von mmh 14.01.2026 14:58 Uhr

Kritik vom Schützenbund: Steuergeld für Hütte mit faschistischem Namensgeber

Die genehmigte Förderung von knapp vier Millionen Euro für neue Infrastrukturen der Drei-Zinnen-Hütte (Sepp-Innerkofler-Hütte) sorgt für Diskussionen in Südtirol. Laut einem Bericht der Dolomiten sollen Abwasserleitungen, Stromversorgung und Glasfaser über eine 4,8 Kilometer lange Trasse realisiert werden.

Drei Zinnen Hütte (Foto: © SSB/Richard Andergassen,)

Historische Hintergründe sorgen für Kontroversen

Die Hütte wurde 1883 von der Sektion Hochpustertal des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins errichtet und während des Ersten Weltkriegs zerstört. Nach der Annexion Südtirols durch Italien wurde sie enteignet und dem Club Alpino Italiano – Sektion Padova übertragen. Der Wiederaufbau erfolgte ab 1923 unter dem Namen „Rifugio Antonio Locatelli“. Namensgeber Locatelli war faschistischer Politiker und Militärpilot, der im Abessinienkrieg eingesetzt wurde und propagandistisch als Held gefeiert wurde. Demgegenüber stand Sepp Innerkofler, Hüttenwirt vor dem Krieg und Bergführer der Standschützen, der 1915 im Bereich der Drei Zinnen fiel.

Christoph Schmid, Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, zeigt sich über die Förderung erstaunt: „Gerade vor diesem historischen Hintergrund ist schwer nachvollziehbar, warum ausgerechnet eine Hütte mit dieser belasteten Geschichte und im Eigentum einer CAI-Sektion außerhalb Südtirols so umfangreich gefördert wird.“

Forderung nach Transparenz und Fairness

Besonders kritisch sieht der Schützenbund, dass Hütten des Alpenverein Südtirol (AVS) bei ähnlichen Projekten meist deutlich geringere Zuschüsse erhalten, während die Drei-Zinnen-Hütte außergewöhnlich hohe Förderungen erhält. Schmid fordert eine politische Klarstellung: Nach welchen Kriterien werden Landesmittel vergeben? Warum spielen historische Verantwortung, Eigentumsverhältnisse und Gleichbehandlung südtiroler Vereine offenbar keine Rolle?

„Wer Millionen an Steuergeld in eine Hütte investiert, die einem Verein außerhalb Südtirols gehört, einen offen faschistischen Namensgeber trägt und bis heute ihre Geschichte nicht kritisch aufarbeitet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, politisch blind oder bewusst geschichtsvergessen zu handeln“, so Schmid abschließend.

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