„Es reicht!“ – Liste Fritz fordert radikalen Bettenstopp in Tirol

Bereits 2021 hatte die ÖVP unter ihrem damaligen Parteichef eine Bettenobergrenze von 330.000 gefordert. Fünf Jahre später liegt die Zahl der Betten in Tirol jedoch bei 355.000. „Wie sich das auswirkt, erleben alle Tirolerinnen und Tiroler, wenn sie im Stau stehen. Am Fernpass, im Zillertal und inzwischen fast tirolweit“, erklärt Sint.
Diskussion um Obergrenze und neue Regeln
Eine starre, landesweite Bettenobergrenze sei juristisch schwierig umzusetzen. Dennoch sieht Sint konkrete Möglichkeiten: „Aber eine Beschränkung auf 300 Betten pro Hotel über touristische Sonderflächen, das wäre möglich. Was es dazu braucht, ist der politische Wille. Die Raumordnung ist Länderkompetenz und über die Raumordnung lässt sich viel machen.“
Als Beispiel nennt die Liste Fritz Südtirol, wo seit Jahren eine Bettenobergrenze gilt. Diese habe zwar bislang nicht zum gewünschten Ziel geführt, da es zu viele Schlupflöcher gebe, dennoch habe man sich dort der politischen Diskussion gestellt – auch innerhalb der eigenen Partei SVP, wo das Thema umstritten sei.
Auslastung, Arbeitskräfte und Zukunft des Tourismus
Bettina Tschol, Gemeinderätin in St. Anton und Bezirkssprecherin der Liste Fritz in Landeck, verweist auf die Auslastungszahlen. In der Wintersaison 2024/2025 lag die Bettenauslastung in St. Anton bei 42,9 Prozent, in ganz Tirol bei 48,4 Prozent. Im Sommer beträgt sie in St. Anton lediglich 14,9 Prozent, in Tirol 39 Prozent.
Zudem geraten vor allem kleinere und mittlere Betriebe zunehmend unter Druck. „In den letzten Jahren wurden Hotels von ausländischen Investoren übernommen. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe kommen unter Druck, dort ist die Auslastung noch geringer als in der gehobenen Hotellerie“, so Tschol.
Auch der Arbeitskräftemangel wird durch die hohe Bettenzahl verstärkt. In der vergangenen Wintersaison lag der Anteil ausländischer Arbeitskräfte im Tiroler Tourismus bei 70 Prozent. „Diese Zahl sagt auch etwas über den Tourismus als Arbeitgeber aus“, erklärt Sint. Gleichzeitig sei klar, dass viele Saisonbetriebe ohne ausländische Mitarbeiter nicht mehr bestehen könnten.
Für die Liste Fritz steht fest: Statt immer neuer Nächtigungsrekorde brauche es eine umfassende Tourismusstrategie. „Es ist klar, dass vor allem Saison-Betriebe ohne ausländische Mitarbeiter nicht mehr existieren könnten, umso wichtiger ist es, statt Nächtigungsrekorde zu feiern, eine umfassende Tourismusstrategie zu entwickeln“, betonen Sint und Tschol abschließend.
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