von mmh 04.01.2026 07:31 Uhr

In Handschellen nach New York: Ex-Präsident Maduro vor US-Gericht

Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela nehmen die Ereignisse weiter an Dynamik zu. Medienberichte zufolge sitzt der entmachtete Präsident Nicolás Maduro inzwischen in den Vereinigten Staaten in Haft. Während Washington von einem geordneten Übergang spricht, wächst international die Sorge vor einer weiteren Eskalation in Lateinamerika.

APA/X account of Rapid Response 47

Maduro in New York inhaftiert

Der bei dem Militäreinsatz der USA gefangen genommene Präsident Venezuelas ist laut US-Medien in New York inhaftiert. Ein vom Weißen Haus auf der Plattform X verbreitetes Video zeigt Maduro in Handschellen, flankiert von Beamten der US-Drogenpolizei DEA, wie er durch einen Gang abgeführt wird. Am Montag soll er vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen. Für die Dauer der Untersuchungshaft ist seine Unterbringung im Metropolitan Detention Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn vorgesehen.

Zuvor war ein Flugzeug mit Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores an Bord in den Vereinigten Staaten gelandet. Mehrere Fernsehsender zeigten am Samstagabend eine Maschine auf einem auch militärisch genutzten Flughafen nahe New York. Nach Angaben der US-Justizministerin Pam Bondi wurden gegen Maduro und seine Ehefrau Anklagen erhoben, darunter wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ und „Verschwörung zum Kokainimport“.

  • Nicolás Maduro als Gefangener auf dem Weg in die USA (Bild: APA/AFP/US President Donald Trump's TRUTH SOCIAL)

Übergangsmacht, internationale Kritik und Machtfragen

Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez bezeichnete das Vorgehen der USA als „Entführung“ und forderte die sofortige Freilassung Maduros. Er sei der einzige Präsident Venezuelas, erklärte sie im Staatsfernsehen. Außenminister Yvan Gil warf den USA vor, mit dem Angriff den Frieden in Lateinamerika gestört zu haben.

US-Präsident Donald Trump erklärte hingegen, die USA würden das ölreiche Venezuela vorerst unter ihre Kontrolle stellen und einen „sicheren, ordnungsgemäßen und angemessenen Übergang“ organisieren. Seine Regierung stehe in Kontakt mit Rodríguez, die sich kooperativ zeige. Zugleich bestätigte Trump, dass der Zugriff auf Maduro im Rahmen der Militäroperation „Absolute Entschlossenheit“ erfolgt sei. Bei Bedarf könnten weitere US-Truppen nach Venezuela entsandt werden.

Politisch sorgte Trump für Aufsehen, als er eine Zusammenarbeit mit der Oppositionsführerin María Corina Machado ausschloss. Die Friedensnobelpreisträgerin von 2025 habe weder ausreichend Unterstützung noch Respekt im Land. Die Aussage löste Empörung bei ihren Anhängern aus.

Die Verfassungskammer des Obersten Gerichtshofs von Venezuela ernannte Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin, um die staatliche Kontinuität zu wahren. Welche tatsächliche Rolle sie angesichts der faktischen Machtübernahme der USA spielen wird, ist offen. Zeitgleich strichen zahlreiche internationale Fluggesellschaften vorübergehend ihre Flüge in die Region. Die Beschränkungen des Luftraums über der Karibik sollen laut US-Verkehrsminister Sean Duffy in der Nacht auslaufen.

Auch Europa meldete sich zu Wort. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach sich dafür aus, dass Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia eine führende Rolle im Übergang übernehmen solle. Der Wandel müsse friedlich und demokratisch erfolgen. Später erklärte Macron, er habe mit Machado telefoniert und unterstütze ihren Einsatz für politische Gefangene. Venezuela sei von einer Diktatur befreit worden, schrieb Macron auf X.

Analysten weisen jedoch darauf hin, dass der Machtwechsel komplexer ist als die Absetzung Maduros. Das Regime stütze sich auf ein zivil-militärisches Netzwerk, in dem insbesondere Innenminister Diosdado Cabello eine Schlüsselrolle spiele. Militär und Geheimdienste kontrollieren zentrale Wirtschaftsbereiche wie Lebensmittelversorgung, Rohstoffe und den staatlichen Ölkonzern PDVSA. Experten warnen, dass ohne Einbindung mehrerer Machtzentren ein stabiler Übergang kaum möglich sein dürfte.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite