Der Bettenstopp funktioniert nicht – und die Einheimischen zahlen den Preis

Südtirols Tourismus boomt – und das hat seinen Preis. 2024 verzeichnete das Land über 37 Millionen Übernachtungen und ständige Rekordzahlen bei den Ankünften. Doch der Erfolg des Tourismus belastet die Einheimischen: Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, während der Bettenmarkt weiter wächst. Der Bettenstopp wurde als Lösung verkauft, aber er wirkt mehr wie eine Mogelpackung, die die Zahlen nicht wirklich kontrolliert.
Schwierige Kontrolle – die Realität des Bettenmarkts
In der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen wird deutlich, dass die Zählung der Gästebetten nach wie vor erschwert wird. Obwohl die Bettenobergrenze festgelegt wurde, können durch Nachmeldungen und „erworbene Rechte“ – also bereits genehmigte, aber noch nicht realisierte Betten – weiterhin Betten hinzukommen, die nicht sofort in die Gesamtzahl einfließen.
Wer profitiert? Wer verliert?
Zudem leidet der Wohnungsmarkt massiv unter dem Plattformmarkt für private Anbieter. Dies führt nämlich dazu, dass immer mehr Wohnraum dem Tourismus zugeführt wird. Was einst als Nebeneinkommen begann und eher Ausnahme als Regel war, hat sich zu einem riesigen Geschäft entwickelt, das den Einheimischen den Platz zum Leben nimmt.
Der Preis des Wachstums
Südtirol lebt vom Tourismus – doch der Preis ist hoch. Jahr für Jahr gibt es mehr Nächtigungen. Doch mit den Zahlen steigen auch die Wohnkosten. Für viele Einheimische wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Die Frage ist: Wie lange können die Einheimischen noch in ihrer eigenen Heimat bleiben, wenn immer mehr Wohnungen dem Tourismus zugeführt werden? Der Bettenstopp und die Maßnahmen zur Regulierung der Bettenzahlen wirken wie ein Placebo, da sie die Zahlen kaum in den Griff bekommen. Statt einer klaren Obergrenze wächst der Markt weiter – und die Einheimischen schauen in die Röhre.
Heimat oder Hotel?
Der Fremdenverkehr ist zweifelsohne ein wichtiger Wirtschaftsmotor, aber was passiert, wenn der Tourismusmarkt den Wohnungsmarkt verdrängt? Wenn immer mehr Wohnraum für den Tourismus genutzt wird und Einheimische kaum noch eine Chance auf bezahlbaren Wohnraum haben? Der Bettenstopp mag einen ersten Schritt in die richtige Richtung darstellen, aber ohne wirkliche Kontrolle und Erhebung der Gästebetten bleibt er eine unvollständige Lösung.
Wenn der Trend so weitergeht, wird Zuhause für die Einheimischen zur Seltenheit, während der Tourismusmarkt unaufhaltsam wächst. Südtirol wird sich von einem Zuhause für seine Bewohner zu einem Hotel für Touristen verwandeln. Es ist höchste Zeit, den Wohnraum wieder als Gemeingut und nicht nur als Renditeobjekt zu begreifen. Nur dann wird das Wohnen in Südtirol nicht zum Nebenprodukt des Tourismus.






