von Alexander Wurzer 14.02.2026 12:00 Uhr

Unsere Schule, unsere Sprache: Deutsch schützen statt verwässern

Die mehrsprachige Schule wird in Südtirol wieder als Heilsversprechen gehandelt. Modern, offen, zukunftsfähig – so lautet das Etikett. Doch hinter diesem Marketing steckt ein gefährlicher Selbstbetrug: In einem Land, in dem Deutsch ohnehin unter Druck steht, bedeutet „mehrsprachig“ in der Praxis fast immer eines: weniger Deutsch. Und weniger Deutsch heißt nicht „mehr Chancen“, sondern weniger Bildung, weniger Halt und am Ende weniger Zukunft für unsere Volksgemeinschaft.

APA (dpa)

Bozen zeigt die Machtfrage: Welche Sprache trägt den Alltag? Wo Italienisch alles dominiert, wird Deutsch ohne konsequente Pflege zur Randerscheinung. Und eine Randerscheinung bleibt nicht stabil: Sie verliert Breite, Tiefe und Selbstverständlichkeit. Genau deshalb ist Bozen die Nagelprobe für jede Schuldebatte – weil dort sichtbar wird, was passiert, wenn man Deutsch nicht aktiv absichert.

Bildung braucht Sprache – keine Schlagworte

Wer dann noch glaubt, man könne das Problem mit einem neuen Schulmodell wegmoderieren, verwechselt Schlagworte mit Realität. Schule ist kein Spracheninstitut. Schule hat einen Bildungsauftrag. Bildung setzt Sprache voraus. Wer die Unterrichtssprache nicht wirklich beherrscht, kann Inhalte nur halb verstehen, nur halb verarbeiten, nur halb behalten. Am Ende bleibt nicht Bildung, sondern Frust. Nicht Allgemeinwissen, sondern „Durchhalten“. Nicht Selbstbewusstsein, sondern das Gefühl, ständig zu wenig zu sein.

Elternverantwortung ist nicht delegierbar

Trotzdem wird so getan, als müsse das System jede familiäre Entscheidung kommentarlos auffangen. Genau da liegt der Fehler. Ja, die Schule muss fördern. Aber sie kann nicht kompensieren, was im Elternhaus weder gelebt noch unterstützt wird. Und hier braucht es endlich Klartext: Die Familienrealität muss ausschlaggebend sein. Nicht als Gesinnungsprüfung, nicht als Herkunftsdebatte, sondern als nüchterne Voraussetzung für Kinderschutz und Bildungsfähigkeit.

Ohne Deutsch daheim kein Platz in der deutschen Schule

Wer zuhause kein Deutsch spricht – und auch kein tragfähiges deutsches Umfeld bieten kann –, sollte sein Kind nicht in die deutsche Schule schicken. Punkt. Denn was ist die Alternative? Ein Kind in ein System zu setzen, dessen Sprache es nicht ausreichend festigt, und dann zuzusehen, wie Bildung zur Dauerüberforderung wird? Das ist keine „Offenheit“, das ist Verantwortungsflucht. Und es ist unfair gegenüber allen: gegenüber dem Kind, gegenüber der Klasse, gegenüber Lehrpersonen – und gegenüber jenen Familien, die Deutsch bewusst leben und damit die Grundlage schaffen, dass Unterricht überhaupt funktionieren kann.

Verpflichtende Sprachtests vor der Einschreibung

Darum braucht es verpflichtende vorschulische Sprachtests, bevor eingeschrieben wird. Nicht irgendwann, wenn der Schaden schon da ist, sondern vor dem ersten Schultag. Und diese Tests müssen ehrlich sein, nicht kosmetisch. Sie müssen zwei Dinge prüfen: Erstens den Sprachstand des Kindes in der Unterrichtssprache (Hörverstehen, mündlicher Ausdruck, grundlegender Wortschatz – alltagsnah, aber verbindlich). Zweitens die Sprachtragfähigkeit des Elternhauses: Gibt es mindestens eine erziehungsberechtigte Person, die mit der Schule auf Deutsch kommunizieren kann und bereit ist, den Spracherwerb zuhause zu stützen? Ohne dieses Fundament wird die Schule zwangsläufig zum Reparaturbetrieb. Und das ist nicht ihre Aufgabe.

Ein fairer Weg nach oben – aber kein Durchwinken

Damit das fair bleibt, braucht es zugleich einen klaren Weg nach oben. Wer die Schwelle noch nicht erreicht, bekommt nicht nur ein „Nein“, sondern eine Verpflichtung zu echten, intensiven Deutsch-Vorkursen vor der Einschulung, mit anschließender Nachprüfung. Wer nachweislich aufholt, kann wechseln. Wer nicht aufholt oder nicht mitzieht, bleibt im System, dem er sprachlich folgen kann. Das ist sozial, es schützt das Kind – und es schützt die Schule vor Selbstzerstörung.

Wenn das Niveau sinkt, verlieren auch die Fleißigen

Denn man muss auch den Schaden benennen, den das Wegschauen anrichtet: Es trifft nicht nur jene, die ohne stabile Deutschbasis starten. Es trifft genauso die Leistungsstarken. Wenn Unterricht permanent auf Sprachrettung umgestellt wird, sinkt das Niveau, die Inhalte werden flacher, die Klassen werden ausgebremst. Am Ende verlieren die Fleißigen, die Sprachstarken, die Leistungsbereiten – also genau jene, die unsere deutsche Schule eigentlich fördern und nach vorne bringen müsste. So dreht man das System gegen die eigenen Leute und wundert sich später über schleichenden Qualitätsverlust.

Die deutsche Schule ist ein Schutzraum, kein Experiment

Wer Südtirol und seine deutsche Schule ernst nimmt, darf sich nicht länger mit schönen Worten einlullen lassen. Die deutsche Schule ist nicht irgendein Modell unter vielen. Sie ist ein Schutzraum. Ein Kernstück des Minderheitenschutzes. Eine Bildungsinstitution mit klarer Sprache und klarem Auftrag. Wer diesen Auftrag verwässert, schwächt nicht nur Stundenpläne, sondern unsere Zukunft.

Deutsch sichern, bevor man von „Mehrsprachigkeit“ träumt

Darum muss die Debatte endlich auf den Boden der Realität zurück: Deutsch sichern, bevor man von „Mehrsprachigkeit“ träumt. Zugang zur deutschen Schule nur dort, wo Deutsch zuhause real getragen wird – überprüft durch vorschulische Sprachtests, abgesichert durch verpflichtende Vorbereitung, konsequent umgesetzt. Man sollte diese Diskussion nicht nach dem Maßstab führen, was politisch gut klingt, sondern danach, was Kindern wirklich hilft und unsere Volksgemeinschaft tatsächlich stärkt.

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