Südtiroler Wirtschaft 2025 gewachsen

2025 war ein Rekordjahr im Südtiroler Tourismus: Erstmals wurden mehr als 38 Millionen Übernachtungen verzeichnet, die den Branchen Beherbergung und Gastgewerbe sowie Handel zugutekamen. Der Tourismus war allerdings durch eine relativ geringe sichtbare Arbeitsproduktivität und die niedrigste durchschnittliche Zahl geleisteter Arbeitstage gekennzeichnet.
Rückgang bei Exporten nach Deutschland und Österreich
Das Jahr 2025 brachte für die wichtigsten Handelspartner Südtirols, Österreich und Deutschland, nach zwei aufeinanderfolgenden rückläufigen Jahren eine leichte Verbesserung. Diese Erholung zeigte sich jedoch nicht in den Südtiroler Ausfuhren in die beiden deutschsprachigen Märkte, die gegenüber dem Vorjahr weiter sanken (-6,8 Prozent nach Österreich und -8,6 Prozent nach Deutschland). Der Rückgang ließ sich darauf zurückführen, dass sich die wirtschaftliche Erholung in den Partnerländern mit Verzögerung auf die Nachfrage nach Importgütern auswirkte.
Trotz der Spannungen aufgrund der Zölle legten die Exporte in die Vereinigten Staaten zu und schlossen das Jahr mit einem Anstieg um 8,4 Prozent ab. Insgesamt verzeichnete der Exportwert gegenüber 2024 ein sehr geringes Plus; inflationsbereinigt ergab sich hingegen eine leichte Kontraktion. Die Importe waren hingegen deutlich auf Erholungskurs.
Stabiler Arbeitsmarkt
Die Arbeitsmarktindikatoren blieben insgesamt konstant und zeichneten ein solides Bild der Wirtschaft. Dieses wurde auch durch die bisher höchste Anzahl an eingetragenen und aktiven Unternehmen gestützt. Gleichzeitig spiegelten sie auch die Änderungen in der Bevölkerungsstruktur wider: Arbeitslosenzahl und -quote sanken deutlich, während die Nichterwerbsquote etwas anstieg und die Erwerbsquote leicht sank.
Niedrige Inflation
Die Inflation blieb niedrig. Insgesamt, und auch angesichts des Rückgangs von 2024 (-0,9 Prozent), ergab sich für 2025 ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Damit erreichte das reale BIP das Niveau von 2023 wieder fast vollständig.
Entwicklung in Italien und Europa
Nach Angaben des Nationalinstituts für Statistik (ISTAT) wurde das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 von der inländischen Nachfrage getragen, während die Auslandsnachfrage ein Minus verzeichnete. Auch die Zunahmen der Investitionen und der Erwerbstätigkeit wirkten sich positiv auf das BIP aus. Insgesamt wies das ISTAT für 2025 einen Anstieg des BIP um 0,5 Prozent aus.
Nach zwei aufeinanderfolgenden Rezessionsjahren verzeichneten Österreich und Deutschland nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union (EUROSTAT) im Jahr 2025 wieder eine Zunahme des BIP. In Österreich stieg es um 0,6 Prozent, gestützt durch die Stabilisierung der Investitionen und den Anstieg der privaten Konsumausgaben, die ihrerseits von einer Zunahme der Reallöhne profitierten. Auch der deutschen Wirtschaft kam 2025 das Wachstum der Reallöhne zugute. In Deutschland war das BIP jedoch kaum mehr als stagnierend und stieg im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,2 Prozent, eingebremst durch zaghaftere Investitionen.
Die EU-27 verzeichnete 2025 insgesamt ein Wachstum um 1,5 Prozent.
Unsicherheit für 2026 wegen Irankrieg
Die Schätzungen für 2026 sind von zunehmender Unsicherheit geprägt. Ab Ende Februar, nach Ausbruch des Krieges im Iran, haben sich die Wirtschaftsprognosen infolge der steigenden Gas- und Erdölpreise verschlechtert. Letztere könnten zu einem deutlichen Anstieg der Gesamtinflation führen.
Die Auswirkungen auf die europäischen Volkswirtschaften hängen maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Krise in den kommenden Monaten ab, die inzwischen den Großteil der Länder des Nahen Ostens erfasst hat. Zudem bleibt die Unsicherheit in Bezug auf die US-Zölle bestehen, die im Laufe des vergangenen Jahres mehrfach revidiert wurden.
In die letzten Schätzungen der wichtigsten Statistikinstitute sind die Folgen der neuesten geopolitischen Entwicklungen auf die einzelnen Staaten noch nicht eingeflossen.
Südtirol: Ein Prozent Wachstum für 2026 erwartet
Die bisher für 2026 veröffentlichten Indikatoren berücksichtigen noch nicht die Folgen des Krieges, der Anfang März im Nahen Osten ausgebrochen ist. Der Südtiroler Wirtschaft könnten einerseits die Erholung in Österreich und Deutschland sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen infolge der olympischen und paralympischen Winterspiele zugutekommen. Weiters könnte sie von der gestiegenen Kaufkraft der privaten Haushalte aufgrund der noch gemäßigten Inflation profitieren. Andererseits bestehen einige Unsicherheiten: Die geopolitischen Spannungen und die Teuerungen bei Gas und Erdöl könnten auch zu beträchtlichen Korrekturen der aktuellen Schätzungen führen.
Auf der Grundlage der momentan verfügbaren Indikatoren, in welche der Irankrieg noch nicht einfließt, wird für 2026 ein BIP-Wachstum von ein Prozent geschätzt.
Für das Jahr 2027 wird in einer ersten Prognose ein Wirtschaftswachstum von ein Prozent erwartet, das mit jenem der anderen betrachteten Gebiete übereinstimmt.
Konsumausgaben stiegen um 0,7 Prozent
Schätzungen zufolge stiegen die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Südtirol im Jahr 2025 um 0,7 Prozent und somit etwas weniger als im gesamtstaatlichen Durchschnitt (+1,0 Prozent).
Für 2026 geht eine erste Schätzung von einer Zunahme der Konsumausgaben der privaten Haushalte um ebenfalls 0,7 Prozent aus. Wie sich der Indikator entwickeln wird, hängt wesentlich vom Kriegsverlauf im Nahen Osten und von den damit zusammenhängenden Preiserhöhungen bei Gas und Erdöl sowie den Auswirkungen auf die Gesamtinflation ab.






