von lif 13.03.2026 11:17 Uhr

Südtirol produziert Ökostrom und zahlt trotzdem Gaspreise

Mitten im Iran-Krieg explodieren die Energiepreise weltweit. Für Südtirol ist die Situation besonders bitter, denn das Land schwimme in Wasserkraft und zahlt dennoch die gleichen hohen Strompreise wie der Rest Italiens, so der Verbraucherschutzverein Robin.

APA/THEMENBILD

Seit Beginn der militärischen Eskalation im Nahen Osten ist der Ölpreis auf nahezu 120 Dollar pro Barrel gestiegen, die Gaspreise haben sich zwischenzeitlich fast verdoppelt. Die Blockade der Straße von Hormuz hat die Lage weiter verschärft. Experten warnen vor einem neuen Inflationsschub. Wie der Verbraucherschutzverein Robin mitteilt, produziert Südtirol mehr Strom aus Wasserkraft als es selbst verbraucht und zahlt trotzdem Gaspreise. Der Grund liege im europäischen Strommarktmodell, denn der Preis richtet sich stets nach dem teuersten Kraftwerk, das gerade benötigt wird und das ist in Italien fast immer ein Gaskraftwerk. Da rund 45 Prozent des italienischen Stroms aus importiertem Gas stammt, trifft jeder Gaspreisschock auch Südtiroler Haushalte, obwohl sie mit lokalem Wasserstrom versorgt werden.

Mit dem sogenannten „Decreto bollette“ will die italienische Regierung die Strompreise abfedern. Der Haken: Die CO₂-Kosten der Gaskraftwerke sollen den Produzenten erstattet werden, finanziert über die Stromrechnungen der Verbraucher. Das könnte laut Schätzungen rund vier Milliarden Euro pro Jahr ausmachen. Der Verbraucherschutzverein Robin kritisiert das scharf: „Damit zahlen Haushalte indirekt für die Umweltkosten der fossilen Stromproduktion, ein Widerspruch zum Verursacherprinzip.“

Südtirol könnte es besser machen

Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus bringt es auf den Punkt: „Südtirol produziert mehr Strom aus Wasserkraft, als es selbst verbraucht – und dennoch zahlen unsere Familien Gaspreise für Strom. Das ist weder energiepolitisch sinnvoll noch sozial gerecht.“ Der Verein fordert deshalb die Nutzung der im Autonomiestatut verankerten Energieautonomie, eine Entkopplung des Strompreises vom Gas sowie eine fairere Verteilung der Energiekosten. Gutachten der Universitäten Innsbruck und Padua bestätigen, dass Südtirol rechtlich die Möglichkeit hätte, eine eigene regionale Energieaufsichtsbehörde einzurichten.

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