Social-Media-Abhängigkeit: US-Internetriesen vor Gericht

Der Prozess in Kalifornien dürfte wegweisend sein für die sich abzeichnende Flut weiterer Prozesse gegen Internetkonzerne. Nach der Auswahl der Geschworenen ist der eigentliche Prozessbeginn vor dem Gericht des US-Bundesstaates Kalifornien in der ersten Februarwoche geplant. Als Zeuge soll unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg befragt werden. Tech-Konzernen wie seinem wird in hunderten Klagen vorgeworfen, junge Nutzerinnen und Nutzer abhängig gemacht und bei ihnen damit zu Depressionen, Essstörungen, Psychiatrie-Aufenthalten oder sogar Suizid geführt zu haben.
Strategien wie in Prozesswelle gegen die Tabakindustrie
Die Anwälte der Kläger nutzen in ihrem Rechtsstreit gegen Meta & Co. bewusst Strategien wie in der Prozesswelle in den 1990er und 2000er-Jahren gegen die Tabakindustrie. Wegen gesundheitlicher Auswirkungen des Rauchens wie Krebserkrankungen hatten damals zahlreiche Konsumenten erfolgreich gegen Tabakkonzerne geklagt. Sie hatten damals argumentiert, die Unternehmen machten mit einem schädlichen Produkt auf Kosten der Gesundheit ihrer Kunden Geld.
Im Mittelpunkt des Prozesses in Los Angeles steht der Fall einer 19-jährigen Frau, deren Name mit K.G.M. abgekürzt wird. Sie wirft den Betreibern von Online-Netzwerken vor, sie abhängig gemacht und dadurch schwere psychische Schäden bei ihr verursacht zu haben.
Schwieriger Nachweis
„Das ist das erste Mal, dass ein Social-Media-Unternehmen sich vor Geschworenen wegen der Schädigung von Kindern verantworten muss“, sagt der Gründer der Initiative Social Media Victims Law Center, Matthew Bergman, dessen Team an mehr als tausend solcher Klagen beteiligt ist.
„Die Tatsache, dass K.G.M. und ihre Familie jetzt in einem Gericht auf Augenhöhe den größten, mächtigsten und reichsten Unternehmen der Welt gegenüber stehen, ist an sich schon ein sehr bedeutsamer Sieg“, sagt Bergman. Er räumt ein, dass es trotz zahlreicher Beweise nicht einfach werde, den Tech-Konzernen nachzuweisen, dass sie ihre Online-Netzwerke absichtlich als Suchtfalle programmierten.
Weitere Klagen eingereicht
„Wir werfen ihnen vor, dass sie ihre Plattformen so konstruieren, dass sie Kinder abhängig machen, und dass sie Algorithmen entwickeln, die Kindern nicht zeigen, was sie sehen möchten, sondern Inhalte, bei denen sie nicht wegschauen können“, fasst Bergman es zusammen.
APA/UT24Â






