Südtiroler Heimatbund warnt: Nationalismus trifft Olympiagedanke

Nur noch wenige Wochen trennen uns von der Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitag, 6. Februar 2026, in Mailand und Cortina d’Ampezzo (ladinisch: Ampezo). Für den Südtiroler Heimatbund sind die Spiele politisch und kulturell jedoch auch ein Härtetest. Schon jetzt lasse sich absehen, wie italienische Nationalisten und vielfach unkundige Sportjournalisten über jene Gebiete berichten werden, in denen die Bewerbe stattfinden.
Wenn Berichterstattung Grenzen verwischt
In der verkürzten Wahrnehmung, warnt der Heimatbund, reiche Italien vom Brenner bis nach Sizilien: Das Land werde ausschließlich von Italienern bewohnt, die Trikolore sei allgegenwärtig, alle Bewohner seien stolze Italiener. Alles erscheine als „italienisch“ – von der Küche bis zu den Sportlern. Athleten aus dem Staatsgebiet würden automatisch als italienische Athleten dargestellt, regionale Identitäten gingen dabei unter.
Cortina als ladinisches Gebiet – oft nur Randnotiz
Besonders deutlich könnte dies laut Pressemeldung in Cortina d’Ampezzo werden. Der Heimatbund befürchtet, dass Cortina nur selten – wenn überhaupt – als ladinisches Siedlungsgebiet erwähnt wird. Wenn doch, dann bestenfalls als folkloristische Randnotiz oder kuriose Lückenfüllung. Ladinische Fahnen würden in der Masse italienischer Symbole untergehen, während die Besonderheit des Gebietes medial kaum Gewicht bekomme.
Auch das Pustertal wird plötzlich „italienisch“
Ähnlich sieht der Heimatbund die Gefahr für das Pustertal. Die Pusterer würden staunen, wie „italienisch“ ihr Tal in der Außendarstellung plötzlich erscheine. Bekenntnisse zu Tirol könnten als störend wahrgenommen werden, Tiroler Fahnen als Randerscheinung vermeintlicher Extremisten. Gleichzeitig drohe eine Vermarktung regionaler Traditionen als „italienische Kulinarik“ – bis hin zur Pusterer Küche, die in großer Zahl als Teil eines vereinfachten Italien-Bildes präsentiert werden könnte.
Olympia als Chance für Südtirol – mit klarer Haltung
Dabei, so der Heimatbund, böten die Olympischen Spiele eigentlich eine einmalige Gelegenheit, der Welt Südtirol zu zeigen: seine Geschichte, seine kulturelle Vielfalt und sein Recht auf Freiheit in einem Europa der Regionen. Damit diese Chance genutzt werden könne, brauche es jedoch eine starke Landesregierung, die nicht von nationalistischen Kräften geprägt oder unterwandert sei. Das gegenwärtige Verhalten der politischen Verantwortungsträger zeige aus Sicht des Heimatbundes vielmehr, wie ausgehöhlt Südtirols Identität auf politischer Ebene geworden sei – während sie von der Bevölkerung, von Vereinen und Organisationen weiterhin standhaft verteidigt werde.
Fackellauf Ende Jänner als Generalprobe
Als erste Bewährungsprobe für den Geist dieser Spiele in Italien sieht der Heimatbund den Fackellauf: Vom 27. bis 29. Jänner werde die olympische Flamme durch Südtirol getragen. Genau dann stelle sich die Frage, ob es den Südtirolern gelinge, ihre Tiroler Identität sichtbar zu machen – nicht als Provokation, sondern als selbstverständliche Darstellung historischer und kultureller Realität.






