von ih 03.10.2025 15:33 Uhr

Südtiroler Heimatbund warnt vor faschistischer Mythenpflege

Der Plan der italienischen Regierung, den 4. Oktober – den Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi – zum offiziellen Nationalfeiertag zu erklären, sorgt in Südtirol für scharfe Kritik. Der Südtiroler Heimatbund (SHB) spricht von einem „politischen Affront“ und warnt vor einer „gefährlichen Instrumentalisierung religiöser Symbole“.

Foto: SHB

Eine faschistische Symbolfigur

„Diese Initiative ist nicht nur Ausdruck eines verklärten Geschichtsbildes, sondern reiht sich ein in eine identitätspolitische Strategie, die auf eine zentralistische Geschichtserzählung abzielt“, erklärte SHB-Obmann Roland Lang. Besonders problematisch sei, dass Franz von Assisi schon in den 1930er-Jahren vom faschistischen Regime Mussolinis zur Symbolfigur des „wahren Italiens“ erhoben wurde.

Historiker verweisen auf zahlreiche Beispiele dieser Vereinnahmung: Der Journalist Gian Antonio Stella erinnerte im Corriere della Sera an die Parallelen, die Mussolinis Propaganda zwischen dem „Duce“ und dem Heiligen zog. 1926 erschien sogar ein Buch mit dem Titel San Francesco und Mussolini, in dem der Priester Paolo Ardali Gemeinsamkeiten wie „Kriegserfahrung“ und „Liebe zu den Vögeln“ konstruierte.

Für den SHB zeigt dies, wie tief die faschistische Ideologie religiöse Narrative vereinnahmte – und dass diese Mythen in rechten Kreisen bis heute nachwirken.

Keine besondere Rolle in Südtirol

Roland Lang betont zudem, dass Franz von Assisi in Südtirol nie eine besondere Rolle gespielt habe: „In unserer Tradition hat der Heilige Josef eine wesentlich größere Bedeutung. Wir haben unsere eigenen Schutzheiligen und unsere eigene Geschichte.“ Ein staatlich verordneter Feiertag am 4. Oktober würde daher die besondere kulturelle Identität Südtirols missachten.

Der Südtiroler Heimatbund fordert deshalb eine kritische Auseinandersetzung mit der faschistischen Instrumentalisierung von Franz von Assisi sowie die Anerkennung der kulturellen Eigenständigkeit Südtirols.

„Wir appellieren an alle politisch Verantwortlichen – auch im Landtag –, dieser Entwicklung entschieden entgegenzutreten. Es darf keine staatliche Geschichtsschreibung auf Kosten der Regionen geben“, so Lang.

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