von ih 12.03.2026 13:33 Uhr

Ein Priester mit Rückgrat: Südtirol trauert um Pater Walter Marzari

Der Südtiroler Schützenbund und viele Wegbegleiter nehmen Abschied von Pater Walter Marzari SSS. Der Eucharistinerpater ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Mit seinem Tod verliert Südtirol einen Priester, der sich durch Glaubenstreue, soziales Engagement und einen ungewöhnlich vielseitigen Lebensweg auszeichnete.

Foto: © Südtiroler Schützenbund

Walter Marzari wurde am 7. April 1941 in Proveis am Deutschnonsberg geboren. Schon früh verspürte er den Wunsch, Priester zu werden. 1959 trat er in den Orden der Eucharistiner ein. Nach philosophisch-theologischen Studien in Freiburg und Wien legte er 1967 die ewige Profess ab. Am 21. Juni 1970 wurde er in Wien zum Priester geweiht. Im selben Jahr promovierte er zum Doktor der Theologie.

Sein Wirken führte ihn zunächst in die Seelsorge nach Meran und Wien. Mehrere Jahre arbeitete er anschließend als Missionar in Kamerun. Doch sein Lebensweg nahm eine ungewöhnliche Wendung: Bereits als Priester entschloss sich Marzari zu einem Medizinstudium. 1982 schloss er dieses in Wien mit der Promotion zum Doktor der Medizin ab. Nach weiterer Ausbildung – unter anderem in Tropenmedizin in Antwerpen – war er von 1984 bis 1987 als Priesterarzt in Kinshasa im damaligen Zaire tätig. Dort arbeitete er als Zonen-Chefarzt im WHO-Projekt „Gesundheit für alle im Jahr 2000“.

Unvergessene „Kreuzl-Predigt“ bei Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier

Nach seiner Rückkehr nach Südtirol übernahm Marzari verschiedene Aufgaben innerhalb seines Ordens. Unter anderem leitete er das Studentenheim der Eucharistiner in Bozen und wirkte als Hausoberer der Gemeinschaft in Meran. Darüber hinaus unterrichtete er Religion am Vinzentinum in Brixen und widmete sich intensiv wissenschaftlicher und publizistischer Arbeit.

Besondere Bedeutung hatten seine historischen und kirchlichen Veröffentlichungen. Hervorzuheben ist seine Übersetzungsarbeit der Schriften des Ordensgründers Peter Julian Eymard. Auch mit der Tiroler Geschichte setzte sich Marzari intensiv auseinander. Mit seinem Buch „Dokumentation zum Gelöbnis 1796“ leistete er einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung und Erinnerungskultur. 2006 veröffentlichte er zudem das Werk „Kanonikus Michael Gamper – Sein Leben für Glauben und Heimat gegen Faschistenbeil und Hakenkreuz in Südtirol“, das er der Schützenkompanie „Kanonikus Michael Gamper“ in seinem Heimatort Proveis widmete.

Unvergessen bleibt auch seine sogenannte „Kreuzl-Predigt“ bei der Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier 1991 in St. Pauls. Für seine klaren Worte erhielt er damals vom bischöflichen Ordinariat eine Verwarnung – im Volksmund als „Gelbe Karte“ bezeichnet. Marzari ließ sich davon jedoch nicht beirren und zelebrierte ein Jahr später erneut bei der Gedenkfeier. In der Folge wurde ihm ein Predigtverbot auferlegt und er nach Wien versetzt.

Ein Mann mit klaren Überzeugungen

Pater Walter Marzari galt als Mann mit klaren Überzeugungen, tiefem Glauben und großem Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kirche, Gesellschaft und Heimat. Sein Lebensweg, geprägt von priesterlichem Dienst, medizinischer Hilfe für Bedürftige und wissenschaftlicher Arbeit, zeugt von außergewöhnlicher Hingabe.

Der Südtiroler Schützenbund würdigte den Verstorbenen als Persönlichkeit mit Rückgrat. „Der Südtiroler Schützenbund wird Pater Walter Marzari ein ehrendes Andenken bewahren“, erklärte Landeskommandant Christoph Schmid. Zugleich sprach er den Mitbrüdern im Orden sowie allen Angehörigen und Weggefährten sein aufrichtiges Beileid aus.

Pater Walter Marzari hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über seine Heimat hinausreicht – als Priester, Arzt, Wissenschaftler und unbequemer Mahner.

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