von Alexander Wurzer 09.01.2026 12:46 Uhr

Fernpass-Paket: Tunnelstart Ende 2026, Maut nach Verursacherprinzip und mehr Kontrollen

Das Mobilitäts- und Reisebedürfnis steigt, doch die Aufnahmekapazitäten entlang der Fernpassroute bleiben begrenzt. Das betont das Land Tirol in einer aktuellen Medieninformation: Das „Fernpass-Paket“ bringt keinen Ausbau der Straße, sondern Maßnahmen, die die Verbindung sicherer und verlässlicher machen und die Bevölkerung schützen sollen. Gebaut werde ausschließlich mit Blick auf Sicherheit und Entlastung entlang der gesamten Strecke.

Foto: Fernpass (Gemeinde Nassereith), Ort nahe der Passhöhe (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fernpas.jpg)

Baustart für Fernpasstunnel gegen Jahresende 2026

Kernstück ist der Fernpasstunnel. Gegen Ende 2026 sollen die Bauarbeiten starten – zunächst mit der Errichtung einer Baustraße im Bereich der Haarnadelkurve im Gemeindegebiet von Nassereith. Derzeit laufen laut Land Tirol die Behördenverfahren. Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler unterstreicht: „Was wir baulich machen, dient der Sicherheit.“ Die Tunnelprojekte Fernpasstunnel und zweite Röhre Lermooser Tunnel stünden für eine verlässlichere Anbindung über den Fernpass.

Zweite Röhre Lermooser Tunnel ab 2027 geplant

Auch beim Lermooser Tunnel geht es um Sicherheitsstandards. Für den Bau der zweiten Röhre liegen die straßenrechtlichen Bewilligungen bereits vor. Die Bestandsröhre entspreche nicht mehr den aktuellen Anforderungen, weshalb die zweite Röhre „zum Schutz der Bevölkerung des Ehrwalder Beckens unbedingt notwendig“ sei. Ohne dieses Projekt müsste während der Sanierung der bestehenden Röhre über Monate der gesamte Verkehr durch Lermoos geführt werden. Der Baustart für die zweite Röhre ist für 2027 vorgesehen.

Regionale Unterstützung: „Außerfernförderung“ für Haushalte

Neben Infrastrukturmaßnahmen soll die Region Außerfern auch wirtschaftlich gestärkt werden. Vorgesehen ist ein eigenes Regionalförderungsprogramm, die „Außerfernförderung“, die konkret jedem Haushalt zugutekommen soll. Laut Land Tirol läuft dazu derzeit die Ausschreibung, damit die Förderung noch im heurigen Jahr initiiert und den Haushalten zur Verfügung gestellt werden kann.

Finanzierung: 500 Millionen Euro und Maut nach „Verursacherprinzip“

Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 500 Millionen Euro (Preisbasis 2023) in Sicherheit und Lebensqualität investiert werden – nicht nur im Außerfern, sondern auch entlang der B 189 Mieminger Straße. Möglich werde das, weil das Land Tirol mit der Gründung der Fernpassstraße GmbH die Erhaltung und Bewirtschaftung der B 179 Fernpassstraße an eine 100-prozentige Landestochter übertragen hat. Nach Fertigstellung des Fernpasstunnels soll eine Fernpass-Durchzugsmaut eingehoben werden – überwiegend getragen vom Durchreiseverkehr.

Geisler verweist dabei auf die Dimensionen: Aus dem regulären Landesbudget wäre das Paket „selbst ohne Sparzwang niemals stemmbar“. Allein die zweite Röhre des Lermooser Tunnels werde rund 250 Millionen Euro kosten. „Durchreisende zahlen die Investitionen“, so der Landeshauptmannstellvertreter.

Mauttarif nicht willkürlich – Verkehrserhebungen fließen ein

Generelle Mautausnahmen seien aufgrund von EU-Vorgaben nicht möglich, heißt es in der Medieninformation. In der Planung wolle man jedoch rechtliche Spielräume nutzen, um auf die Bedürfnisse der Anrainer einzugehen. Rückmeldungen aus Bevölkerung und Wirtschaft sollen „bestmöglich“ berücksichtigt werden. Gleichzeitig könne der Mauttarif nicht beliebig festgesetzt werden: Er müsse in einem angemessenen Verhältnis zu Investitionen, Erhaltung und Bewirtschaftung der Strecke stehen. Geschäftsführer Klaus Gspan kündigt zudem Verkehrserhebungen im heurigen Jahr an – deren Ergebnisse sollen in Tarifmodell und Mehrfahrtenkarten einfließen.

Verkehrslenkung bleibt: Fahrverbote, Dosierungen und strenge Kontrollen

Unabhängig von den Tunnelprojekten bleibt die B 179 laut Land Tirol ein alpiner Verkehrsweg. Deshalb setzt das Land weiter auf verkehrslenkende Maßnahmen, um die Bevölkerung vor Verkehrsauswirkungen zu schützen. Das LKW-Fahrverbot bleibe notwendig; mehrere Rechts- und verkehrstechnische Gutachten würden die rechtliche Haltbarkeit untermauern, erklären Geisler und Landesrat René Zumtobel. Das Fahrverbot für LKW – ausgenommen Ziel- und Quellverkehr – werde streng und laufend überwacht.

Die Dimensionen: Über 1.400 LKW passieren den Fernpass pro Tag, rund fünf Prozent der durchschnittlich mehr als 14.000 täglichen Fahrzeuge sind LKW mit 40 Tonnen. Im Jahr 2025 stellte die Polizei im Zuge engmaschiger Kontrollen 889 Verstöße gegen das bestehende Fahrverbot fest und ahndete sie. Insgesamt wurden 2025 zudem 3.660 polizeiliche Einsatzstunden für Verkehrssicherheit geleistet. Kontrollen würden fortgesetzt – „für die Sicherheit auf der Straße und den Schutz der Bevölkerung“, so Zumtobel. Das gelte auch für Fahrverbote für Ausweichverkehr zur Sicherung der Versorgung. In Kürze soll außerdem eine Plakataktion des Landes Tirol auf der B 179 auf Dosierungen sowie Fahrverbote für Ausweichverkehr und LKW als notwendige Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam machen.

Mehr als Tunnel: Projekte entlang der B 189 Mieminger Straße

Das Land betont, das Fernpass-Paket umfasse deutlich mehr als die Tunnelprojekte. Entlang der B 189 Mieminger Straße seien bereits im Vorjahr Maßnahmen zur Entlastung umgesetzt worden: In Obsteig wurde eine neue Geh- und Radwegunterführung errichtet, der Lärmschutz verbessert und der Rückbau der Ortsdurchfahrt abgeschlossen. In Imst soll ein Bypass beim Kreisverkehr „Auf Arzill“ den Regional- vom Durchzugsverkehr entflechten. Für heuer ist in Tarrenz gemeinsam mit der Gemeinde ein weiteres Projekt vorgesehen, das insbesondere die Verkehrssicherheit für Fußgänger verbessern soll.

Blick über die Grenze: Austausch mit dem Allgäu wird intensiviert

Auch grenzüberschreitend will Tirol die Verkehrslage im Blick behalten. Seit Jahresbeginn 2026 folgt das benachbarte Allgäu dem Tiroler Vorbild und setzt zum Schutz der Ortschaften auf Abfahrverbote für Stauausweichverkehr von der Autobahn A7. Der Austausch mit dem Allgäu zur Bewältigung der Verkehrssituation soll laut Land Tirol im heurigen Jahr fortgeführt und intensiviert werden.

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