von Alexander Wurzer 06.02.2026 09:11 Uhr

Südtirolmobil und die Trikolore: Wie landeseigene Werbung unsere Identität klein macht

Erst vor wenigen Tagen wurde im Südtiroler Landtag ein Beschlussantrag der Süd-Tiroler Freiheit diskutiert, ob Südtirol im Sport endlich mehr Eigenständigkeit braucht – bis hin zum Antreten unter eigener Flagge. Auch die Freiheitlichen verlangen eine Sportautonomie: ihr Obmann Roland Stauder bringt es auf den Punkt: Unsere Athleten dürfen bislang nur unter italienischer Flagge antreten – und unserem Land wird damit gelebte Identität verwehrt.

Südtirolmobil wirbt für nachhaltige Winterspiele mit der italienischen Fahne (Quelle: Facebook/südtirolmobil)

Und während diese Debatte noch warm ist, während viele Südtiroler genau hier eine offene Wunde spüren, serviert uns ausgerechnet Südtirolmobil eine kommunikative Bankrotterklärung: Ein Werbefoto zur kommenden Olympiade – mit Landeslogo im Eck – und ein Kind, das fröhlich die italienische Trikolore – spiegelverkehrt auch noch – in die Kamera hält. Als wäre das der natürlichste Ausdruck „unseres“ Südtirol.

Nein. Ist es nicht. Und genau deshalb ist es so unverständlich.

Wenn Landesmarketing zum Selbstverrat wird

Südtirolmobil ist kein privater Account, kein „kreatives Projekt“ irgendeiner Agentur, die halt irgendwas postet. Südtirolmobil gehört dem Land. Es ist öffentliche Kommunikation – finanziert von Bürgern, die ein Recht darauf haben, dass ihre Institutionen dieses Land nicht kleinreden, nicht kleinzeigen und nicht kleinbebildern.

Und genau das passiert hier: Ein landeseigenes Unternehmen stellt Südtirol – im olympischen Kontext – unter die Trikolore. Nicht als beiläufiges Detail, sondern als Blickfang. Als Signal. Als Botschaft.

Die Botschaft lautet: „Wir sind halt Italien, passt schon.“ Und Südtirol darf dekorativ im Hintergrund lächeln.

Wer so kommuniziert, hat nicht verstanden, was Autonomie bedeutet. Autonomie ist nicht nur ein Gesetzestext, kein Verwaltungsbaukasten. Autonomie ist Würde. Autonomie ist Haltung. Autonomie ist das Recht, sich selbst zu zeigen – und nicht ständig unter fremdem Banner mitzulaufen.

Wollen wir uns so vorstellen? Muss das sein?

Natürlich geht es nicht um das Kind. Es geht um die Entscheidung, genau dieses Motiv zu wählen, genau dieses Symbol prominent zu platzieren – und das Ganze mit Landesbranding zu versehen. Das ist keine „unschuldige“ Bildsprache. In Südtirol gibt es keine unschuldige Symbolsprache, wenn es um Flaggen geht. Das weiß jedes Gemeindeamt, das weiß jede Landesabteilung, das weiß jede Öffentlichkeitsarbeit.

Und genau deshalb ist dieses Bild nicht nur ungeschickt. Es ist grob fahrlässig.

Denn während Südtiroler Athleten seit Jahrzehnten erleben, dass sie sportlich für Italien Punkte machen, Medaillen holen, Hymnen hören – und das eigene Land dabei kaum sichtbar ist – kommt jetzt ein landeseigener Player daher und normalisiert das auch noch. Er macht es zum Wohlfühl-Motiv. Zur Postkartenidylle.

Das ist nicht harmlos. Das ist eine Ohrfeige.

Warum ausgerechnet die Trikolore?

Es gäbe tausend Möglichkeiten, Olympiavorfreude zu zeigen: Menschen, Emotion, Bewegung, Berge, Winter, Begegnung, Mobilität. Wenn Südtirolmobil für öffentliche Verkehrsmittel wirbt: Bitte. Das ist ihr Auftrag. Aber wieso muss dazu die italienische Flagge herhalten?

Wenn es um Identität geht, dann hat dieses Land eigene Symbole, eigene Farben, eine eigene Geschichte und eine eigene kulturelle Prägung. Südtirol ist nicht irgendein italienischer Provinzhinterhof, den man je nach Anlass mit einer staatlichen Fahne überklebt.

Und gerade im Sport, gerade im olympischen Umfeld, wo die Frage der Sichtbarkeit Südtirols so brennt, ist ein solches Bild nicht einfach „ein Foto“. Es ist ein Statement. Und zwar eines, das vielen Menschen den Magen umdreht.

Konsequenzen: Motiv runter, Erklärung her, Leitlinien auf den Tisch

Südtirolmobil muss dieses Motiv umgehend zurückziehen oder ersetzen. Nicht irgendwann. Nicht beim nächsten Kampagnenwechsel. Sofort.

Und es braucht eine klare, öffentliche Antwort: Wer hat dieses Bild beauftragt? Wer hat es freigegeben? Welche Kommunikationsrichtlinien gelten bei der landeseigenen STA – Südtiroler Transportstrukturen AG und bei Südtirolmobil, wenn es um Symbolik und Identität geht? Und warum hat hier offenbar niemand den Mut gehabt, zu sagen: „Stopp – so nicht“?

Wenn die Landespolitik Autonomie ernst meint, dann darf sie das nicht als „Aufregung“ abtun. Denn Autonomie stirbt nicht nur durch Zentralismus. Sie stirbt auch durch Selbstverzwergung. Durch ein ständiges Ducken. Durch PR, die das Eigene unsichtbar macht und das Fremde als Standard verkauft.

Südtirol ist keine Kulisse. Und Landesbetriebe sind nicht dazu da, uns klein zu zeigen.

Wer Südtirolmobil führt, führt Verantwortung. Und Verantwortung heißt: Dieses Land so darzustellen, wie es ist – eigen, historisch gewachsen, autonom, mit einer Identität, die nicht zum Accessoire in einem Marketingbild verkommt.

Wir wollen bessere Mobilität. Wir wollen gute Werbung. Wir wollen eine gelungene Olympiastimmung. Aber wir wollen nicht, dass landeseigene Kommunikation uns ausgerechnet dort, wo unsere Sichtbarkeit seit Jahrzehnten beschnitten wird, auch noch mit der Trikolore „einrahmt“.

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