahlfreiheit für Eltern, große Unterschiede zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft und eine oft unsichere finanzielle Zukunft – vor allem für Mütter.

Maria Elisabeth Rieder vom Team K hat sich im UT24-Interview zur familienpolitischen Situation in Südtirol geäußert.

Frau Rieder, Wie stehen Sie zu der Forderung, Elternteile, die ihre Kinder zu Hause betreuen, finanziell stärker zu unterstützen und auch besser in der Rentenvorsorge abzusichern?

 
Maria Elisabeth Rieder: Für mich steht die Wahlfreiheit der einzelnen Familie immer an erster Stelle. Angestellte im öffentlichen Dienst haben eine gute Absicherung und können zu Hause bleiben, bis das Kind drei Jahre alt ist. Auch rentenmäßig sind sie gut abgesichert.

Anders ist es bei Angestellten in der Privatwirtschaft. Hier kündigen viele junge Mütter, verlieren ihren Arbeitsplatz und sind anschließend arbeitslos gemeldet. Das ist keine adäquate Absicherung, hier braucht es neue Lösungen. Dafür sind aber auch die Sozialpartner gefordert.

Sollte die Politik Ihrer Meinung nach stärker darauf ausgerichtet sein, echte Wahlfreiheit zwischen häuslicher Betreuung und externer Kinderbetreuung zu ermöglichen – und wenn ja, wie konkret?

 
Echte Wahlfreiheit bedeutet, dass beide Elternteile gemeinsam und frei darüber entscheiden können, wie sie ihre Familie gestalten wollen. Tatsache ist jedoch, dass es diese „echte Wahlfreiheit“ heute für viele gar nicht gibt. Wenn das Einkommen eines Elternteils nicht ausreicht, stellt sich die Frage gar nicht.

Das Gleiche gilt, wenn die Kinderbetreuungsangebote in der Heimatgemeinde nicht ausreichend sind, dass beide Elternteile ihren Beruf so ausüben können, wie sie es möchten bzw. wie es am Arbeitsplatz benötigt wird. Generell bin ich der Meinung, dass Betreuungs- und Pflegezeiten sozialversicherungsmäßig besser abgesichert werden müssen. Dafür sind politische Entscheidungen auf lokaler Ebene nötig. Das Abschieben der Verantwortung nach Rom muss aufhören.

Welche Priorität sollte aus Ihrer Sicht die familiäre Kinderbetreuung im Vergleich zur Erwerbstätigkeit beider Elternteile in der politischen Ausgestaltung haben?

 
Wie bereits gesagt, muss diese Entscheidung von den Eltern individuell getroffen werden. Es gibt kein besser oder schlechter – die Eltern entscheiden über ihre Lebensplanung und treffen die Entscheidungen, wie sie ihre Familie organisieren. Wenn sich ein Elternpaar entscheidet, dass ein Elternteil für einige Zeit zu Hause bleibt, muss es sich das leisten können. Natürlich sollte auch diskutiert werden, ob diese Zeit auf beide Elternteile aufgeteilt wird.

Tatsache ist auch, dass viele Mütter gerne in ihren Beruf zurückkehren und dies teilweise auch aus finanziellen Gründen müssen. Daher ist ein Betreuungsangebot in allen Gemeinden sehr wichtig. Zudem sind Frauen wichtige und unentbehrliche Arbeitskräfte, die dringend gebraucht werden, damit unsere Gesellschaft funktioniert. Daher ist es notwendig, eine gute Balance zu finden.

Sehen Sie solche Maßnahmen – insbesondere finanzielle Absicherung und Unterstützung von Eltern – eher in der Verantwortung des Landes oder auch auf Gemeindeebene, und warum?

 
Unterstützungsmaßnahmen für einen bestimmten Zeitraum liegen in der Verantwortung des Landes. In der Diskussion muss das Wohl der Kinder immer im Vordergrund stehen.

Niedrige Geburtenzahlen betreffen die gesamte Südtiroler Gesellschaft. Ebenso ist es ein gesellschaftliches und soziales Problem, wenn Frauen im Alter nur eine geringfügige oder gar keine Rente erhalten. Daher muss diese Diskussion auf Landesebene geführt und die beschlossenen Maßnahmen dann vom Land finanziert werden.

Vielen Dank für das Interview!

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