von mmh 19.02.2026 19:16 Uhr

Ahrntal: Keine deutschsprachigen Ärzte mehr

Im fast zu 100 % deutschsprachigen Ahrntal gibt es mittlerweile keine Ärzte mehr, die der deutschen Sprache mächtig sind. Für die Süd-Tiroler Freiheit ist dies ein Skandal und eine Bankrotterklärung der Landesregierung. Besonders ältere Menschen, die das Land unter schwierigen Bedingungen aufgebaut haben, fühlen sich im Stich gelassen – manche meiden inzwischen sogar den Arztbesuch.

Bernhard-Zimmerhofer (Bild: STF)

„Die Durchsetzung des Rechts auf Gebrauch der Muttersprache ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik, besonders im Gesundheitswesen“, betont Landtagsabgeordneter Bernhard Zimmerhofer. Bei einem Landeshaushalt von fast neun Milliarden Euro müsse es möglich sein, deutschsprachige Ärzte zu halten oder neu anzuwerben.

Landesregierung: Keine deutschsprachigen Bewerber

Auf eine Anfrage Zimmerhofers antwortete Landesrat Messner, dass derzeit keine deutschsprachigen Anwärter für die vakanten Hausarztsstellen im Ahrntal zur Verfügung stünden. „Derzeit haben nur italienischsprachige Kandidaten Interesse für die Stelle bekundet. Die Aufträge sind bereits vergeben worden, mit Wirksamkeit ab 1. Oktober 2025“, erklärte Messner. Außerdem sei der Nachweis der Kenntnis der deutschen und italienischen Sprache bei befristeten Aufträgen keine Zugangsvoraussetzung.

Laut dem geltenden Betreuungsschlüssel wären in den fünf Gemeinden des Tauferer-Ahrntals 12 Hausärzte vorgesehen. Aktuell sind jedoch nur sechs Stellen besetzt – und davon nur eine unbefristet.

Politischer Druck gefordert

Zimmerhofer betont, dass es nicht ausreiche, wenn der Präsident der Bezirksgemeinschaft Pustertal das Problem des Hausärztemangels lediglich als landesweites Phänomen feststelle. „Es braucht massiven politischen Druck, um der Landesregierung klarzumachen, wo die Prioritäten liegen“, so der Abgeordnete. Er verweist auf die Olympischen Spiele, für die problemlos 171 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bereitgestellt wurden. „Für so ein viel wichtigeres Thema wie Hausärzte müssen die notwendigen Mittel ebenso bereitgestellt werden“, fordert Zimmerhofer.

Abwanderung junger Fachkräfte verschärft Lage

Ein weiteres Problem ist die Abwanderung junger Fachkräfte: Laut Studien verlassen jährlich netto rund 800 junge Menschen Südtirol – das entspricht etwa der Größe eines Dorfes. Ursache sind vor allem die niedrigen Gehälter. Eine aktuelle Studie von „Mercer Italia“ zeigt, dass das durchschnittliche Brutto-Einstiegsgehalt eines Hochschulabsolventen in Italien bei 32.000 Euro liegt, in Österreich bei 57.000 Euro, in Deutschland bei 57.500 Euro und in der Schweiz bei 90.000 Euro. Hinzu kommen die hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol, die die Situation weiter verschärfen.

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