von lif 21.03.2026 14:57 Uhr

Wann googeln wir was?

Google weiß mehr über uns, als uns lieb ist, und die Daten zeigen ein erstaunliches Muster: Die ganze Welt googelt im selben Moment dasselbe, nur in verschiedenen Sprachen.

Bild: APA/dpa

Am Neujahrstag explodieren weltweit die Suchanfragen nach „diet”, „fitness” und „gym membership”. Allein zum Thema „Diät” werden täglich 690.000 Suchanfragen gestellt, was der absolute Jahreshöhepunkt ist. In den Wochen danach bleiben die Zahlen hoch, denn die guten Vorsätze wirken noch nach, aber schon im Februar beginnt die Kurve zu sinken und im März ist sie wieder auf Normalniveau.

Dann kommt der Sommer mit einem kleineren zweiten Peak, denn die Bikinifigur ruft. Aber ab Mitte November, wenn die Weihnachtszeit beginnt, stürzt die Kurve dramatisch ab. Niemand will an Abnehmen denken, wenn überall Spekulatius und Lebkuchen locken. Bis zum 24. Dezember erreicht „diet” seinen Tiefpunkt. Und dann, am 1. Januar? Die große Explosion. Die Fitnessstudios kennen diesen Rhythmus genau: Im Januar sind sie brechend voll, im Februar noch gut besucht, ab März wieder leer.

Der globale Kaufrausch

Zwischen Thanksgiving und Cyber Monday shoppen allein 202,9 Millionen Amerikaner, während Konsumenten weltweit von November bis Dezember 241,4 Milliarden Dollar online ausgeben. Black Friday ist längst nicht mehr nur amerikanisch, denn in Europa erreicht die Bestellfrequenz am Black Friday 11,4 Bestellungen pro Sekunde, was 205 Prozent mehr ist als an normalen Tagen. Die meistgesuchten Produkte sind dabei PlayStation 5, Nintendo Switch und iPhone. Aber der Trend verschiebt sich deutlich: 60 Prozent der Käufer starten bereits vor Thanksgiving mit ihren Einkäufen, was bedeutet, dass Black Friday nicht mehr ein einzelner Tag ist, sondern sich zu einem ganzen Monat ausgedehnt hat.

Die Steuer-Panik

In den USA ist der 15. April die gefürchtete Deadline, und die Suchanfrage „tax advisor” erreicht im April Allzeithochs, während „how to file a tax extension” in der vergangenen Woche vor Fristablauf um 170 Prozent in die Höhe schießt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hingegen ist Juli der Panik-Monat, denn am 31. Juli endet die Frist, und Begriffe wie „Steuererklärung”, „ELSTER” und „Steuerberater” zeigen steil nach oben. Prokrastination ist offensichtlich ein internationales Phänomen, auch wenn sich der Rhythmus von Land zu Land unterscheidet. Das grundlegende Verhalten bleibt aber identisch.

Februar weltweit

Valentinstag ist ein globales Phänomen und überall auf der Welt zeigen Suchanfragen wie „flowers online”, „Valentine’s Day gifts” und „romantic dinner” dasselbe Muster: einen Peak im Februar, gefolgt von völliger Flaute bis zum Muttertag im Mai die nächste Explosion folgt.

Frühling auf der Nordhalbkugel, Herbst im Süden

Die Suchanfrage „buy bike” erreicht von März bis August ihre Höchstwerte, allerdings nur auf der Nordhalbkugel, während in Australien, Neuseeland und Südafrika das Muster umgekehrt verläuft und die Hauptsaison von September bis Februar dauert. Der Rhythmus folgt überall dem Wetter, aber das Grundmuster bleibt identisch: Wir kaufen Fahrräder, wenn die Sonne scheint und wir Lust zum Radfahren haben, nicht, wenn die Händler die besten Angebote machen.

Der Erkältungs-Marathon

Die Suchanfragen nach „cold”, „flu” und „cough” steigen weltweit in den Wintermonaten an, allerdings nicht überall gleichzeitig: Von Oktober bis März auf der Nordhalbkugel und von April bis September auf der Südhalbkugel. Google Grippe-Trends konnte tatsächlich Grippewellen vorhersagen, zwar nicht perfekt, aber die Korrelation war eindeutig: Wo viel gegoogelt wird, sind viele Menschen krank.

Heute kommen 59 Prozent aller Gesundheits-Suchanfragen vom Handy und wir googeln unsere Symptome vom Sofa aus.

Die globale Geschenke-Panik

Die Suchanfragen nach „Christmas gifts”, „last minute presents” und „gift ideas” steigen bereits im November stark an, bevor sie im Dezember explodieren und am 23. Dezember weltweit ihren absoluten Höhepunkt erreichen. Halloween allein erreicht in den USA einen Umsatz von 13,1 Milliarden Dollar mit einem Anstieg von 13 Prozent, aber Weihnachten toppt diese Zahlen bei weitem.

Noch interessant? Am 24. Dezember erreicht die Suchanfrage „diet” weltweit ihren Tiefpunkt des Jahres.

Wie wir suchen, verändert sich

Das Jahr 2025 zeigte einen Wandel im Suchverhalten: Suchanfragen, die mit „tell me about…” beginnen, steigen um 70 Prozent, während „how do I…”-Fragen Allzeithochs erreichen mit einem Plus von 25 Prozent. Wir suchen offenbar nicht mehr nur nach schnellen Fakten, sondern wollen Gespräche führen, Zusammenhänge verstehen und tiefere Einblicke gewinnen.

Wieso? Künstliche Intelligenz verändert, wie wir googeln.

Was Google Trends zeigt

Unser Suchverhalten ist ein Spiegel der globalen Gesellschaft, denn wir planen nicht voraus, sondern reagieren, schieben Dinge auf, verfallen in Panik und lügen uns oft  selbst an. Und das, jedes Jahr aufs Neue am 1. Januar. Die Muster sind überall auf der Welt gleich, auch wenn die Sprachen unterschiedlich sind.

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