von lif 21.01.2026 16:03 Uhr

„Südtirol riskiert eine Generation kluger Köpfe zu verlieren“

Südtirol verliert zunehmend junge, ausgebildete Menschen, nicht weil sie wegwollen, sondern weil ihnen hier faire und stabile Arbeitsbedingungen fehlen. „Der in der vergangenen Woche verabschiedete Beschlussantrag von Harald Stauder war deshalb goldrichtig. Wir müssen hier allerdings auch verstärkt die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Die Möglichkeiten des Landes sind begrenzt. Stichwort: ordentliche Arbeitsverhältnisse ab Arbeitsbeginn und angemessene Löhne“, betont Gabi Morandell. 

Foto: APA (Archiv)

Besonders deutlich zeige sich das derzeit im Bereich der Architekten. Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP Gabi Morandell beschreibt eine Entwicklung, die exemplarisch für viele Branchen steht: Zahlreiche junge Architekten kehren nach dem Studium voller Motivation nach Südtirol zurück, treffen hier jedoch auf eine Arbeitswelt, die ihnen kaum Perspektiven bietet. Prekäre Honorarmodelle, projektbezogene Auftragsverhältnisse, fehlende Festanstellungen und damit einhergehende Unsicherheit prägen den Einstieg ins Berufsleben. Renten- und Sozialbeiträge müssen häufig selbst getragen werden, im Krankheitsfall droht Einkommensverlust , so die Soziale Mitte in einer Mitteilung.

Die aktuelle Arbeitsmarktstudie des Landes bestätigt diesen Trend, dass in einem Fünfjahreszeitraum vor 15 Jahren höchstens rund 1.500 Südtiroler zwischen 20 und 49 Jahren in die deutschsprachigen Nachbarländer ausgewandert sind. Heute sind es rund 7.000 Personen. Ein drastischer Anstieg, der die zunehmende Attraktivität der Arbeitsmärkte in Österreich, Deutschland und der Schweiz verdeutlicht. Damit ergibt sich eine Netto-Abwanderung von etwa 800 Personen pro Jahr, die Südtirol verliert, während sie in den Nachbarländern bessere berufliche Möglichkeiten vorfinden.

Morandell fragt: „Können die lokalen Unternehmen nicht bessere Arbeitsbedingungen für unsere klugen Köpfe anbieten? Gibt es hier nicht auch für sie Spielräume für junge ausgebildete Akademiker?“ und antwortet selbst: „Ganz eindeutig ja, das sollte doch möglich sein.“ Südtirol investiere viel in die Ausbildung seiner jungen Menschen, betont Morandell. „Doch wenn ihnen danach keine stabilen beruflichen Perspektiven geboten werden, verlieren wir jene Talente, die unser Land dringend braucht.“ Damit sich diese Situation ändert, erwartet Morandell auch konkrete Schritte von Arbeitgeberseite. Der Südtiroler Arbeitsmarkt müsse konkurrenzfähig sein, mit fairen Löhnen, klaren Karrierewegen, guter Vereinbarkeit, verlässlichen Arbeitsverhältnissen und einem leistbaren Leben im Land.

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