„Schluss mit Mussolini als Ehrenbürger!“

Werner Thaler, Sprecher der Arbeitsgruppe Gemeindepolitik in der Süd-Tiroler Freiheit, erinnert daran, dass die STF bereits vor rund 15 Jahren eine systematische Aufarbeitung dieser Thematik angestoßen habe. Damals sei erstmals umfassend erhoben worden, in welchen Gemeinden Mussolini noch immer als Ehrenbürger geführt wurde. In der Folge habe man entsprechende Anträge zur Aberkennung eingebracht oder initiiert.
Mit Erfolg: In zahlreichen Südtiroler Gemeinden wurde Mussolini die Ehrenbürgerschaft inzwischen aberkannt. Dazu zählen unter anderem Montan, Auer, Tramin, Salurn, Kurtatsch sowie Mals, das dabei auch stellvertretend für die frühere Gemeinde Laatsch handelte. Bereits in den 1980er-Jahren hatte auch die Gemeinde Abtei diesen Schritt gesetzt.
Ehrenbürgerschaft in Sexten noch möglich
Dennoch besteht laut Thaler weiterhin Klärungsbedarf. So sei beispielsweise ungewiss, ob Mussolini in Sexten noch immer als Ehrenbürger geführt werde. Hinweise darauf liefert ein historischer Bericht des „Pustertaler Boten“ aus dem Jahr 1924. Eine Überprüfung durch die Gemeinde wurde bereits vor etwa zehn Jahren angeregt, jedoch bislang nicht abschließend geklärt.
Historisch gilt als belegt, dass die Verleihung der Ehrenbürgerschaften im Frühjahr 1924 nicht freiwillig erfolgte. Vielmehr standen die damaligen Gemeindeverantwortlichen unter massivem Druck durch staatliche Präfekten, die kurzfristige Gemeinderatssitzungen anordneten und die Verleihung forcierten.
„Völlig unverständlich und politisch beschämend“
Vor diesem Hintergrund zeigt sich Thaler besonders kritisch gegenüber der Haltung der Stadt Trient. Es sei „völlig unverständlich und politisch beschämend“, dass eine derart belastete Ehrenbürgerschaft bis heute nicht aberkannt wurde.
Abschließend fordert die Süd-Tiroler Freiheit eine konsequente und flächendeckende Überprüfung aller noch bestehenden Ehrenbürgerschaften Mussolinis. Wo diese noch bestehen, müsse eine Aberkennung erfolgen – nicht zuletzt als klares Zeichen im Umgang mit der eigenen Geschichte.






