von lif 13.03.2026 07:24 Uhr

Wikipedia auf Deutsch hat jetzt 25 Jahre auf dem Buckel

Am 16. März 2001 startete Wikipedia auf Deutsch, nur rund zwei Monate nach der englischen Version. Während in der 25-jährigen Geschichte Fortschritte gemacht wurden, stellt Künstliche Intelligenz (KI) die Plattform wirtschaftlich und inhaltlich vor Probleme, sagte Claudia Garád, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Wikimedia Österreich, zur APA. Insgesamt zieht sie aber eine positive Bilanz.

Bild: APA/AFP

So werden deutsche Artikel von allen Sprachen am zweithäufigsten editiert. Zudem kommen von den drei „Top-Bearbeitern“, also den Personen aus der Community, die im ganzen deutschsprachigen Raum die meisten Editierungen vorweisen können, zwei aus Österreich. Insgesamt arbeiteten in den vergangenen zwei Jahren rund 8.000 Personen regelmäßig mit, von denen 1.000 mit mehr als 100 Bearbeitungen sehr aktiv sind. Wie man zur Arbeit an dem Projekt kommt? „Durch Fehler, die mir aufgefallen sind“, erzählte Tobias Kleinlercher, der seit mehr als elf Jahren in der Wikipedia-Community tätig ist, der APA.

Demokratisiertes Wissen mit Wien-Bezug

Wenig bekannt sei, dass sich das gesamte Projekt ideengeschichtlich nach Wien zurückführen lässt: „Der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war inspiriert von Friedrich August von Hayeks Essay ‚The Use of Knowledge in Society‘ (Die Anwendung von Wissen in der Gesellschaft), dem er im Rahmen seines Studiums begegnete“, sagte Garád. Die davon beeinflusste Grundidee: Jeder könne in einer Art Schwarmintelligenz zur Generierung und Kuratierung von Wissen beitragen und auch darauf zugreifen – sozusagen eine Demokratisierung aus zwei Richtungen.

Wikipedia verstehe sich aber strikt nicht als wissenschaftliche Quelle, sondern eher als Türöffner in die Welt der Wissenschaft. So werde Wissen kuratiert, zusammengeführt und zugänglich gemacht. In der Anfangs- und Mittelphase habe es dabei große Berührungsängste seitens der Unis gegeben. „Mittlerweile sind wir darüber hinweg, weil viele gemerkt haben, dass Medienkompetenz auf der Website super trainiert werden kann“, sagte Garád. Denn die Bearbeitung von Artikeln verlaufe transparent und lasse sich bis zu ihrem Beginn zurückverfolgen. Daneben gibt es Diskussionsseiten, auf denen Änderungen besprochen und begründet werden.

Fragezeichen bei Finanzierung und dem Nachwuchs

Gleichzeitig hat Wikipedia durch die KI ein Sichtbarkeitsproblem. KI-Chatbots verwenden für ihre Outputs die Inhalte der Onlineenzyklopädie. Dass man dafür die Website nicht mehr besuchen muss, führe zu zurückgehenden Zugriffszahlen und, infolgedessen, einem geringeren Spendenaufkommen.

Daneben ist der Umgang mit KI für die Community herausfordernd. Zwar sei klar festgelegt, dass es sich bei Wikipedia um ein Projekt „von Menschen für Menschen“ handelt, also nur von Menschen geschriebene Texte zulässig sind. Allerdings wird die Erkennung von KI-generierten Texten und Bildern immer schwieriger – vor allem für die hauptsächlich ehrenamtlich tätige Community. „Unsere kollaborative Organisationsform führt einfach zu viel längeren Entscheidungsprozessen, als sie irgendein CEO im Silicon Valley treffen kann. Meine größte Angst ist, dass wir für diese technologischen Entwicklungen zu langsam arbeiten““ so Garád.

„Geschriebenes wird nicht mehr nur von einer kleinen Gruppe gelesen, sondern direkt von Millionen von Menschen und indirekt von allen wichtigen KIs. Fehler können immer größere Folgen haben“, ergänzte Wikipedia-Autor Kleinlercher. Auch deswegen werde die Arbeit von Freiwilligen immer wichtiger. Dabei ist problematisch, dass die Community-Autoren überwiegend aus der Generation X und der Boomer-Generation stammen. „Wir müssen für junge Leute wieder attraktiver werden. Uns hat damals die Idee von einem offenen Internet begeistert. Das hat sichtlich nicht geklappt und wir müssen neue Narrative finden und betonen, warum diese Offenheit – zumindest auf der Website – eine Ressource ist, gerade etwa in Bezug auf die Bewahrung von Demokratie“, resümierte Garád. „Ich hoffe, dass wirklich jeder und jede weiß, dass sie auch selber den ‚Editier’-Knopf drücken kann und sollte.“

APA/UT24

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