„Wir wollen nicht nur sichtbar sein, wir wollen gehört werden“

Die Verbindung zu Hof, Familie und Heimat wachse nicht über Nacht, sei jedoch die entscheidende Kraftquelle, um Verantwortung zu übernehmen, Betriebe weiterzuentwickeln und auch in schwierigen Zeiten standzuhalten. Die Landesbäuerin betonte in ihrer Rede die enorme Breite an Aufgaben, die Bäuerinnen heute tragen: vom Hof- und Familienmanagement über Direktvermarktung und Kulturpflege bis hin zu Gästebetreuung und Produktverarbeitung. Damit widerlege die moderne Bäuerin längst das alte Bild der „drei Ks – Küche, Kinder und Kirche“. Heute seien es vielmehr Kompetenz, Koordination, Kraft, Know-how, Kreativität, Kreislaufdenken und Krisensicherheit, die den bäuerlichen Alltag prägen. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Sichtbarkeit dieser Leistungen. Viele Bereiche der täglichen Arbeit – von Pflege- über Erziehungs- bis zu Büroarbeit – erfahren weder entsprechende Wertschätzung noch finanzielle Anerkennung. Egger machte deutlich, dass echte Mitsprache, finanzielle Transparenz und faire Absicherung grundlegende Voraussetzungen für stabile Familienbetriebe seien.
Verwurzelung, Neubeginn, Vernetzen und weibliche Stärke
Die Landesbäuerin aus Bayern Christine Singer sprach in ihrer Rede wie wichtig es ist, dass Frauen die Höfe mitgestalten, jede ganz individuell. Jede Bäuerin müsse ihren eigenen Weg gehen. Jeder Hof stehe, wo er steht, und mit dem müsse man zurechtkommen. Man könne ihn nicht versetzen, so Christine Singer. „Wir müssen die Kraft spüren und erkennen: Da gehöre ich hin, und da muss ich gestalten und meine Wurzeln festigen.“ Singer sprach vom Jahreskreislauf, vom Neubeginn, von der Kraft der Natur. All dies prägt und gibt Orientierung und Halt. „Es braucht mutige Männer, die die Frauen auf ihren Wegen unterstützen“, so Singer. Und sie rief die Frauen auf sich besser zu vernetzen. „Um die Höfe in Zukunft zu erhalten, braucht es bei der Hofübergabe auch die Frauen!“
Witwenehrung – Kraft neu anzufangen
Ein sehr berührender Teil der Versammlung ist die zur Tradition gewordene Witwenehrung. Stefan Pan, Präsident der Stiftung Südtiroler Sparkasse, überreichte den fünf Witwen eine Anerkennung. „Es gibt so viele Gründe, dankbar zu sein – und die Geschichten der Witwen führen uns das eindrucksvoll vor Augen. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Frauen selbst nach schweren Schicksalsschlägen die Kraft finden können, neu anzufangen. Das berührt und inspiriert zugleich.“ Zu den geehrten Witwen zählen: Gisella Stockner Wwe. Messner vom Putzerhof in Teis/Villnös, Helga Pernthaler Wwe. Mair, Tschiffnar in Latzfons, Marianna Unterkofler Zöggeler Wwe. Reiterer vom Eggerhof in Vöran. Hildegard Zerzer Wwe. Frank aus Schluderns und Anna Rieder Wwe. Pichler, Untertschatsch in Steinegg.
©SBO: Die fünf geehrten Witwen (von links): Gisella Stockner Wwe. Messner (Putzerhof, Teis/Villnös), Helga Pernthaler Wwe. Mair (Tschiffnar, Latzfons), Marianna Unterkofler Zöggeler Wwe. Reiterer (Eggerhof, Vöran), Hildegard Zerzer Wwe. Frank (Schluderns) und Anna Rieder Wwe. Pichler (Untertschatsch, Steinegg) mit Landesbäuerin Antonia Egger und Stefan Pan, Präsident der Stiftung Südtiroler Sparkasse






