Land Südtirol verschleudert 25 Millionen Euro

Zuerst über 10 Millionen – und ein historisch heikler Hintergrund
Schon vor Jahren wurde öffentlich gemacht, dass das Land mehr als 10 Millionen Euro in den Komplex pumpte. Damals ging es nicht nur um Geld, sondern auch um Geschichte: Die Cantore-Kaserne gilt als besonders umstritten, weil sie ursprünglich im Eigentum der Gemeinde stand und im Jahr 1920 im Zuge der italienischen Machtübernahme enteignet wurde.
Genau dieser Punkt macht die Affäre politisch explosiv: Aus Sicht vieler ist das nicht irgendein Gebäude, sondern ein Symbol dafür, wie Südtirol in der Zwischenkriegszeit unter staatlichen Zugriff geriet. Und jetzt sollen ausgerechnet Südtirols Steuerzahler ein Objekt sanieren und aufwerten, das ihnen einst genommen wurde.
Weitere 14 Millionen: Die Kostenspirale dreht sich weiter
Dann kam die nächste Runde: Noch einmal rund 14 Millionen Euro. Begründet wurde das Ganze mit dem Ausbau zu einem Ausbildungs- und Unterkunftsstandort in einer Größenordnung, die in einem Ort wie Innichen keineswegs eine Randnotiz ist.
Wenn in einem Dorf plötzlich Kapazitäten für mehrere hundert Soldaten geschaffen werden, ist das keine „Modernisierung“, sondern eine strategische Weichenstellung. Und genau diese Weichenstellung wird nicht ehrlich diskutiert – sondern budgetär durchgewunken und kommunikativ weichgezeichnet.
Eröffnung mit Polit-Pomp – und plötzlich ist alles „für die Gemeinschaft“
Nun wurde die umgebaute Cantore-Kaserne offiziell eröffnet. Mit großem Aufgebot: Landesspitze, zuständiger Landesrat, Militärführung – alles dabei. Die Botschaft: Hier habe man etwas „Gutes“ geschaffen, hier werde investiert, hier entstehe ein Mehrwert.
Nur: Der Mehrwert für wen?
Die Rechnung: 24,8 Millionen Euro
In offiziellen Angaben ist von einer Gesamtinvestition von mehr als 24,8 Millionen Euro die Rede. De facto bestätigt das genau jene Dimension, die Kritiker seit Jahren als Verschleuderung von Steuergeld anprangern.
Nach mehr als drei Jahren Bauzeit wurden nicht nur Bestandsgebäude saniert, sondern auch drei neue Wohngebäude errichtet. Es wurde ausgebaut, erneuert, vergrößert – kurz: ein Militärstandort wurde auf einen Standard gebracht, den man sich bei zivilen Projekten in Südtirol oft vergeblich wünscht.
Sanierung bis ins Detail – mit Landesgeld
Die Liste der Arbeiten liest sich wie eine komplette Generalüberholung: Sanitäranlagen neu, Räume renoviert, Wohnbereiche neu organisiert, Gemeinschaftsbäder eingerichtet. Innenräume wurden saniert und frisch gestrichen, technische Anlagen modernisiert, Fenster teilweise ersetzt, Anschluss an die Fernwärme hergestellt.
Dazu kommen Außenbereiche: Leitungsnetze, Gehwege, Parkplätze, Grünflächen. Alles auf Vordermann – aber nicht für leistbaren Wohnraum, nicht für Pflegeplätze, nicht für Schulen oder Gemeindeinfrastruktur. Sondern für die Kaserne.
Das „Abkommen“-Argument
Die Landesregierung verweist auf Vereinbarungen zwischen Staat und Land: Man habe im Rahmen eines Militärabkommens Liegenschaften übernommen und sich im Gegenzug zu Bau- und Sanierungsmaßnahmen verpflichtet. Das klingt technisch – ist aber politisch hoch brisant.
Denn Abkommen sind keine Naturgesetze. Sie sind verhandelbar. Und sie sind vor allem eine Frage der Prioritäten. Wer sich freiwillig verpflichtet, zweistellige Millionenbeträge in militärische Infrastruktur zu stecken, setzt ein klares Signal – auch wenn man es rhetorisch als „Umsetzung“ tarnt.
Olympia als Vorwand: Wenn Großereignisse als moralischer Freibrief dienen
Als zusätzliche Rechtfertigung wird angeführt, die Kaserne könne während großer Veranstaltungen als logistischer Stützpunkt dienen und mehrere hundert Soldaten aufnehmen. Das ist ein klassisches Muster: Ein Großereignis wird als politischer Hebel genutzt, um Projekte durchzusetzen, die man sonst viel schwerer argumentieren könnte.
Aus „militärischer Ausbau“ wird so kommunikativ „Sicherheits- und Logistikkonzept“. Aus „Kaserne“ wird „Infrastruktur“. Und aus 25 Millionen Euro wird ein scheinbar alternativloser Posten.
Der Kern des Skandals: 25 Millionen Euro – und niemand muss es wirklich erklären
Der Skandal ist nicht nur die Summe. Der Skandal ist, dass diese Summe offenbar ohne ernsthafte öffentliche Debatte politisch durchrutscht, während in anderen Bereichen jeder Euro dreimal umgedreht wird.
In Zeiten von Wohnungsnot, überlasteten Gesundheitsdiensten, Pflegekrise, Teuerung und klammen Gemeindekassen stellt sich eine einfache Frage: Warum sind 25 Millionen Euro für eine Kaserne möglich – aber für zentrale Bedürfnisse der Bevölkerung oft angeblich nicht?
Ein Militärprojekt wird gefeiert – bezahlt wird es von Südtirol
Am Ende bleibt ein bitterer Eindruck: Ein militärischer Standort wird aufgewertet, geschniegelt und auf modern getrimmt, und die Landespolitik präsentiert das als Erfolg. Die Rechnung tragen die Steuerzahler.
Und genau deshalb wird man dieses Projekt nicht als „Eröffnung“ in Erinnerung behalten, sondern als Symbol dafür, wie leicht in Südtirol Millionen fließen können – wenn es um die falschen Prioritäten geht.






