von mmh 22.01.2026 14:02 Uhr

Medizinische Spitzenleistung: Lebensrettender Eingriff bei wenige Tage altem Baby in Bozen

Ein hochkomplexer und lebensrettender Eingriff ist der Kinderchirurgie am Landeskrankenhaus Bozen kürzlich bei einem nur wenige Tage alten Baby gelungen. Bei dem Neugeborenen mit dem Namen Luca (Name geändert) war bereits vor der Geburt eine seltene Fehlbildung festgestellt worden, die rasches medizinisches Handeln erforderlich machte.

Bild: APA (AFP)

Diagnostiziert wurde die sogenannte Zwerchfellhernie noch während der Schwangerschaft von Federica Verdi, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Bozen und landesweit verantwortlich für pädiatrische Fehlbildungen. Dabei handelt es sich um eine Lücke im Zwerchfell, durch die Bauchorgane wie Dünn- und Dickdarm, Leber, Milz und Magen in den Brustkorb verlagert werden. Die Fehlbildung tritt statistisch bei einem von 3.000 bis 4.000 Neugeborenen auf und kann unbehandelt die Lungenentwicklung sowie den Herz-Kreislauf schwer beeinträchtigen.

Drei Millimeter- Schnitte

Das Team der Kinderchirurgie am Landeskrankenhaus Bozen bereitete den anspruchsvollen Eingriff unter der Leitung von Paola Zaupa sorgfältig vor. Operiert wurde Luca schließlich bereits in den ersten Lebenstagen von Michele Corroppolo gemeinsam mit Zaupa und Francesca Grandi.

Die Operation erfolgte thorakoskopisch, also minimal-invasiv, über nur drei Millimeter kleine Schnitte im Brustkorb. Besonderheit dabei war, dass der Eingriff direkt auf der Neugeborenen-Intensivstation durchgeführt wurde. Dies erforderte ein exakt abgestimmtes Zusammenspiel von Kinderchirurgen, Neonatologen, Anästhesisten und Pflegepersonal. Die Kinderanästhesie stand unter der Leitung von Egon Glöggl.

Intensive Betreuung und gute Prognose

Vor und nach der Operation wurde das Baby auf der Neugeborenen-Intensivstation unter der Leitung von Alex Staffler intensiv betreut. Neben der Stabilisierung und Beatmung galt es, die Lungenfunktion, den Kreislauf sowie die Schmerztherapie engmaschig zu überwachen. Schrittweise konnte Luca schließlich von der Beatmung entwöhnt werden.

Woche für Woche besserte sich sein Zustand deutlich. In den Nachkontrollen bestätigte sich die korrekte anatomische Lage der Organe. Heute ist Luca – abgesehen von wenigen Ausnahmen – ein Neugeborenes wie viele andere. Auch die Narbe wird später kaum sichtbar sein, da der Eingriff minimal-invasiv durchgeführt wurde.

„Ohne diese Operation wäre die Prognose für unseren kleinen Patienten schlecht gewesen“, betont Corroppolo. Früher hätten Kinder mit dieser Fehlbildung nur eine geringe Lebenserwartung gehabt. Der erfolgreiche Verlauf sei ein Beispiel für das reibungslose Zusammenspiel moderner Technik und interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kinderchirurgie, Neonatologie, Anästhesie, Gynäkologie, Radiologie und Pädiatrie.

Anerkennung für das gesamte Team

Auch Sanitätsdirektor Josef Widmann zeigte sich beeindruckt von der Leistung: Der Eingriff sei eine große medizinische und menschliche Leistung und zeige, welche komplexen Operationen bereits am Lebensanfang möglich seien.

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