von mmh 04.03.2026 13:49 Uhr

Wissenschaftlerin des Jahres Francesca Ferlaino: „Talent kennt kein Geschlecht“

Hochmagnetische Atome, ultrakalte Gase und suprasolide Quantenzustände – was für viele abstrakt klingt, ist für Francesca Ferlaino tägliche Forschungsarbeit. Die gebürtige Italienerin ist Österreichs „Wissenschaftlerin des Jahres“ 2026 und forscht an der Universität Innsbruck sowie am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation in Innsbruck. Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele traf die renommierte Quantenphysikerin zu einem ausführlichen Gespräch in ihrem Labor.

LRin Cornelia Hagele traf sich mit Österreichs „Wissenschaftlerin des Jahres“, Francesca Ferlaino, zu einem ausführlichen Gespräch. (Bild: © Land Tirol/Neuner)

Im Mittelpunkt standen Ferlainos Werdegang, Role-Models in der Physik und die Bedeutung früher MINT-Förderung in Schulen und Kindergärten. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Innsbruck als internationaler Quanten-Hotspot

„Ich freue mich, dass ich Francesca Ferlaino im Vorfeld des Internationalen Frauentag am 8. März treffen konnte. Sie hat viel erreicht und hat ihren Weg stets mit Konsequenz, Leidenschaft und Mut verfolgt. Damit nimmt sie nicht nur an solchen Aktionstagen, sondern 365 Tage im Jahr eine wichtige Vorbildfunktion für viele junge Frauen ein“, betont LRin Hagele.

Warum ausgerechnet Innsbruck? Für Ferlaino boten sich in der Tiroler Landeshauptstadt ideale Bedingungen: „Innsbruck ist weltweit bekannt für Quantenphysik. Für mich war klar: Wenn ich neue Techniken lernen und auf höchstem Niveau forschen will, dann hier.“ Mit Blick auf internationale Auszeichnungen und die starke Forschungslandschaft pflichtet Hagele bei: „Tirol ist Quantenland. Unsere Universität und das IQOQI zählen zur Weltspitze in der Physik. Dieses Arbeitsumfeld bietet Chancen – für Spitzenforschung und für junge Wissenschaftler.“

Frauen in der Physik und frühe Förderung

Als Frau in einem männerdominierten Feld habe sie auf ein breites Netz an Mentoren zurückgreifen können, berichtet Ferlaino. Dennoch sei der Frauenanteil in der Quantenphysik weiterhin niedrig. „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass alte Rollenbilder über den Lebensweg entscheiden. Gleichstellung beginnt im Klassenzimmer. Deshalb müssen wir Mädchen und Burschen gemeinsam für Naturwissenschaften begeistern. Talent kennt kein Geschlecht – Punkt“, so Hagele.

Seit 2025 ist Tirol das erste flächendeckende MINT-Bundesland Österreichs. In allen Bezirken gibt es eigene MINT-Labore und sogenannte Spürnasenecken. Rund 1,3 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr investiert. Role-Models wie Ferlaino seien entscheidend: „Wenn junge Frauen sehen, was möglich ist, trauen sie sich selbst mehr zu.“

Im Gespräch schildert Ferlaino auch ihren ungewöhnlichen Zugang zur Physik. Aufgewachsen in Neapel mit einer klassischen Ausbildung in Latein und Altgriechisch, sei ihr Weg in die Naturwissenschaft eher zufällig gewesen: „Für mich war die Physik ein Zufall.“ Doch dann habe es „klick“ gemacht. Heute forscht sie an stark magnetischen Atomen und suprasoliden Zuständen – einem paradoxen Materiezustand, der zugleich flüssig und fest ist. „Physik ist universell. Was ich in meinem Labor herausfinde, kann in ganz anderen Bereichen nutzbar gemacht werden – zum Beispiel in der Astronomie.“

Auch heuer unterstützt das Land Tirol die Lange Nacht der Forschung am 24. April. Zudem läuft aktuell die Ausschreibung der Nachwuchsforscherförderung des Landes. 55 Forschungsprojekte wurden heuer bereits unterstützt, 32 davon von Frauen. „Ich wünsche mir, dass noch viele junge Frauen sagen: Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen. Ich gehöre in die Wissenschaft und Forschung“, so Hagele.

Francesca Ferlaino forscht seit 2006 in Innsbruck und ist seit 2014 Professorin für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck sowie wissenschaftliche Direktorin am IQOQI der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Internationales Aufsehen erlangte sie unter anderem durch drei ERC-Grants (2009, 2016, 2022) und ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet langlebiger suprasolider Zustände im Labor. Darüber hinaus engagiert sie sich intensiv für Wissenschaftsvermittlung und Chancengleichheit.

(Das gesamte Gespräch ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal des Landes Tirol zu sehen.)

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