von mmh 30.01.2026 16:03 Uhr

Volksbefragung zur Zukunft des Wehrdienstes angekündigt

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat am Freitag eine Volksbefragung zur Klärung der Frage über die künftige Ausgestaltung des Wehrdienstes in Österreich ins Spiel gebracht. Deren Ausgang soll laut Stocker für die Bundesregierung bindend sein. Begrüßt wurde die Ankündigung von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). Seine Koalitionspartner SPÖ und NEOS hat er damit aber offenbar überrascht.

APA/THEMENBILD

Auf SPÖ-Seite zeigte man sich zurückhaltend und verwies auf koalitionsinterne Verhandlungen. „Der Bericht der Wehrdienstkommission wird in der Regierung intensiv analysiert und diskutiert. Ob eine Volksbefragung notwendig oder sinnvoll ist, muss gemeinsam auf Regierungsebene besprochen werden“, hielt Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim fest. Selbiges war auch aus dem Büro von Vizekanzler Andreas Babler zu vernehmen.

Auch die NEOS zeigten sich in einer ersten Reaktion verhalten: NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos merkte in einer Aussendung an, dass man sich bezüglich des Berichts der Wehrdienstkommission in der Koalition „auf einen parlamentarischen Prozess“ festgelegt habe. Auf diese Weise wolle man möglichst „rasch eine Einigung im Sinne der Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher“ erzielen.

Tanner nennt Vorschlag "gut und richtig"

Auf viel Gegenliebe stieß Stockers Vorschlag freilich bei Parteikollegin Tanner. Die Verteidigungsministerin nannte diesen „gut und richtig“. Die Menschen direkt und demokratisch über große Zukunftsfragen entscheiden zu lassen, sei bei derartigen Entscheidungen „ein sehr guter Weg“. Bereits 2013 sei das Volk über die Zukunft der Wehrpflicht befragt worden, betonte Tanner: „Jetzt liegt wieder eine große Weichenstellung vor uns.“

Auch die Grünen können einer Volksabstimmung zur Zukunft der Wehrpflicht „grundsätzlich Positives abgewinnen“. Die Bevölkerung an Entscheidungen beteiligen, sei ein „vernünftiger Kurs“, wie die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Sigi Maurer, findet: „Wir sollten dabei nicht vergessen, gerade die jungen Stimmen zu hören – und darauf zu achten, dass diese nicht untergehen.“

FPÖ-Chef Herbert Kickl wiederum bezeichnete Stocker als „Ankündigungsweltmeister ohne Ergebnisse“. Die nun vom Kanzler ventilierte Volksbefragung würde Kickl erweitern, nämlich darum, ob die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland weiter finanziell unterstützt werden solle.

Bereits 2013 Volksbefragung zur Wehrpflicht

Bereits im Jahr 2013 wurde die Bevölkerung zur Wehrpflicht befragt. Bei der Volksbefragung am 20. Jänner ging es um die Frage, ob die allgemeine Wehrpflicht und der Zivildienst beibehalten werden oder ein Berufsheer eingeführt werden soll. Damals sprachen sich 59,7 Prozent für die Beibehaltung der Wehrpflicht aus. 52,4 Prozent der Stimmberechtigten nahmen an der Volksbefragung teil.

APA

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