Schloss Sonnenburg: Mit diesen Aussagen gießt Schönhuber neues Öl ins Feuer

Berufung auf Geschichte – und Kniefall vor dem Markt
Wie die Neue Südtiroler Tageszeitung berichtet, erklärte Schönhuber, man sei sich der „großen Verantwortung bewusst, die mit diesem besonderen Bauwerk und seiner einzigartigen Geschichte verbunden ist“. Gleichzeitig sagt er aber auch, dass sich „die Rahmenbedingungen des Marktes verändert haben“ und eine „internationale Ausrichtung notwendig“ sei, um den Hotelbetrieb langfristig erfolgreich zu führen. Deshalb habe man sich für den Namen „Castel Badia“ entschieden, um das Haus in der internationalen Vermarktung „verständlich und klar zu positionieren“.
Und genau an diesem Punkt wird es heikel. Denn wer von Verantwortung, Geschichte und Einzigartigkeit spricht, müsste eigentlich alles daransetzen, den überlieferten Namen Sonnenburg zu schützen. Stattdessen wird dieser Name im öffentlichen Auftritt an den Rand gedrängt und durch einen künstlichen Vermarktungsbegriff ersetzt. Mit anderen Worten: Die Geschichte wird feierlich beschworen – aber wenn es ernst wird, zählt plötzlich doch nur der Markt.
Sonnenburg soll bleiben – aber bitte nicht nach außen
Noch brisanter wird es bei einer weiteren Aussage. Laut Neuer Südtiroler Tageszeitung betont Schönhuber nämlich zugleich, dass der Name Sonnenburg keineswegs verschwinden solle. Er werde intern weiterhin verwendet und solle „in geeigneter Form auch für Besucher erlebbar und zugänglich gemacht“ werden. Genau das ist der Punkt, an dem die ganze Argumentation ins Wanken gerät. Wenn Sonnenburg weiterhin wichtig, erinnerungswürdig und vermittelbar ist, warum soll der Name dann ausgerechnet nach außen nicht mehr selbstverständlich im Mittelpunkt stehen?
Das heißt doch im Klartext: Für die Geschichte darf Sonnenburg bleiben. Für die Besucher darf Sonnenburg erklärt werden. Intern darf Sonnenburg weiterleben. Nur in der Außendarstellung soll plötzlich „Castel Badia“ dominieren. Damit wird unfreiwillig bestätigt, was Kritiker von Anfang an gesagt haben: Hier geht es nicht um einen historisch gewachsenen Namen, sondern um ein künstlich geschaffenes Etikett für die Vermarktung.
Ein Kunstname ohne Wurzeln
Auch das Argument, „Castel Badia“ sei für ein internationales Publikum klarer und verständlicher, wirft Fragen auf. Denn der Name Sonnenburg ist eindeutig, unverwechselbar und tief in der Geschichte des Ortes verankert. „Castel Badia“ klingt dagegen glatt, austauschbar und konstruiert. Nicht nach Geschichte, sondern nach Marketing. Nicht nach Identität, sondern nach Verpackung.
Mehr als nur eine PR-Frage
Gerade in Südtirol ist das mehr als nur eine Namensfrage. Namen sind hier nicht bloß Dekoration. Sie tragen Geschichte, Sprache und Zugehörigkeit. Wenn ein gewachsener deutscher Name im öffentlichen Auftritt zurückgedrängt und durch einen künstlichen faschistischen Begriff ersetzt wird, dann ist das eben keine bloße PR-Entscheidung. Dann geht es auch um den Umgang mit dem Eigenen.
Die Kritik wird schärfer
Schönhubers Aussagen entschärfen die Debatte daher nicht. Im Gegenteil: Sie machen sie noch schärfer. Denn sie zeigen, dass den Verantwortlichen die geschichtliche Bedeutung der Sonnenburg sehr wohl bewusst ist. Man weiß offenbar genau, was dieser Name bedeutet. Man weiß, dass er nicht einfach irgendein Wort ist. Und trotzdem wird er im Außenauftritt zurückgenommen.
Am Ende bleibt deshalb ein bitterer Eindruck: Die Sonnenburg darf als Geschichte weiterexistieren – aber nach außen soll ein Kunstname glänzen. Das Alte bleibt Kulisse, das Neue wird zur Marke. Und genau das empört viele Südtiroler zu Recht.
Neueste Meldungen






