von Alexander Wurzer 22.10.2025 13:21 Uhr

„Bozen braucht Biergärten“ – Mehr Leben für die Stadt

Heute stellte sich das neu gegründete Komitee „Bozen braucht Biergärten“ erstmals der Öffentlichkeit vor und präsentierte seine Initiative. Die Idee klingt so einfach wie verlockend – Biergärten mitten in der Stadt, nach bayerischem Vorbild, aber mit Südtiroler Handschrift: lokal, offen, gesellig.

Das Komitee "Bozen braucht Biergärten" hat heute die neue Initiative vorgestellt (v.l.n.r.: Christian Pichler, Manuel Nardo, Giuseppe Martucci, Otto Mahlknecht, Jan Konder, Magdalena Scherer) Bild: Bozen braucht Biergärten

Was in München, Wien oder Zürich längst dazugehört, soll endlich auch in der Talferstadt Einzug halten. Die Initiatoren sind überzeugt: Biergärten könnten Bozen verändern – sozial, kulturell und wirtschaftlich.

Wer hinter der Initiative steht

Hinter der Initiative steht ein parteiunabhängiges Komitee aus unterschiedlichsten Bereichen. Sie alle eint der Wunsch, Bozen lebenswerter zu machen. Im Mittelpunkt steht die Idee, öffentliche Räume wiederzubeleben und Orte zu schaffen, an denen Menschen einfach zusammenkommen können – unabhängig von Sprache, Herkunft oder Geldbörse.

Das Komitee betont: Biergärten seien keine gewöhnlichen Gastronomiebetriebe, sondern Treffpunkte im Grünen, Orte des Miteinanders. Es geht nicht um noch mehr Lokale, sondern um Begegnung, um offene Räume für alle.

Wo Bozen Platz zum Durchatmen hat

Als mögliche Standorte nennt die Initiative den Kapuzinerpark und die Talferwiesen – beides zentrale, leicht erreichbare Orte, die derzeit kaum genutzt werden. Mit überschaubarem Aufwand könnten sie sich in lebendige Treffpunkte verwandeln: mit Schatten, Holz, Musik, Bier und Brotzeit.

Vorgesehen ist, dass ein Teil der Flächen klassisch mit Bedienung geführt wird, während ein anderer im Selbstbedienungsprinzip funktioniert – ganz nach dem Münchner Vorbild. Wer möchte, kann seine eigenen Speisen mitbringen und nur Getränke vor Ort kaufen. Das macht den Besuch auch für Familien und Studenten erschwinglich.

Die Biergärten sollen von Mai bis September geöffnet sein, spätestens um 23 Uhr schließen und mit Rücksicht auf Anrainer gestaltet werden. Auch barrierefreie Zugänge, Fahrradstellplätze und gepflegte Sanitäranlagen gehören zum Konzept.

Lokal, nachhaltig und verantwortungsvoll

Herzstück der Initiative ist die Förderung der Südtiroler Braukultur. Das Land Südtirol hat in den letzten Jahren eine lebendige Szene von Handwerksbrauereien hervorgebracht, deren Produkte künftig im Mittelpunkt stehen sollen. Das gastronomische Angebot soll einfach, lokal und saisonal sein – mit kurzen Lieferwegen, Mehrwegsystemen und nachhaltigen Materialien.

Wichtig ist den Initiatoren, dass der Biergarten nicht als Ort des Alkohols, sondern als Ort der Geselligkeit verstanden wird. Neben regionalem Bier soll es eine breite Auswahl an alkoholfreien Getränken geben.

Wirtschaftlich stark – touristisch attraktiv

Neben sozialem Nutzen verspricht das Projekt auch wirtschaftlich einiges: Biergärten könnten die lokale Wertschöpfung stärken, neue Arbeitsplätze schaffen und der lokalen Produktion Schub geben – von der Brauerei bis zum Gemüsebauer. Nicht wenige in der Initiative ziehen einen Vergleich mit dem Bozner Christkindlmarkt: Ein traditionsverbundenes, aber neues Format, das Gäste aus dem In- und Ausland anzieht und den Sommertourismus stärkt.

Für Familien gemacht

Biergärten, wie sie das Komitee vorschlägt, sollen Orte für alle Generationen sein. Kindgerechte Bereiche mit Spielplätzen, ruhige Ecken für Gespräche, schattige Bäume zum Verweilen – das Konzept ist ausdrücklich familienfreundlich gedacht. Es geht nicht um Lärm und Ausschank, sondern um Gemeinschaft und Leichtigkeit.

Nachhaltige Nutzung statt Neubauten

Ein zentraler Gedanke: Die Initiative will keine neuen Flächen versiegeln oder Betonburgen errichten. Bestehende Parks und Plätze sollen sinnvoll genutzt werden – ressourcenschonend, natürlich, dauerhaft. Statt Umgestaltung heißt es Aufwertung. Die Stadt bekommt mehr Leben im Freien, ohne zusätzlichen Raumbedarf.

Bürgerbeteiligung statt Bürokratie

Die Initiative legt großen Wert auf Mitbestimmung. In den kommenden Wochen soll die Bevölkerung ihre Ideen und Vorschläge einbringen – über Umfragen, Bürgerveranstaltungen und Online-Plattformen. Erst danach will das Komitee konkrete Standorte und Umsetzungsschritte vorschlagen.

Von der Politik erhofft man sich vor allem Offenheit und Mut. Das Projekt soll keine parteipolitische Spielwiese werden, sondern ein gemeinsamer Schritt in Richtung einer Stadt, die ihre Freiräume wiederentdeckt.

Ein Ort, an dem Bozen zusammenkommt

Zwischen Aperol-Spritz und Almhütte sucht Bozen offenbar nach etwas Echtem, nach einem Ort, der beides verbindet: Bodenständigkeit und Leichtigkeit. Biergärten stehen genau dafür – für Begegnung, für Gespräche über Sprachgrenzen hinweg, für das Gefühl, Teil einer Stadt zu sein, die lebt.

Ob die Idee bald Realität wird, liegt an Verwaltung, Politik und den Menschen selbst. Die Stadt ist bereit – fehlt nur noch das grüne Licht.

Im Gespräch mit Otto Mahlknecht – Sprecher des Komitees „Bozen braucht Biergärten“

UT24 sprach mit Otto Mahlknecht, dem Sprecher des Komitees, über die Vision der Biergärten, ihre Bedeutung für die Stadt und die nächsten Schritte.

  • Foto: Otto Mahlknecht

Herr Mahlknecht, warum braucht Bozen Ihrer Meinung nach Biergärten?

Weil Bozen lebendige öffentliche Räume braucht, in denen Menschen zusammenkommen – unabhängig von Sprache, Alter oder Herkunft. Biergärten sind dafür ideale Orte: Sie sind offen, gesellig, bezahlbar und stehen für ein friedliches Miteinander. In vielen Städten Europas sind sie längst fester Bestandteil der Stadtkultur. Wir wollen dieses bewährte Konzept auf Bozen übertragen – mit regionalem Charakter und einheimischer Note.

Worum geht es beim Komitee „Bozen braucht Biergärten“ genau?

Wir sind eine parteiunabhängige, sprachgruppenübergreifende Initiative von Bürgern aus verschiedenen Bereichen – Gastronomie, Jugend, Handwerk und Politik. Uns eint der Wunsch, Bozen lebenswerter zu machen. Biergärten sehen wir als Instrument, um öffentliche Räume zu beleben, Begegnung zu fördern und gleichzeitig regionale Produzenten zu stärken.

Kritiker könnten sagen: Noch mehr Gastronomie braucht Bozen nicht. Was entgegnen Sie?

Biergärten sind keine gewöhnlichen Gastronomiebetriebe. Sie sind soziale Treffpunkte im Grünen. Der Unterschied liegt in der Atmosphäre: Im Selbstbedienungsbereich kann man seine eigenen Speisen mitbringen, Getränke gibt es vor Ort. Es geht also nicht um Konsumzwang, sondern um Begegnung, Geselligkeit und Regionalität.

Welche Standorte kommen für die ersten Biergärten in Frage?

Wir sehen Potenzial im Kapuzinerpark und auf den Talferwiesen. Beide Orte liegen zentral, sind gut erreichbar und könnten mit relativ wenig Aufwand in lebendige Treffpunkte verwandelt werden. Wichtig ist uns aber, dass die Bevölkerung mitreden kann – über Umfragen, Bürgerveranstaltungen und Online-Beteiligung. Wir wollen Biergärten mit den Menschen planen, nicht für sie.

Viele verbinden Biergärten automatisch mit Bier. Ist das nicht ein Widerspruch zu verantwortungsvollem Genuss?

Überhaupt nicht. Wir betonen ausdrücklich: Es geht nicht ums Trinken, sondern ums Zusammensein. Natürlich spielt Bier eine Rolle – aber im Sinne regionaler Braukultur, nicht des übermäßigen Konsums. In Südtirol gibt es großartige Handwerksbrauereien, deren Produkte in Biergärten erlebbar werden sollen. Gleichzeitig bieten wir alkoholfreie Alternativen und familienfreundliche Bereiche an.

Welche Bedeutung hat das Projekt aus wirtschaftlicher Sicht?

Eine große. Biergärten stärken lokale Wertschöpfungsketten: Brauereien, Bauern, Zulieferer und Kulturschaffende profitieren. Außerdem entstehen neue Arbeitsplätze, und touristisch ist das Thema sehr attraktiv. Bozen könnte hier eine Erfolgsgeschichte schreiben – ähnlich wie mit dem Christkindlmarkt, nur sommerlicher.

Sie sprechen von Tradition und Regionalität. Wie lässt sich das konkret umsetzen?

Wir wollen naturnahe, schattige Orte schaffen, die zu Bozen passen – mit Holz, Grün, Musik, regionaler Küche und nachhaltigen Materialien. Die klassische bayerische Biergartenkultur dient als Inspiration, aber wir entwickeln sie weiter: alpin-mediterran, regional.

Was wünschen Sie sich von der Stadtpolitik?

Offenheit und Mut. Wir wollen keine parteipolitische Debatte, sondern eine gemeinsame Initiative für ein lebenswerteres Bozen. Wenn Verwaltung und Politik den Rahmen schaffen, sind wir bereit, Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Die Resonanz aus der Bevölkerung zeigt: Bozen hat Lust auf mehr Begegnung, auf mehr Leben im Freien. Biergärten können dafür ein wunderbarer Anfang sein.

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