von lif 05.02.2026 09:27 Uhr

Bergrettung kostenpflichtig?

Die Debatte um Gebühren für Bergrettungseinsätze in Südtirol hat durch eine neue Regelung in den Abruzzen neuen Schwung bekommen. Immer häufiger melden Retter unnötige oder leichtsinnige Notrufe. In Südtirol bleibt die Berg- und Flugrettung derzeit für die meisten Fälle kostenlos, doch Diskussionen über Selbstbeteiligung bei Missbrauch werden lauter.

Foto: Bergrettung Meran

Die Flugrettung Südtirol (Heli – Flugrettung Südtirol und Aiut Alpin Dolomites) betreibt vier Rettungshubschrauber an Standorten wie Bozen, Brixen, Laas und Gröden. Im vergangenen Jahr (Stand 2024/2025) wurden 3.359 Einsätze mit insgesamt 128.479 Flugminuten geflogen. Die Gesamtkosten für die Flugrettung belaufen sich jährlich auf rund 19 Millionen Euro, wovon etwa zehn Millionen durch Rückflüsse von Versicherungen abgedeckt werden. Ein durchschnittlicher Helikoptereinsatz dauert rund 40 Minuten und kostet rund 5.600 Euro.

Die Bergrettung ist ehrenamtlich organisiert. In Südtirol engagieren sich rund 700 freiwillige Bergretter in 21 Ortsstellen. Sie unterstützen bei Bodeneinsätzen, während Helikopter für schwere Fälle oder schnelle Bergungen eingesetzt werden.

Unnötige und leichtsinnige Einsätze

Bergretter berichten von einem zunehmenden Problem: Viele Einsätze entstehen durch fehlende Ausrüstung, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten oder Ignoranz von Warnungen. Auf nationaler Ebene meldete das CNSAS für 2023 insgesamt 4.342 Missionen, wovon jeder zehnte wegen mangelnder Ausrüstung zustande kam. In Südtirol schätzt Thomas Hellrigl, Landesleiter der Bergretter im AVS, dass etwa jeder fünfte Einsatz unnötig ist, besonders in touristischen Hotspots wie den Dolomiten.

Bei einer Fachtagung in Bozen im November 2024 kritisierte CNSAS-Präsident Giorgio Gajer: „Wir sind keine Flugtaxis.“ Viele Touristen behandelten die Alpen wie einen Freizeitpark, riefen bei Erschöpfung oder leichten Verletzungen den Helikopter und verließen das Land oft ohne Zahlung. Beispiele reichen von Wanderern in Sneakers auf verschneiten Wegen bis zu Ignoranz von Wegsperrungen.

Positionen der Retter und Organisationen

Die Bergrettung selbst fordert keine generelle Kostenpflicht, betont aber Prävention und Verantwortung. Der AVS bietet Mitgliedern umfassenden Versicherungsschutz: Bergungskosten (einschließlich Helikopter), medizinische Behandlungen und Rücktransporte werden weltweit bis zu 25.000 Euro übernommen, inklusive in Südtirol. Viele Einheimische und regelmäßige Berggeher sind dadurch abgedeckt.

Retter wie Hellrigl warnen davor, dass sie nicht über „Notwendigkeit“ entscheiden sollten, denn das würde die Einsatzbereitschaft behindern. Stattdessen plädieren sie für mehr Aufklärungskampagnen zu Saisonbeginn und bessere Schulung von Touristen.

Vergleiche zu anderen Regionen

In Italien variiert diese Regelung stark:

  • Abruzzen: Seit Januar 2026 sind „unvernünftige“ Einsätze (keine medizinische Notlage, Ignoranz von Regeln) kostenpflichtig. Einheimische erhalten 20 Prozent „Rabatt“.
  • Welschtirol: Seit längerem 750 Euro für Helikopterrettungen ohne Krankenhausaufenthalt bei Selbstverschulden.
  • Venetien: Bis zu 1.000 Euro möglich.

In Südtirol fehlt bisher eine gesetzliche Grundlage für Gebühren, da die Rettung ehrenamtlich und landesfinanziert ist. Eine neue Regionalverordnung wäre nötig, wie in anderen italienischen Regionen.

Aktueller Stand und Ausblick in Südtirol

Die Landesregierung hat bisher keine Gebühren eingeführt. Die Flugrettung bleibt für Provinzansässige oft mit einem geringen Ticket (z. B. 100 Euro) versehen, wird aber meist von Versicherungen übernommen. Die Debatte nahm durch die Abruzzen-Regelung Fahrt auf, weil Befürworter darin einen Weg sehen, Missbrauch einzudämmen und Steuergelder zu schonen. Gegner warnen vor Abschreckung echter Notfälle und bürokratischen Hürden bei der Feststellung von „Unnötigkeit“.

Prävention bleibe zentral: Bessere Markierungen, Apps mit Wetter- und Weginfos sowie Kampagnen des AVS und CNSAS sollen Leichtsinn reduzieren. Ob Südtirol folgt, hängt von politischen Entscheidungen ab.

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