von ih 06.02.2026 16:56 Uhr

Armut trotz Arbeit: Jeder fünfte Südtiroler Haushalt gilt als gefährdet

Trotz Erwerbsarbeit geraten immer mehr Familien in Südtirol finanziell unter Druck. Jeder fünfte Haushalt gilt inzwischen als armutsgefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt ein Austausch zwischen der Sozialen Mitte der SVP und Vertretern der Caritas. Dabei wurde deutlich: Steigende Lebenshaltungskosten und fehlende finanzielle Rücklagen bringen selbst berufstätige Menschen zunehmend in Schwierigkeiten.

Bild: APA/dpa

Bei dem Treffen mit Caritas-Direktorin Beatrix Mairhofer und Petra Priller, Leiterin der Schuldnerberatung, schilderten die Fachstellen eine wachsende Zahl an Hilfesuchenden, die trotz regelmäßigen Einkommens kaum bis zum Monatsende kommen. Besonders problematisch seien außerordentliche Ausgaben wie Reparaturen, medizinische Behandlungen oder andere unvorhergesehene Kosten. Diese könnten Haushalte schnell aus dem Gleichgewicht bringen.

„Wir sehen in unseren Beratungsstellen immer häufiger arbeitende Menschen, die dennoch arm sind“, erklärt Mairhofer. Armut sei längst kein Randphänomen mehr. Betroffen seien nicht nur Arbeitslose, sondern auch Familien, Alleinerziehende und Paare mit zwei Einkommen, deren finanzielle Spielräume durch hohe Fixkosten stark eingeschränkt seien.

Wer hauptsächlich betroffen ist

Überdurchschnittlich häufig betroffen seien Beschäftigte in gering qualifizierten Tätigkeiten, etwa im Reinigungsbereich oder als Hilfspersonal. Gabi Morandell, Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, betonte, dass diese Berufsgruppen eine wichtige gesellschaftliche Leistung erbringen. Dass Vollzeitarbeit dennoch nicht ausreiche, um Rücklagen zu bilden, sei nicht hinnehmbar.

Auch aus Sicht der Schuldnerberatung verschärft sich die Lage. Viele Haushalte gerieten bereits durch kleinere unerwartete Ausgaben in eine finanzielle Schieflage, so Petra Priller. Schulden entstünden häufig nicht durch übermäßigen Konsum, sondern aus Notwendigkeit. Die dauerhafte finanzielle Unsicherheit bedeute für die Betroffenen eine hohe psychische Belastung und nehme ihnen Zukunftsperspektiven.

Politischer Fokus soll verstärkt werden

Die Soziale Mitte der SVP kündigt in diesem Zusammenhang an, die Ergebnisse des Gesprächs auf politischer Ebene einzubringen. Ziel sei es, existenzsichernde und faire Löhne stärker in den Fokus zu rücken, damit Erwerbsarbeit wieder verlässlich vor Armut schützt.

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