von Alexander Wurzer 09.01.2026 14:34 Uhr

Weniger Lehrlinge in Tirol: Wirtschaftskrise bremst Betriebe – Tourismus legt zu

Zum Jahresende 2025 sind 9.700 junge Menschen in Ausbildung. Handwerk bleibt stärkster Ausbilder, immer mehr Maturanten wählen die Lehre.

Bild von StockSnap auf Pixabay

Die Lehrlingszahlen in Tirol sind 2025 spürbar gesunken. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 standen laut Wirtschaftskammer Tirol insgesamt 9.700 junge Menschen in einem Lehrverhältnis – im Jahr davor waren es noch 10.125. Das entspricht einem Rückgang von 4,2 Prozent. Auch bei den Neueintritten zeigt sich eine deutliche Abkühlung: Die Zahl der Lehranfänger ging im Vergleich zu 2024 um 7,1 Prozent zurück.

Als Hauptgrund nennt die Wirtschaftskammer die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage. WK-Präsidentin Barbara Thaler spricht von einer „weiterhin sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation für die Tiroler Betriebe“, die sich unmittelbar auf die Ausbildungsbereitschaft auswirke. Viele Unternehmen müssten aktuell mit Zurückhaltung planen – und investieren daher vorsichtiger, auch bei der Nachwuchsausbildung.

Gleichzeitig zeigt sich aber ein differenziertes Bild: Nicht alle Branchen entwickeln sich gleich. Während produzierende Bereiche und der Handel Rückgänge verzeichnen, konnten andere Sektoren gegen den Trend wachsen oder zumindest stabil bleiben. Besonders der Tourismus sowie der Bereich Bank und Versicherung konnten die Lehrlingszahlen ausbauen oder halten. Die Zahlen unterstreichen damit, dass die Lehre weiterhin stark von Branchenkonjunktur, Auftragslage und Personalbedarf abhängt.

Handwerk bleibt klarer Spitzenreiter

Trotz des Rückgangs bleibt die duale Ausbildung breit in der Tiroler Wirtschaft verankert. Die stärkste Sparte ist weiterhin Gewerbe und Handwerk: Dort werden 4.898 Lehrlinge ausgebildet – also rund die Hälfte aller Lehrlinge im Land. Dahinter folgen Industrie (1.226), Handel (1.104) sowie Tourismus und Freizeitwirtschaft (939).

Auch kleinere Sparten tragen zur Fachkräfteausbildung bei: In Transport und Verkehr werden 283 Lehrlinge ausgebildet, in Information und Consulting 176, in Bank und Versicherung 127. Zusätzlich zählt die Wirtschaftskammer 871 Lehrlinge in Betrieben, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen – dazu gehören etwa das Land Tirol, Kammern sowie Berufe wie Ärzte oder Rechtsanwälte. Weitere 76 Lehrlinge werden in überbetrieblichen Ausbildungszentren betreut.

Fast 2.900 Ausbildungsbetriebe – Handwerk stellt die meisten Lehrstellen

Insgesamt bilden in Tirol 2.896 Betriebe Lehrlinge aus. Auch hier dominiert Gewerbe und Handwerk mit 1.739 Lehrbetrieben deutlich. Es folgen Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 351 sowie der Handel mit 326 Betrieben. Die Industrie kommt auf 90 Lehrbetriebe, Information und Consulting auf 115, Transport und Verkehr auf 82, Bank und Versicherung auf 37. Unter „sonstige Lehrberechtigte“ werden 259 Betriebe geführt, die ebenfalls einen Beitrag zur Ausbildung leisten.

Damit bleibt das Lehrstellennetz breit, aber die aktuellen Rückgänge zeigen: Die Zahl der Betriebe allein garantiert noch keine stabilen Lehrlingszahlen. Entscheidend ist, ob Unternehmen in der Lage sind, in einer schwierigen Konjunktur Lehrstellen tatsächlich zu besetzen und die Ausbildung personell wie finanziell zu stemmen.

Trend zur Lehre nach der Matura

Ein Schwerpunkt der Pressemeldung ist ein Trend, den die Wirtschaftskammer ausdrücklich positiv bewertet: Immer mehr Maturanten entscheiden sich für eine duale Ausbildung. Laut David Narr, Fachkräftekoordinator der Wirtschaftskammer Tirol, absolvieren aktuell 410 Maturanten eine Fachberufslehre. Für die Betriebe kann das eine wichtige Ergänzung sein – Maturanten bringen oft zusätzliche schulische Grundlagen mit und können gezielt in Bereichen eingesetzt werden, in denen der Fachkräftemangel besonders spürbar ist.

Narr betont zudem die Ausbildungsqualität in Tirol. Trotz des leichten Rückgangs liege die Fachberufslehre weiterhin „auf einem hohen Niveau“. Als Indikatoren nennt er unter anderem die steigende Zahl diplomierter Lehrlingsausbilder sowie den Ausbau der ausgezeichneten Tiroler Lehrbetriebe: Deren Zahl sei auf 245 gestiegen. In diesen Betrieben werde rund ein Drittel aller Lehrlinge ausgebildet – ein Signal für konsequente Qualitätsarbeit, wie die Wirtschaftskammer hervorhebt.

„Jetzt für morgen ausbilden“ – Blick auf 2026

Mit Blick nach vorne verweist die Wirtschaftskammer auf das aktuelle TOP TIROL Konjunkturbarometer, das für 2026 eine leichte Erholung erwarten lässt. WK-Präsidentin Barbara Thaler und Fachkräftekoordinator David Narr verbinden diese Prognose mit einem klaren Appell an die Betriebe: Gerade jetzt sei es wichtig, frühzeitig in Nachwuchs zu investieren und Fachkräfte auszubilden, statt erst bei besserer Auftragslage wieder zu starten.

Die Botschaft ist eindeutig: Die Lehre bleibt aus Sicht der Wirtschaftskammer ein zentraler Schlüssel für den Arbeitsmarkt und die langfristige Sicherung der Fachkräftebasis. Wer heute ausbildet, soll morgen besser durchstarten können – und Jugendlichen stabile Perspektiven bieten, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

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