Tiroler Psychiatrie fusioniert, Neubau um 68,5 Mio.

Durch die Zusammenlegung der bisherigen Psychiatrieabteilungen A und B zu einer gemeinsamen Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie würden „nahtlos ineinandergreifende Behandlungsprozesse möglich“, erklärte der Primar der neuen Abteilung, Franz Altenstrasser. Das bedeute vor allem „effizientere Abläufe und eine spürbare Entlastung im Klinikalltag“, betonte der Primar: „Dadurch können wir nicht zuletzt auch die Patientenströme optimieren.“
„Steigender Bedarf“ nach psychiatrischen Angeboten
Zusammenlegung und Neubau seien auch eine unmittelbare Reaktion auf einen „steigenden Bedarf nach psychiatrischen Angeboten“, konstatierte Thomas Klestil, Medizinischer Geschäftsführer der landeseigenen tirol kliniken, denen das Landeskrankenhaus Hall und damit auch deren Psychiatrie angehört. Ebenjener steigender Bedarf ergebe sich unter anderem aufgrund der gesellschaftlichen Demografie: „Menschen werden immer älter und damit eben auch dement.“ Früher sei es zum Teil so gewesen, dass ältere Personen ihre Demenz „gar nicht mehr erlebt hätten“, führte Klestil aus.
Mit dem Neubau wolle man – neben einer Reaktion auf steigende Patientenzahlen und demografischen Entwicklungen – auch ein „zukunftsweisendes Konzept umsetzen“, sagte der Medizinische Geschäftsführer der Tirol Kliniken zudem. Das Gebäude folge nämlich der Idee eines „Healing Enviroments“ und biete dementsprechend beispielsweise „viel Tageslicht, begrünte Terrassen und ein modernes Umfeld, das die Genesung fördert“, führte Klestil aus. Die Neuerrichtung werde „in mehreren Phasen erfolgen“ und das neue „Haus 2“ solle „stufenweise in Betrieb genommen werden“.
Innovative Behandlungskonzepte in Haller Psychiatrie
Zusammenlegung von Abteilung und ebenjener zeitgemäße und moderne Neubau gingen aber auch mit „innovativen Behandlungskonzepten“ einher, strich Altenstrasser heraus. So verfolge man in Hall beispielsweise das Konzept einer „zieloffenen Suchtarbeit“, bei der auch zum Teil „Verantwortung an den Patienten zurückgegeben wird“ und nicht immer „völlige Abstinenz von Drogen und Alkohol das oberste Ziel“ sei. Wichtig sei jedenfalls, dass man auf die steigende Suchtproblematik in einer „zunehmend breiteren Bevölkerungsschicht“ adäquat reagiere, hielt der Mediziner fest. Neben dem Thema „Alterspsychiatrie“ sei dieses das zweite brennende Thema der Gegenwart.
Überhaupt steige die Zahl der psychischen Erkrankungen an, erklärte die bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP). „Die Nachfrage nach stationären Behandlungen steigt stetig“, erinnerte die Landesrätin. Tirol sei diesbezüglich aber „gut aufgestellt“, wenngleich man in Sachen Betten „noch nicht am Plafond angelangt ist“. Aktuell verfüge man im gesamten Bundesland „über 428 stationäre Betten“.
Die Psychiatrie des Landeskrankenhauses Hall macht den größten Teil davon aus: Rund 220 Betten stehen zur Verfügung, 400 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Jährlich werden in der Haller Psychiatrie um die 4.200 Patienten stationär behandelt.
APA






