DÖW zitiert Haimbuchner in Rechtsextremismusbericht – wegen Amplatz-Film

Der Film „Luis Amplatz – Im Labyrinth von Leben und Tod“ (Regie: Werner Neubauer, ehemaliger Abgeordneter zum Nationalrat für die FPÖ) ist eine ausführliche Dokumentation über Amplatz’ Leben. Also kein Aufmarsch, keine Kampfansage, kein politischer Umsturzplan – sondern ein Erinnerungswerk. Und dennoch landet er im Kapitel eines Rechtsextremismusberichts.
An dieser Stelle lohnt eine kurze Einordnung: Das DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Wiederstandes) ist seit Jahren umstritten. Immer wieder gibt es politische und mediale Debatten darüber, ob das Archiv bei der Bewertung und Einordnung von Personen und Milieus zu weit geht oder methodisch zu großzügig arbeitet. Kritiker sprechen von politischer Rahmung, das DÖW weist solche Vorwürfe zurück. In genau dieses Spannungsfeld fällt nun auch der Fall Haimbuchner.
Ein Satz – und plötzlich wird daraus ein „Fall“
Das DÖW nennt Haimbuchner nicht wegen einer strafbaren Handlung, nicht wegen einer Organisation, nicht wegen irgendeines Delikts. Sondern wegen eines Zitats. Im Bericht heißt es, Haimbuchner habe die Südtiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre als „mutige[ ] Freiheitskämpfer“ gewürdigt und erklärt: „Ihr Einsatz verhinderte, dass Südtirol von der Landkarte verschwindet und auch eine deutsche Zukunft hat.“
Damit wird aus einem Grußwort ein „Belegstück“. Aus einem Satz, der in Südtirol für viele aus dem Bauch heraus verständlich ist, wird im Wiener Bericht ein Marker: Hier sei etwas „problematisch“. Nicht offen ausgesprochen, aber so platziert, dass es wirkt. Genau so funktioniert Stigmatisierung: Nicht mit Handschellen, sondern mit Schlagworten. Nicht mit Verboten, sondern mit Einordnungen, die einen Schatten werfen.
Südtirol ist keine Fußnote – Amplatz ist keine Figur für kalte Akten
Wer Südtirol nur aus Debattenpapieren kennt, versteht nicht, warum das so aufwühlt. Südtirol ist nicht einfach „ein Land“ – es ist Minderheitenrealität. Es ist Sprache, die verteidigt werden muss. Es ist Identität, die über Jahrzehnte unter Druck stand. Es ist das Gefühl, oft genug von außen belehrt worden zu sein: was man zu denken habe, wie man zu reden habe, was man noch erinnern dürfe.
Und Luis Amplatz? Für viele ist er nicht „Diskussionsstoff“, sondern eine Gestalt, die für Mut steht – für den Versuch, Südtirol aus einer Lage zu befreien, die viele als italienische Geiselhaft empfanden: politisch, kulturell, sprachlich. Ob man jede Methode gutheißt oder nicht, ändert nichts daran, dass Amplatz in Südtirol von vielen als Held gesehen wird, als einer, der nicht wegschaut, wenn die eigene Heimat langsam entkernt wird.
Gerade deshalb wirkt es so respektlos, wenn ein Wiener Archiv diese Erinnerung nicht als Südtiroler Schicksalsgeschichte behandelt, sondern als Material, das sich in einem Extremismusbericht verwerten lässt.
Der Filmabend ist harmlos – die Rahmung ist eine Abwertung
Ein Filmabend über Amplatz wird im Bericht nicht als Kulturereignis behandelt, sondern als Anknüpfungspunkt. Der Mechanismus ist einfach: Ein Abend, ein Grußwort, ein herausgegriffener Satz – und schon ist die Verbindung zum Extremismus-Bericht hergestellt. Der Eindruck bleibt hängen, auch wenn er nicht laut ausgesprochen wird.
Das ist der Punkt, an dem viele sagen: Hier geht es nicht mehr um Dokumentation. Hier geht es um Deutungshoheit. Um die Frage, wer erinnern darf – und wie. Und um die Botschaft, dass eine Südtiroler Sicht auf die eigene Geschichte offenbar nur dann akzeptabel ist, wenn sie vorher durch ein Wiener Moral-Sieb gepresst wurde.
Was am Ende bleibt: ein Schatten über Erinnerung und Debatte
Der Skandal ist nicht die Vorführung. Der Skandal ist, dass historisches Erinnern so behandelt wird, als müsse man es in einem Extremismusbericht „mitführen“. Dass ein Landeshauptmann-Stellvertreter aufgrund eines Grußwortes in genau diesem Rahmen auftaucht. Und dass am Ende weniger über Geschichte gesprochen wird – sondern mehr über Etiketten.
So entsteht keine Aufklärung. So entsteht ein Klima. Ein Klima, in dem Südtiroler Heldenstories nicht mehr einfach erzählt werden dürfen, ohne dass irgendwo ein Aktenvermerk mitschwingt. Und wer das spürt, der versteht auch den Zorn: Nicht, weil man Diskussion fürchtet – sondern weil man sich die eigene Geschichte nicht noch einmal wegnehmen lassen will.
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