von mmh 03.02.2026 17:51 Uhr

Karl Renners gescheiterter Appell: Warum Südtirol 1946 nicht zu Österreich zurückkehrte

Vor genau 80 Jahren richtete sich ein eindringlicher Appell aus Wien an Moskau – und verhallte ungehört. Am 6. Februar 1946 wandte sich der damalige österreichische Bundespräsident Karl Renner in einer Denkschrift an den sowjetischen Machthaber Josef Stalin. Sein Ziel war klar: die Rückgabe Südtirols an Österreich. Trotz ausführlicher historischer, sprachlicher und strategischer Begründungen blieb der Vorstoß erfolglos. Südtirol verblieb bei Italien.

Karl Renner(Foto: Bildarchiv ÖNB)

Anlässlich dieses Jahrestages erinnert der Andreas-Hofer-Bund für Tirol an ein Dokument, das bis heute als Mahnmal für ein ungelöstes historisches Unrecht gilt. Für den Bund zeigt die Denkschrift deutlich, dass das Unrecht der Teilung Tirols selbst auf höchster staatlicher Ebene erkannt wurde – jedoch aus machtpolitischen Gründen nicht korrigiert werden konnte oder wollte.

Ein anerkanntes Unrecht ohne politische Konsequenzen

Der Obmann des Andreas-Hofer-Bundes, Alois Wechselberger, verweist darauf, dass Renner unmissverständlich festhielt, Südtirol sei historisch, geografisch und kulturell untrennbar mit Tirol verbunden. Dass diese Erkenntnis selbst nach dem Zusammenbruch des Faschismus nicht zu einer gerechten Lösung führte, bezeichnet Wechselberger als historisches Versagen der Nachkriegsordnung.

In seiner Denkschrift argumentierte Renner unter anderem, dass die Brennergrenze weder militärisch noch politisch sinnvoll sei. Zudem warnte er davor, dass die Abtrennung Südtirols eine schwere Belastung für die Stabilität Mitteleuropas darstelle. Besonders bemerkenswert ist, dass Renner bereits 1946 den Zusammenhang zwischen der Zerstückelung Tirols und dem späteren Anschluss-Problem klar benannte.

Südtirol-Frage als europäische Mahnung

Nach Ansicht des Andreas-Hofer-Bundes erkannte Renner damit früh, dass die Teilung Tirols nicht nur ein regionales Thema sei, sondern weitreichende Auswirkungen auf Europa habe. Seine Warnung, historische Fehler nicht zu wiederholen, sei jedoch ignoriert worden – mit Konsequenzen, die bis heute spürbar seien.

Für den Bund ist das Schreiben ein klarer Beweis dafür, dass die Zugehörigkeit Südtirols zu Tirol auch nach 1945 keineswegs vergessen oder akzeptiert war. Die Südtirol-Frage sei keine nostalgische Debatte, sondern eine Frage von Recht, Geschichte und europäischer Ordnung. Südtirol sei das Herzland Tirols, betont Wechselberger.

Der Andreas-Hofer-Bund sieht es weiterhin als Auftrag, dieses historische Bewusstsein wachzuhalten und für das Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler einzutreten. Gleichzeitig fordert der Bund, dass Dokumente wie Renners Denkschrift stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollen – als Mahnung, ungelöste nationale Fragen nicht dauerhaft zu verdrängen.

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