von veo 14.04.2026 12:54 Uhr

Boden unter Druck: Flächenverbrauch stoppen

Der Flächenverbrauch in Südtirol bleibt hoch und gefährdet Klima- und Lebensqualität. Gezielte Maßnahmen wie Innenentwicklung und Entsiegelung sollen eine Trendwende ermöglichen.

Bild: Plattform Land

Anhaltender Flächendruck und seine Folgen

Der Flächenverbrauch bleibt auf einem hohen Niveau, auch in Südtirol ist der Druck auf den knappen Boden ungebrochen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt schwankende Werte bei der jährlichen Neuversiegelung, jedoch keinen klar rückläufigen Trend. Nach einem deutlichen Anstieg in der Vergangenheit ist zuletzt wieder ein moderater Zuwachs zu beobachten. Diese Dynamik erhöht den Druck auf die Klimaziele zusätzlich, zumal der Klimaplan Südtirol eine Halbierung der Netto-Neuversiegelung bis 2030 vorsieht.

Bereits weit über 20.000 Hektar Fläche sind in Südtirol versiegelt – fast die Hälfte des begrenzten Dauersiedlungsraums. Versiegelung bedeutet die Abdeckung natürlichen Bodens durch Materialien wie Asphalt oder Beton und beeinträchtigt wesentliche Bodenfunktionen. Die Wasseraufnahme wird reduziert, das Hochwasserrisiko steigt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere gehen verloren. Gleichzeitig fehlen Grünflächen, die für Kühlung, Biodiversität und Lebensqualität entscheidend sind.

In dicht bebauten Gebieten verstärken sich Hitzeeffekte mit Temperaturanstiegen von bis zu +10°C. Auch wirtschaftlich sind die Folgen erheblich: Laut der italienischen Umweltagentur ISPRA entstehen durch den Verlust von Bodenfunktionen landesweit Kosten von bis zu 10,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Grafik: Plattform Land

Lösungen: Innenentwicklung und neue Initiativen

Eine Trendumkehr gilt als notwendig, aber auch als möglich. Um den Flächenverbrauch wirksam zu begrenzen, braucht es klare Prioritäten: Bestand vor Neubau, Innenentwicklung vor Außenentwicklung sowie Qualität vor Quantität.

Die Plattform Land setzt sich seit Jahren dafür ein, Leerstände zu aktivieren, brachliegende Flächen zu nutzen, Gemeinden in einer flächensparenden Raumplanung zu unterstützen und Ortskerne zu stärken. Alpenweit werden konkrete Projekte zur Entsiegelung und Aufwertung bestehender Flächen umgesetzt, mit dem Ziel, Klimaresilienz und Lebensqualität gleichermaßen zu fördern.

Mit April 2026 startet zudem die Initiative „Südtirol saniert – gut beraten bauen und sanieren“. Unterstützt vom Land Südtirol werden kostenlose und vergünstigte Energie- und Sanierungsberatungen für Private und Gemeinden angeboten. Damit entsteht ein zusätzlicher Anreiz, den Gebäudebestand zukunftsfit zu machen, ohne weiteren Flächenverbrauch zu verursachen.

Ein weiteres Signal setzt der Wettbewerb für Entsiegelung und Bodenaufwertung 2026. Er macht funktionierende und übertragbare Lösungen sichtbar und zeigt, dass konkrete Veränderungen möglich sind. Gleichzeitig sollen Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen motiviert werden, eigene Projekte umzusetzen. Der Wettbewerb läuft noch bis Juni 2026.

Der steigende Flächenverbrauch wird dabei als zentrale Herausforderung für Klima, Lebensqualität und wirtschaftliche Stabilität gesehen. Eine konsequente Ausrichtung auf Innenentwicklung, Entsiegelung und Qualität könnte Südtirol in eine Vorreiterrolle bringen – vorausgesetzt, die vorhandenen Lösungen werden gemeinsam umgesetzt.

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