von Alexander Wurzer 28.02.2026 09:00 Uhr

Südtirol: Die Melkkuh Roms

Immer öfter wird den Südtirolern – vor allem von italienischen Nationalisten – vorgeworfen, der Staat Italien würde unseren Wohlstand finanzieren. Ganz arg wird es, wenn man Facebookkommentare zu Südtiroler Themen liest, die diesen Kreisen nicht passen: Dann kippt es schnell von politischer Meinung in Missgunst, Unterstellungen und blanke Verachtung. Der Tenor ist immer derselbe: Südtirol sei „verwöhnt“, „privilegiert“, „durchgefüttert von Rom“.

Südtirol ist nicht Nettoempfänger, sondern Roms Melkkuh (Bild von UT24 mittels KI erstellt)

Nur: Das ist nicht Meinung, das ist ein Märchen – und zwar eines, das sich mit Zahlen sauber zerlegen lässt.

Die Masche der Nationalisten: Schuld sind immer die anderen

Wer in Rom oder in einzelnen Regionen seit Jahrzehnten Strukturprobleme mitschleppt, wer Verwaltung nicht entschlackt, wer öffentliche Leistungen nicht effizient organisiert, wer an der eigenen Reformunfähigkeit scheitert – der braucht ein Ablenkungsziel. Südtirol ist dafür ideal: sichtbar erfolgreich, gut verwaltet, mit klaren Zuständigkeiten. Das stört im nationalistischen Weltbild.

Also wird nicht über Verantwortung und Leistung gesprochen, sondern über „Privilegien“. Und wenn es ganz primitiv wird, heißt es: „Wir zahlen euch das süße Leben.“ Damit erspart man sich jede Debatte über die eigentlichen Baustellen – und produziert nebenbei den passenden Neid.

Territorialkonten zeigen Südtirol als Nettozahler

Genaue Daten zu dieser Debatte liefern die Territorialkonten (CPT) – dort werden öffentliche Einnahmen und Ausgaben territorial zugeordnet, und zwar für den „erweiterten öffentlichen Sektor“ (gesamte öffentliche Hand in weiter Abgrenzung) für das Bezugsjahr 2019.

Für die Provinz Bozen werden für 2019 öffentliche Einnahmen von 13.905 Mio. Euro ausgewiesen. Pro Kopf entspricht das 26.162 Euro je Einwohner (Vergleichsraum Nord- und Mittelitalien: 21.200 Euro).

Auf der Ausgabenseite weist derselbe Bericht für 2019 eine gesamte öffentliche Ausgabenhöhe von 10.698 Mio. Euro aus.

Der Pro-Kopf-Wert für die gesamte öffentliche Ausgabenlast beträgt 20.129 Euro je Einwohner (Vergleichsraum Nord- und Mittelitalien: 17.363 Euro).

Rechnet man Einnahmen minus Ausgaben, ergibt sich ein positiver Saldo von 3.207 Mio. Euro zugunsten des Gesamtsystems. In normalem Deutsch heißt das: Auf Südtirols Gebiet wird mehr an öffentlichen Einnahmen generiert, als an öffentlichen Ausgaben dorthin zurückfließt – Südtirol ist in dieser Abgrenzung nettozahlerisch.

Das ist eine CPT-Definition (erweiterter öffentlicher Sektor, territorial zugeordnet). Andere Ansätze können je nach Abgrenzung und Zuordnungskriterium andere Werte liefern, ändern aber nichts an der hier dokumentierten Richtung.

Warum die Wahrheit manchen so weh tut

Die Realität schmerzt viele Nationalisten, weil sie zwei Dinge gleichzeitig offenlegt: Erstens, Südtirol lebt nicht „auf Kosten Italiens“. Zweitens, das Problem vieler Regionen ist nicht „zu wenig Südtirol“, sondern zu wenig Leistungsfähigkeit im eigenen System – politisch, verwaltungstechnisch, strukturell.

Nationalisten drehen das um. Sie erklären Effizienz zum „Privileg“ und Verantwortung zur „Ungerechtigkeit“. So lässt sich die eigene Misere bequem überspielen: Man muss nichts ändern, man muss nur schimpfen.

Nicht Rom zahlt Südtirol – Südtirol ist Roms Melkkuh

Man kann über Zuständigkeiten diskutieren. Man kann über Autonomie streiten. Aber wer Südtirol als „Alimentierten“ darstellt, verdreht die Realität. Die Territorialkonten mit einem Milliarden-Saldo sprechen eine klare Sprache: Südtirol ist Nettozahler – und das Gerede vom „süßen Leben auf Staatskosten“ ist genau das, was es ist: eine politische Lüge.

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